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Rezension - Die Abenteuer von Huckleberry Finn und Zombie-Jim

Mark Twain, W. Bill Czologosz
Die Abenteuer von Huckleberry Finn und Zombie-Jim
Adventures of Huckleberry Finn und Zombie Jim, USA, 2009
Aus dem Amerikanischen von Caspar D. Friedrich
Titelbild und Innenillustrationen von Nic Klein

Horror, Paperback
Panini Comics, Stuttgart, September 2011
288 Seiten / 12,95 €
ISBN: 9783833223310

Nach seinen aufregenden Abenteuern mit Tom Sawyer scheint der obdachlose Huckleberry Finn endlich ein anständiges Leben zu führen. Bei der Witwe Douglas hat er eine neue Heimat bekommen, geht zur Schule, trägt saubere Kleidung und isst sogar mit Besteck. Nur gelegentlich heckt er mit seinem besten Freund Tom neue Streiche aus und ärgert den klugen Zombie-Jim, der nicht so zurückgeblieben ist, wie viele seiner Artgenossen, die mittlerweile jene Arbeiten übernehmen für die früher die Sklaven genutzt wurden. Doch dann taucht Huckleberrys Vater unverhofft wieder auf und entführt seinen Sohn. Dem gelingt jedoch die Flucht, in dem er seinen eigenen Tod vortäuscht. Auf dem Weg in die Freiheit begegnet er dem Zombie-Jim, der ebenfalls fliehen musste, weil man ihn für den Mörder von Huck hält. Gemeinsam machen sie sich auf einem Floß auf eine abenteuerliche Reise über den Mississippi ...

Wer kennt sie nicht, die Geschichten von Huckleberry Finn und Tom Sawyer, mit denen Mark Twain internationale Bekanntheit erlangte? So war es nur eine Frage der Zeit, bis auch diese Bücher für die zurzeit so beliebten Zombie-Parodien herhalten mussten. W. Bill Czologosz hat sich des Jugendbuchklassikers Die Abenteuer von Huckleberry Finn angenommen und mit ein wenig Zombie-Horror gewürzt und verfeinert. Dabei wurde Twains Klassiker erstaunlich wenig geändert und ist immer noch klar erkennbar. Dass es sich dennoch um einen Zombie-Roman handelt, ist vor allem der Figur von Jim zu verdanken, der hier als Untoter mit einem sehr eigenwilligen Sprachfehler auftritt. Darüber hinaus gibt es aber auch einige derbe Szenen, in denen die allseits beliebten Horden der lebenden Leichen über wehr- und ahnungslose Menschen herfallen. Gerade im letzten Drittel zieht die Geschichte in dieser Hinsicht mächtig an. Doch Die Abenteuer von Huckleberry Finn und Zombie-Jim ist nicht nur eine Persiflage auf das Zombie-Genre, in der hier und da Szenen mit lebenden Toten in einen Klassiker der Jugendliteratur eingefügt wurden. Czologosz hat in dem Roman die Tuberkulose, die damalige Geißel der Menschheit, zur Ursache der Zombie-Seuche erhoben und die Untoten zugleich als Grund für die Abschaffung der Sklaverei erklärt. Denn tote Menschen ohne Rechte, die keine Nahrung brauchen und nicht bezahlt werden müssen, sind natürlich viel effektiver als Sklaven. Dass die Rechnung ohne den Wirt gemacht wurde und schließlich alles schiefgeht, was schiefgehen kann, steht natürlich auf einem anderen Blatt beziehungsweise in dem vorliegenden Buch. Nic Klein hat nicht nur das äußerst treffende Covermotiv gezeichnet sondern auch die sehr kunstvollen Innenillustrationen, die das Lesen auch optisch zum Genuss machen. Nur wenn Jim mit seiner unvollständigen und abgehackten Sprache eine längere Rede hält, gestaltet sich die Lektüre ein wenig schwerfällig. Zugleich ist der naive Zombie dank seiner bestechend einfachen Logik auch für den trockenen Humor maßgeblich verantwortlich.

Fazit:
Ein weiterer Literaturklassiker wird von den omnipräsenten Zombies infiltriert. Blutig, humorvoll und spannend, ohne dabei albern zu sein. Sehr empfehlenswert.

Copyright © 2011 by Florian Hilleberg

 

© by 2011
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