Richard Laymon
Der Keller
3 Romane in einem Band
Originaltitel: The Cellar/The Beasthouse/The Midnight Tour
Übersetzt von Kristof Kurz
Horror, Paperback
Heyne, München, August 2008
1232 Seiten / 15,00 €
ISBN: 9783453433519
Nachdem Heyne, angespornt durch die Erfolge von »Das Spiel« und »Die Insel«, nun mit erschreckender Regelmäßigkeit die Werke des verstorbenen US-amerikanischen Bestsellerautors Richard Laymon in Deutschland auf den Markt bringt, schaffte es auch endlich sein »ultimatives Meisterwerk« (Zitat) in einer großformatigen Paperback-Ausgabe in die Buchhandlungen.
Mit »Der Keller« entwarf Laymon, entgegen seiner üblichen Sex & Crime-Romane, ein aus drei Einzelgeschichten bestehendes waschechtes Horrormachwerk mit Elementen des Thrillers und – man glaubt es kaum, dass so etwas in Schriftform möglich ist – des Splatterfilms!
Die Handlung dreht sich um ein viktorianisch anmutendes Haus an der kalifornischen Westküste, nahe San Francisco, in dem kleinen Städtchen Malcasa Point. Dort wurden sowohl auf dem Grundstück als auch im Keller und auf dem Dachboden einige schreckliche Kreaturen gesichtet, welche sich als Mischung aus Mensch und Affe beschreiben lassen.
Nachdem die Erbauerin mitsamt ihrer Familie den sogenannten Bestien zum Opfer gefallen ist, kaufte sich das Ehepaar Kutch das idyllisch gelegene Bauwerk und musste ebenfalls alsbald feststellen, dass sie dort nicht alleine waren.
Als auch Ehemann und Kinder der Frau Opfer des unersättlichen Drangs nach Fleisch der Bestien wurden, wandelte sie es kurzerhand in eine Art Museum um und veranstaltete von nun an Führungen durch die Räume, welche sie mit originalgetreuen Wachsnachbildungen der Opfer ausstatten ließ. Sie selbst ließ sich gegenüber ein Haus ohne Fenster bauen.
In der ersten Geschichte nun sind Donna und ihre jugendliche Tochter Sandy auf der Flucht vor ihrem pädophilen Ehemann/Vater und geraten zufällig in den kleinen Ort. Schnell werden sie dann in die Ereignisse rund um das sogenannte Horrorhaus hineingezogen.
Geschichte Nummer zwei erzählt von zwei Freundinnen, welche auf dem Weg nach Malcasa Point in die Arme von zwei ausgeschiedenen Armee-Angehörigen laufen. Zu viert versuchen auch sie das Geheimnis des Hauses und ihrer darin wütenden Bestien zu ergründen.
Die dritte Geschichte, mit über 600 Seiten schon eher als Roman zu behandeln, greift dann viele der losen Fäden beider vorangegangener Teile wieder auf und verknüpft sie zu einer auf zwei Zeitebenen stattfindenden Horrorhandlung, welche schließlich irgendwann zusammenführt. Dieser Teil des »Kellers« ist, für Laymon ziemlich ungewöhnlich, recht komplex gestrickt und er unterhält den Leser dabei mit allerlei Hin- und Verweisen auf die bereits erzählten Geschehnisse zuvor.
Mit »Der Keller« ist Richard Laymon wahrlich kein Meisterwerk gelungen, doch dem geneigten Leser bietet er wirklich atemberaubende Unterhaltung jenseits seiner üblichen Psycho-Plots. Hier werden massenweise Tabus gebrochen, sowohl in erzählerischer als auch sprachlicher Hinsicht und man suhlt sich genüsslich in dieser ordinären Schrift.
Zwar erkennt man als Laymon-Leser den unverkennbaren Stil des Autors sofort, denn auch hier sind die Frauen stets jung, gut gebaut und zeigen einen überdurchschnittlichen Drang zum Exhibitionismus, die Männer (und ebenfalls die auftretenden Bestien) sind ohne Ausnahme dauergeil und ständig an nackter Haut interessiert. Von detailliert beschriebenen Beischlaforgien bis zu splattermäßigen Morden erweckt Laymon wieder einmal die niedersten Instinkte im Leser zum Leben.
Allerdings passt dies hier viel besser zum Kontext, denn die Hintergrundgeschichte der Bestien, ihr Werdegang im Horrorhaus und die Beschreibung des kleinen Ortes und der recht eindimensionalen Gedanken der Protagonisten benötigen nun als logische Schlussfolgerung einmal diese einfache Sprache und Ausdrucksform.
Richard Laymon war nie ein anspruchsvoller Schriftsteller und wollte es auch gar nicht sein. Um so mehr macht der »Der Keller« Spaß, wenn man vorher weiß, worauf man sich einlässt.
Zwar wirken die ewig gleichen Stilmittel und stellenweise arg vorhersehbaren Aktionen der Figuren im dritten Durchgang etwas Nerven strapazierend, doch über 1200 Seiten kann man da durchaus das ein oder andere Zugeständnis machen.
Ein anderer Autor hätte vielleicht eine philosophisch angehauchte Monsterjagd mit viel Einblick in das Seelenleben der Figuren gemacht und wäre damit auch nicht schlecht gefahren, doch Laymons einfacher Stil und seine deftige Sprache (in guter Übersetzung) garantieren eine spannende Hardcore-Hatz mit reichlich Blut und Gekröse. Leicht genießbar und stellenweise überraschend (wenn auch erst im letzten Drittel) kann man dem Heyne-Verlag dankbar sein, dass er nun endlich auch einmal einen phantastischen Roman des Autors beinahe vollständig (ein vierter bereits begonnener Teil wurde leider zu Lebzeiten Laymons nicht mehr vollendet) in einer Gesamtausgabe herausgebracht hat. Eine runde Sache!
© Mirko Röhm |