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Rezension - Blutportale

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von
Anke Brandt | Florian Hilleberg | Florian Kayser

Markus Heitz
Blutportale

Horror, Paperback
Knaur Verlag, Dezember 2008
666 Seiten / 14,95 €
ISBN: 9783426663394

Saskia führt ein relativ normales Leben als Köchin mit einem etwas außergewöhnlichem Hobby – Fechten. Dieses Hobby wurde ihr schon in die Wiege gelegt und sie betreibt es leidenschaftlich.
Auch Will, der Florist, scheint ein normales Leben zu führen, außer, dass er die Villa eines ihm unbekannten Millionärs hütet und in eben dieser Villa wohnen darf.
Saskia ahnt während eines Fechtturniers gegen den geheimnisvollen Maître nicht, dass er sie schon seit Ewigkeiten gesucht hat, um tief in ihr verborgene Kräfte zu wecken. Genauso wenig weiß Will von der geheimen Tür in der Villa, hinter der ein Artefakt verborgen liegt, welches eine Gruppe von Fanatikern in ihren Besitz bringen will, um ein Blutportal zu öffnen und damit ihrem angebeteten »Bēlua« den Weg in unsere Welt zu ebnen.
Schon bald befinden sich Will und Saskia auf der Flucht und gleichzeitig auf der Suche, denn das eine Artefakt aus der Villa gehört zu vier weiteren und nur zusammen können diese Artefakte ein Blutportal öffnen. Dämonendiener Bēluas suchen genauso nach den Artefakten wie Levantin, Saskias Fechtgegner. Levantin, ein Dämon aus einer anderen Dimension, hat nur ein Ziel – er will wieder nach Hause. Um dieses Ziel zu erreichen, ist ihm jedes Mittel recht.

Markus Heitz beweist mit diesem Roman einmal mehr, dass er ein wahrer Meister der dunklen Spannung ist und dennoch gibt er in »Blutportale« noch einmal richtig Gas. Er legt ein rasantes Tempo vor, bei dem er nichts dem Zufall, gern aber einige Passagen der Fantasie des Lesers überlässt. So springt er in der Handlung von einem Ort zum nächsten, ohne sich mit Erklärungen aufzuhalten. Dieses enorme Tempo, vollgepackt mit satter Action, lässt einen das Buch gar nicht wieder aus der Hand legen.
Worauf der Leser allerdings verzichten muss, ist die Tiefgründigkeit der Charaktere, die Markus Heitz in seinen anderen Büchern besser herausgearbeitet hat. »Blutportale« lebt aber nicht von der Analyse eines Charakters, sondern eben von der geballten Handlung.
Was mich als Leser wiederum positiv angesprochen hat, das waren die kleinen Querverweise zu den vorherigen Büchern aus demselben Genre. Immer wieder zieht der Autor kleine Parallelen, die das Gesamtwerk in sich stimmig und logisch abrunden. Man muss die Bücher nun nicht zwingend nacheinander lesen, aber ich empfand es beim Lesen doch immer positiv zu wissen, von wem genau die Rede war.
Und noch einen Unterschied gibt es zu den vorherigen Büchern. Die Handlung spielt fast ausnahmslos in der Gegenwart. Der Autor verzichtet diesmal auf den 2. Handlungsstrang. Dennoch nimmt er Bezug auf Ereignisse, die in der Vergangenheit spielen, jedoch präsentiert er diese Ereignisse anders als erwartet.
Alles in allem ist »Blutportale« wieder ein »echter Heitz« und doch ist das Buch auch irgendwie ganz anders. Der Autor versteht es immer wieder, seine Leser in gewohnter Manier zu unterhalten und dabei doch auch immer wieder zu überraschen.

Bewertung:



© Anke Brandt

Markus Heitz
Blutportale
Titelgestaltung von ZERO

Horror, Paperback
Droemer Knaur, München, Dezember 2008
666 Seiten / 14,95 €
ISBN: 9783426663394

Das Leben von Will Gul dreht sich um einhundertachtzig Grad, als eines Tages eine Frau in seinem Blumenladen erscheint und ihm eine unerhört hohe Summe bietet, wenn er seinen Vermieter und Arbeitgeber dazu überredet, die Villa, in der Will lebt, zu verkaufen. Als sich der indische Blumenhändler weigert, schickt die Anwältin eine Schar skrupelloser Schläger, von denen sich Will allerdings nicht einschüchtern lässt. Doch an dem Abend, an dem Will eine große Party in der Villa feiert kommt es zur Katastrophe. Die geheimnisvolle Tür, die es in dem Anwesen gibt, und von der Will bis dato nichts wusste, wird durch unheilvolle Einflüsse geöffnet und das Wesen, das daraus hervorbricht, richtet ein Massaker unter den Gästen an. Nur Will und die hübsche Köchin Saskia überleben das Inferno. Saskia steht vollkommen unter Schock und begreift erst viel später, dass nur durch ihre Anwesenheit das Blutportal geöffnet werden konnte, denn die leidenschaftliche Fechterin wurde erst vor Kurzem bei einem Duell mit dem geheimnisvollen Maître, mit merkwürdigen Symbolen gezeichnet, die eine ungeahnte Kraft in der jungen Frau weckten. Als das gegenseitige Misstrauen abebbt, sehen die beiden ungleichen Menschen ein, dass sie nur gemeinsam den Verfolgern entgehen können, die scheinbar mit dunklen Mächten paktieren. Das Blatt wendet sich zu ihren Gunsten, als sie Hilfe von einer unerwarteten Seite erhalten …

Markus Heitz’ vierter Ausflug in die Gefilde der düsteren Phantastik ist nicht minder tempo- und actionreich wie der Werwolf-Zweiteiler »Ritus« und »Sanctum« oder der Vampirroman »Kinder des Judas«. In »Blutportale« verlässt der Autor nun das Areal klassischer Gruselmonster und konfrontiert seine Leser und Protagonisten mit der ganzen Palette des Übernatürlichen. Dämonen, Vampire, Wandelwesen und nicht zuletzt Zeitreisen erwecken bisweilen den Eindruck einen John-Sinclair-Roman der Superlative in Händen zu halten, nur mit dem Unterschied, dass Markus Heitz einen viel rasanteren Stil offenbart und eine härtere Gangart an den Tag legt, was Brutalität und Sex angeht. Bei Letzterem hält er sich in puncto Quantität erstaunlich zurück und verblüfft den Leser durch eine ausgefeilte Handlung und Actionsequenzen, wie sie jedem Hollywood-Actionfilm gut zu Gesicht stünden. Heitz besitzt einen sehr prägnanten, visuellen Stil, der jedem Kino-Fan ein Leuchten in die Augen zaubern dürfte. Allerdings leidet darunter auch die Atmosphäre des Romans, denn allein durch Action, flotte Sprüche und blutige Gewalt kann man 666 Seiten nicht zufriedenstellend füllen, ohne dass Längen auftreten. In Anbetracht der Thematik ist die Seitenzahl sicherlich kein Zufall und ein netter Gag am Rande. Auch die Charaktere wirken oft oberflächlich und trivial, was allein schon durch die stereotype Attraktivität kundgetan wird. Bei Markus Heitz gibt es kaum »normale« Menschen mit Schwächen und Fehlern, höchstens bei den Opfern oder den Bösewichten, und dieser Umstand schafft eine innere Distanz zum Leser, die den Spaß an der Lektüre ein wenig trübt. Selbst der zunächst bieder wirkende Will Gul entpuppt sich in Stresssituationen als kompromissloser Kämpfer. Der geheimnisvolle Maître, der sich schnell als übernatürliches Wesen outet, besitzt allein durch seine Präsenz eine sonderbare Anziehungskraft und Attraktivität, und erfüllt damit sämtliche Klischees, die Teufeln und Dämonen in bestimmten Kreisen düsterer Phantastik angedichtet wird. Diese Punkte dürfen aber nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass Heitz auch mit diesem Roman ein sehr unterhaltsamer Dark-Fantasy-Thriller gelungen ist, der mit einem originellen Plot zu überraschen versteht. Äußerst faszinierend ist darüber hinaus zu lesen, wie der Autor verschiedene Personen und Ingredienzien der oben genannten Romane in »Blutportale« einfügte und mit der Werwölfin Justine einen vielschichtigen, sympathischen Charakter reaktivierte, der in kommenden Romanen hoffentlich noch häufig mit von der Partie ist.

In Sachen Aufmachung überzeugt die Werbeagentur ZERO erneut durch ein hohes Maß an Kreativität. Der Buchumschlag fügt sich nahtlos in die Phalanx der vorherigen Bände des Genres »düstere Phantastik« ein und zeigt eine beeindruckende Dämonenfratze. Satz und Papierqualität bezeugen, dass der Verlag hier einen Bestseller erwartet.

Fazit:
Abermals geizt Markus Heitz nicht mit Action, Gewalt und Horror. »Blutportale« ist rasant, unterhaltsam, stellenweise aber auch ein wenig »seelenlos“. Hollywoodkino zum Lesen, bei dem mehr Wert auf Spezialeffekte gelegt wurde, als auf Atmosphäre und eine authentische, vielschichtige Charakterisierung.

© Florian Hilleberg

Markus Heitz
Blutportale

Horror, Paperback
Droemer Knaur, München, Dezember 2008
672 Seiten/ 14,95 €
ISBN: 9783426663394

Mit den Worten »Und die Erde war wüst und leer. Und es war finster« aus dem Buch der Bücher beginnt der neue Roman »Blutportale« und katapultiert den Leser sogleich in eine verstörend apokalyptische Realität. Zunächst begleitet der Leser eine junge Frau, die blutverschmiert durch eine Villa torkelt und das sich vor ihr ausbreitende Massaker, welches in einem wahnwitzigen Blutrausch begangen worden zu sein scheint, einfach nicht verstehen kann.
Schnitt: Nun befinden wir uns im Blumenladen von Will Gul, einem deutsch-indischen Spitzenfloristen, der alsbald, nachdem er einen schwierigen Kunden durch ein gekonnt gestecktes Blumenbukett glücklich gemacht hat, Besuch einer penetranten Maklerin bekommt, die ihm ein Angebot macht, welches er nicht ablehnen kann. Scheinbar harmlos wird er von der jungen Frau darum gebeten, den Kontakt zu seinem »Vermieter« herzustellen, in dessen großzügiger Villa Will wohnen darf, da er im Gegenzug dieses Anwesen in Abwesenheit seines ominösen Chefs, der nur Sir genannt werden darf und nur per verschlüsseltem Satellitentelefon zu erreichen ist, verwaltet. Seine ablehnende Haltung gegenüber dem Angebot, was ihm die Dame macht, soll für Will weitreichende Konsequenzen mit sich bringen.
Schnitt: Andreji Smolska, ein junger begnadeter, von sich selbst eingenommener Opernstar wird in St. Petersburg auf offener Bühne von einem seiner »Komparsen« im Zuge einer Kampfszene zum Fechtduell herausgefordert, und was zunächst für das begeisterte Publikum wie eine willkommene Erweiterung des bühnendramaturgischen Repertoires wirkt, wird für den jungen Sänger zu blutigem Ernst.
Ein erneuter Schnitt katapultiert den Leser in die verregnete Hafenstadt Hamburg, in der sich die Restaurantbesitzern Saskia Lange gerade auf den Weg zu einem geheimnisvoll organisierten Fechtturnier in der sogenannten »union des lames« macht. Ihr Ziel ist es, den seit Jahren ungeschlagenen »Champion« des »Vereins«, den Maître, endlich von seinem hohen Ross zu holen und sich selbst an die Spitze der geheimen Vereinsliste zu setzen.
Auf wundersame Weise sind diese Ereignisse und Personen miteinander verbunden und entführen den Leser in eine Welt der Welten, in einen Kampf zwischen dem, von dem man nicht mehr weiß, ob es dem Guten oder dem Bösen zuzuschreiben ist, und am Ende wird der Leser nicht umhin können, vor sich selbst einzugestehen, dass die Frage erlaubt sein sollte, ob es nicht doch mehr zwischen »Himmel und Hölle« gibt, als wir uns allgemeinhin glauben zu machen versuchen.

Markus Heitz ist es einmal mehr gelungen, von der ersten bis zur letzten Seite seines Buches die Spannung beizubehalten. Bereits mit wenigen Worten schlägt er den Leser in routinierter Schriftstellermanier in seinen Bann und lässt ihn auch dann nicht los, wenn bereits die Buchdeckel zugeklappt und das Buch nach einer langen Nacht, aber kurzen Nachtruhe ins Regal zurückgewandert ist.
Die »Surrealität«, der dem Buch zugrunde liegenden Grundannahme, ist derart packend geschrieben, dass sie schon nach wenigen Zeilen zur allgemein anerkannten Tatsache und Realität geworden ist. Das Böse wandelt ebenso selbstverständlich in dämonisch realer Form auf dieser Welt, wie es dies bereits seit der Existenz des Menschen in übertragener Form tut.
Das Wechselspiel der Welten, der Strudel der Ereignisse und die Unglaublichkeit des real Fassbaren, stellen nicht nur die Protagonisten vor eine Herausforderung, da sie an allem zweifeln müssen, woran sie geglaubt haben und über sich selbst hinauszuwachsen imstande sein müssen, wenn sie auch das Dämonische in sich selbst zügeln wollen, sondern auch der Leser wird auf eine harte Probe gestellt. Nicht allein die sehr detaillierten, eiskalte Schauer den Rücken hinab jagenden Detailbeschreibungen von sich von innen herauszerreißenden Brustkörben sind es, die den Leser »wohlig« malträtieren, sondern eben jene Frage, was heißt Glauben und was Wissen, denn beide Theoreme werden im Zuge der Ereignisse derartig gekonnt infrage gestellt, dass bald schon vergessen ist, dass es sich hierbei nur um einen Roman und damit um eine dramaturgisch gewieft gewobene Fiktion handelt und nicht um tiefenphilosophische Diskussionsversuche.
Dennoch wird einmal mehr offenkundig, dass Markus Heitz nicht nur einer der Großen des Fantasy- und Horrorgenres ist, sondern vor allem auch ein Autor, der sich seiner Wurzeln als studierter Germanist und Historiker bewusst ist, da er die Fertigkeiten, welche sich aus beiden Fächern rekrutieren, mit einer spielerischen Leichtigkeit einsetzt und größtmöglichem Erfolg, was die Zufriedenheit anspruchsvoller Leser anbetrifft, damit zu erzielen vermag.
Es gibt keine unnötigen Verzögerungen im Fortgang der Ereignisse, kaum Momente des Innehaltens und damit Verschnaufens und doch fühlt man sich als Leser nicht von den Beschreibungen überfordert, sondern auf wohlige Art und Weise gefordert, ähnlich einem erfrischenden Dauerlauf am Morgen.
Selbst die diversen Ortswechsel, die unter anderem durch die neuen Gaben der Protagonisten, deren diese sich erst im Laufe der Geschichte bewusst werden, bedingt sind, stellen kein verwirrendes Element dar, da der Autor stets die Geschicklichkeit besitzt die Übergange so zu markieren, dass man sich ihrer bewusst wird, ohne jedoch unsanft über sie zu stolpern und damit im Lesefluss und -genuss gehindert worden zu sein.
Spannung, gepaart mit kunstvoll geschwungener Sprache, die bewegt, das sind die Elemente, aus denen Markus Heitz‘ Bücher sind. Und wieder einmal hat er unter Beweis gestellt, dass sein Ruf als einer der Besten mehr als gerechtfertigt ist.

© Florian Kayser

 

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