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Gord RolloAmputiert The Jigsaw Man, Kanada Übersetzung: Michael Krug Titelillustration von init, Büro für Gestaltung, Bielefeld Horror, Trade Paperback »Ein viel klügerer Mann als ich hat einmal gesagt: ›Was uns nicht umbringt, macht uns nur härter.‹ Ich wünschte, ich könnte diesen Kerl finden und ihm direkt in die Fresse schlagen.« Das Leben von Michael Fox ist in einer Sackgasse angelangt und gleicht der typischen Karriere eines Obdachlosen. Seine Frau und sein kleiner Sohn sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Seine Tochter Arlene gibt ihm die Schuld an dem tragischen Unglück. Er flüchtet sich in den Alkohol, verliert seinen Job und schließlich auch sein Haus. Nach einigen Jahren auf der Straße sieht Michael Fox nur noch einen Ausweg. Doch ehe er sich vor den heranrasenden Zug werfen kann, erscheint eine Luxuslimousine, in der ein Mann sitzt, der dem verzweifelten Mann ein unglaubliches Angebot unterbreitet. Der Chirurg Dr. Nathan Marshall bietet ihm zwei Millionen Dollar für seinen rechten Arm. Für Michael Fox rückt damit ein völlig neues Leben in greifbare Nähe und sofort glimmt die Hoffnung auf, sich endlich mit seiner Tochter versöhnen zu können. Fox willigt ein und wird zusammen mit drei weiteren Obdachlosen, die alle einen anderen Körperteil spenden sollen, in die Privatklinik des brillanten Chirurgen eingeladen. Dort erfahren sie von den fortschrittlichen und bahnbrechenden Experimenten, die Dr. Nathan Marshall durchführt, und mit denen er letztendlich hofft seinem Sohn Andrew helfen zu können, der durch Contergan nur noch verkümmerte Gliedmaßen besitzt. Welche Absichten aber tatsächlich hinter den Forschungen stecken, erfährt Michael Fox jedoch erst als es längst zu spät ist ... Die Horror-Welle, losgetreten durch Filme wie SAW und HOSTEL, ist noch lange nicht abgeebbt und erhält nicht zuletzt durch Autoren wie Richard Laymon, Jack Ketchum, Brian Keene u.a. auch in literarischer Hinsicht immer wieder Zuwachs. Der kanadische Schriftsteller Gord Rollo hat mit seinem Horrorthriller Amputiert etwas geschaffen, was dem Schrecken eine neue Dimension verleiht. Sein Horror geht weit über das übliche Morden und Foltern hinaus, auf das sich vor allen Dingen Filme immer wieder beschränken. Hinzu kommt, dass der vorliegende Roman gänzlich ohne das Element des Übernatürlichen auskommt und dabei so beklemmend surreal und irrwitzig herüberkommt wie in den schlimmsten Alpträumen. Und doch ist es gerade der Realismus, die Möglichkeit, dass so etwas tatsächlich denkbar wäre, wenn auch in einem visionären Rahmen, der für die eindringliche Atmosphäre verantwortlich ist. Rollo sorgt zudem mit seinem minimalistischen, flüssigen Stil für ein flottes und unterhaltsames Lesevergnügen. Durch präzise, knappe Beschreibungen erhält das Grauen an Substanz und die Perspektive aus der Sicht des »Loosers« Michael Fox macht den Leser nicht nur zum Beobachter, sondern zum unmittelbar Betroffenen. Jene Sicherheit, die man als Leser spürt, weil dem Ich-Erzähler ja nicht allzu viel passieren kann, ist äußerst trügerisch. Gord Rollo dreht die Spirale des Schreckens unbarmherzig weiter, und wie die Opfer des Chirurgen immer weiteren Gliedmaßen beraubt werden, ist selbst für hartgesottene Leser eine Herausforderung. Im vierten Teil verliert der Roman etwas von seiner Intensität und wird zu einem herkömmlichen, wenngleich sehr rasanten Action-Thriller. Auf einem konstant anspruchsvollen Niveau bewegen sich jedoch immer die Beschreibungen der Gefühle des Protagonisten. Egal ob er um sein Leben rennen, sich mit seiner Situation abfinden oder seinen Leidensgenossen beistehen muss, der Leser ist mittendrin, statt nur dabei. Eine wohldosierte Prise trockenen Galgenhumors verleiht der Lektüre abschließend die gewisse Note, die Amputiert zu einem der besten Horror-Romane des Jahres macht. In seiner Schlichtheit erinnert die Umschlaggestaltung an die Heyne-Hardcore-Titel eines Richard Laymon. Der blutrote, verstörende Titelschriftzug bereitet den Leser auch optisch auf eine verstörende Lektüre vor. Papierqualität, Satzspiegel und Lektorat sind hervorragend. Fazit: Copyright © 2011 by Florian Hilleberg |