Sie sind hier: Startseite - Background - Rezensionen - Hardcover anderer Autoren / Romanhelden - Horror - Wir sind die Nacht


Rezensionen - Wir sind die Nacht

Wolfgang Hohlbein
Wir sind die Nacht
Roman nach dem Drehbuch von Jan Berger und einer Grundidee von Dennis Gansel

Horror, Hardcover
Wilhelm Heyne Verlag, München, Juni 2010
607 Seiten/ 19,95 €
ISBN: 9783453266780

Die einundzwanzigjährige Lena lebt von Kleinkriminalität. Schon früh lernte sie das Leben in einer Strafanstalt kennen, doch von ihrem Bewährungshelfer unter Druck gesetzt, muss sie auch weiterhin Geld auftreiben, um sich ihre Freiheit zu erkaufen. Ihre Geschicklichkeit und Schnelligkeit helfen ihr bei ihren »Beutezügen«, bis sie eines Tages den falschen Mann beklaut und sich mit der Russenmafia konfrontiert sieht. Doch dank eines der Polizisten, der an Lena einen Narren gefressen zu haben scheint, gelingt ihr die Flucht. Fürs erste glaubt sie, damit auch der Russenmafia entkommen zu sein, doch das stellt sich schnell als Irrtum heraus.
Bei ihrer nächsten Tour versucht Lena in einer Edeldisco schnell und einfach an Geld zu kommen. Das Glück ist ihr hold, denn die Inhaberin des Clubs rettet Lena aus einer prekären Situation. Doch der Preis, den Lena dafür bezahlen muss, ist hoch. Denn Louise ist ein Vampir. Nach ihrem Biss beginnt Lenas Verwandlung, der das Mädchen zunächst völlig hilflos gegenübersteht. Doch schon bald beginnt sie den Luxus, welchen Louise und ihre Freundinnen Nora und Charlotte leben, zu genießen. Bis sie entdeckt, dass Louise ihr nicht die ganze Wahrheit gesagt hat. Und dann interessiert sich auch immer noch die Russenmafia – allen voran Stepan – für Lenas Diebesgut. Die Situation eskaliert und Lena muss erkennen, dass das Leben als Vampir doch bedeutend mehr Nachteile als die zunächst offensichtlichen Vorteile birgt. Ihr einziger Hoffnungsschimmer ist Tom, eben der Polizist, der Lena bisher schützte. Doch kann sie ihm wirklich vertrauen?
Kann sie überhaupt noch jemandem trauen?

Mit »Wir sind die Nacht« legt Wolfgang Hohlbein einen Roman vor, dessen Idee nicht von ihm stammt, die er aber umzusetzen hatte. Als erstes kann ich dazu feststellen, dass mir dieser Umstand nicht aufgefallen wäre, wenn ich es nicht gewusst und die letzten zehn Seiten nicht gelesen hätte.
Im Mittelpunkt der Handlung steht Lena, die aufgrund verschiedener Umstände kein allzu leichtes Leben hat. Durch Taschendiebstahl und andere diverse Gaunereien sorgt sie für ihren Lebensunterhalt und ihre relative Freiheit, dennoch erobert sie sehr schnell das Herz der Leser. Denn es wird deutlich, dass Lena eigentlich eine liebenswerte Protagonistin ist. Und so bangte und hoffte ich während der 600 Seiten immer mit Lena mit. Im Gegensatz dazu stehen die drei Vampirinnen Louise, Charlotte und Nora. Was für sie ein Menschenleben wert ist, wird gleich im Prolog dargestellt und so fiel es mir schwer, während der Handlung Sympathie für die drei Ladies aufzubringen, obwohl sie es immer wieder versuchen, ihre Motive nachvollziehbar zu machen. Diese Gegensätzlichkeit kombiniert mit einer sehr tiefgründigen und dabei doch auch geheimnisumwobenen Charakterisierung machte letztendlich die Spannung des Romans aus.
Die Handlung an sich konnte mich nicht vollends überzeugen. Zu viele ausweglos erscheinende Situationen werden für meinen Geschmack viel zu einfach gelöst. Louises Vermögen scheint so unerschöpflich zu sein, dass es stellenweise unglaubwürdig rüberkommt. Geld regiert zwar die Welt, aber in diesem Fall erschienen mir einige Details hoffnungslos übertrieben. So z.B. die Bestechung der Wachmänner. Das würde vielleicht einmal funktionieren, aber bestimmt nicht auf Dauer. Denn die Damen haben Spuren hinterlassen, die ganz sicher nicht zu übersehen waren.
Der Konflikt zwischen Russenmafia und Vampirinnen, welchen Lena durch den Diebstahl der Brieftasche wieder aufwärmte, bietet der Handlung ausreichend Stoff, um die Existenz der Blutsauger zu schildern. Nicht nur das Leben bei Nacht, sondern vor allem auch ihre dunkle und blutrünstige Seite. Die, von welcher sie Lena anfangs nichts erzählen, die das Mädchen deshalb umso mehr erschreckt. Und damit schließt sich der Kreis um den Spannungsaufbau, denn alles, was passiert, hat irgendwie mit Lenas Schicksal zu tun. Und dieses Schicksal macht den Reiz dieses Romans aus, macht ihn spannend und lesenswert. Bis zu den schon erwähnten letzten zehn Seiten. Die Auflösung der wahren Identität von Louise und Stepan sowie der letzte Biss … das war irgendwie nicht der Stil, den ich erwartet hätte, wenn die Idee des Romans vom Autor selbst gestammt hätte.

Fazit:
»Wir sind die Nacht« ist ein rasant und spannend geschriebener Vampirroman, der durch die Charakterisierung der Protagonisten zu bestechen weiß. Handlungstechnisch nicht immer ganz überzeugend, kann ich den Roman dennoch weiterempfehlen, denn hier dürfen Vampire noch richtige Vampire sein.

Bewertung:



Copyright © 2010 by Anke Brandt

 

© by 2010
nach oben Zurück Optimiert für 1024x768 Pixel
im IE & Mozilla Firefox