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Rezensionen - Sunset

Stephen King
Sunset
Originaltitel: Just After Sunset, USA, 2008
Aus dem Amerikanischen von Wulf Bergner, Karl-Heinz Ebnet, Sabine Lohmann, Friedrich Mader, Hannes Riffel
Titelillustration von Hauptmann & Kompanie, Werbeagentur

Horror, Thriller, Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen
Heyne, München, November 2008
480 Seiten / 19,95 €
ISBN: 9783453266049

Dieser Band vereint dreizehn weitere Kurzgeschichten des Bestseller-Autors Stephen King. Bis auf die Erzählung »Die Höllenkatze«, die bereits in »Das Stephen-King-Buch« publiziert wurde, handelt es sich durchweg um deutsche Erstveröffentlichungen.

 

 

 

Willa
David liebt Willa über alles am Rande der Wüste, nicht ahnend, in welcher Welt sie wirklich leben und was seine geliebte Willa eigentlich ist.

Das Pfefferkuchenmädchen
Emily macht Urlaub in einem Häuschen am Strand, den sie zu ausgedehnten Läufen nutzt, nicht nur um Sport zu treiben, sondern auch um vor ihren Sorgen und Nöten davonzurennen – hinein in die Arme eines skrupellosen Serienmörders.

Harveys Traum
Ein Mann erlebt des Nachts einen Albtraum, der näher an der Wirklichkeit ist als ihm lieb sein kann …

Der Rastplatz
John wird auf einem nächtlichen Rastplatz Zeuge, wie ein Mann seine Frau misshandelt, und beschließt zu handeln …

Der Hometrainer
Richard bekommt von seinem Arzt den dringenden Rat mehr Sport zu treiben und beschafft sich einen Hometrainer. Um die langweiligen Fahrten angenehmer zu gestalten, malt sich Richard im Keller Landschaften an die Wand. Schon bald kann Richard Realität und Traum nicht mehr unterscheiden …

Hinterlassenschaften
Scott ist dem Wahnsinn nahe. In seiner Wohnung erscheinen immer wieder Gegenstände der Opfer des Anschlags auf das World Trade Center. Versuchen die Geister der Toten mit ihm Kontakt aufzunehmen oder wurde Scott zu einem Werkzeug höherer Mächte auserkoren?

Abschlusstag
Janice’ Abschlusstag entwickelt sich zur Katastrophe, als in der Ferne eine Atombombe gezündet wird …

N.
Ein Psychiater behandelt den sonderbaren Fall des Zwangsneurotikers N., der die Welt durch unsagbar grauenhafte Dämonen bedroht sieht. N. begeht Selbstmord und der Psychiater forscht auf eigene Faust nach, selbst bereits von den destruktiven Obsessionen seines Patienten infiziert …

Die Höllenkatze
Der Auftragskiller Halston erhält von einem alten Mann seinen, mit Abstand skurrilsten Auftrag: Er soll eine Katze vom Leben zum Tod befördern …

Die New York-Times zum Vorzugspreis
Anne bekommt einen Anruf von ihrem Mann, mitten auf dessen Trauerfeier. Doch er scheint seinen eigenen Tod gar nicht realisiert zu haben …

Stumm
Auf einer nächtlichen Fahrt nimmt Monette einen Taubstummen mit und erzählt ihm aus Langeweile die Geschichte seiner Frau, die ihn nicht nur betrogen hat, sondern auch Geld unterschlägt. Doch das Gespräch hat ungeahnte Folgen …

Ayana
Die Geschichte eines kleinen Mädchens, das einen alten Mann auf wundersame Weise heilt. Doch die überirdischen Kräfte scheinen auf seinen Sohn übergegangen zu sein, der nun selbst zum Wunderheiler wird …

In der Klemme
… ist die Erzählung eines bizarren Nachbarschaftsstreits, der in blankem Hass gipfelt. Curtis wird von seinem Widersacher lebendig begraben – in einem Toilettenhäuschen.

Stephen King hat auch in seiner neuesten Kurzgeschichtensammlung für spannende und abwechslungsreiche Unterhaltung gesorgt. King bietet die ganze Palette seines schriftstellerischen Könnens auf. Von düsterer Phantastik im Stil eines H.P. Lovecraft, über den plakativen Horror bis hin zum harten Psychothriller sind fast alle Genres der Spannungsliteratur vertreten. Ein schönes Gimmick sind vor allem die ausführlichen Anmerkungen des Autors, in denen deutlich wird, weshalb Stephen King mit seinen Büchern einen derartigen Erfolg verbucht. Es ist erstaunlich, wie gut King seine Fans kennt und sich in sie hineinversetzen kann, denn mit vielen Aussagen spricht er dem Leser direkt aus dem Herzen. So zum Beispiel in den Anmerkungen zu seiner Geschichte »Willa«, die er mit den Worten »Wahrscheinlich nicht die beste Geschichte im Buch …« beginnt. Tatsächlich ist es sogar die langweiligste Erzählung. Der Plot an sich ist ganz nett, aber nicht unbedingt neu, ermüdend ist aber vor allem der ausladende Stil in dem King seine Geschichte zum Besten gibt. Einfache Sachverhalte und Szenen werden hier künstlich in die Länge gezogen, und eine Story, die mit der Hälfte der Seitenzahl gut geworden wäre, wird so zum Spannungskiller. Wer sich allerdings dadurch nicht abschrecken lässt, wird bereits mit »Das Pfefferkuchen-Mädchen« mit einem Thriller par excellence belohnt, bei dem einfach alles stimmt, obwohl es eine der längeren Geschichten des Buches ist. Allein die Hetzjagd durch die Brandung birgt eine berstende Spannung in sich, wie sie nur wenige Filme erzeugen können. Die nächste Geschichte, »Harveys Traum«, indes ist ein weiterer Beweis dafür, wie mit möglichst vielen Worten wenig gesagt werden kann. Das eheliche Verhältnis der Protagonisten wurde zwar authentisch und sehr lebendig geschildert, lenkt aber auch vom eigentlichen Plot ab, der auf der Strecke bleibt. Eine der gelungensten Geschichten des Bandes, wenn nicht die beste überhaupt, ist »N.«, die, wie oben bereits erwähnt, an Storys des großen Schriftstellers H.P. Lovecraft erinnert. »N.« ist der Stoff, aus dem Albträume und richtig gute Horrorfilme gemacht sind, und bei dem sich die Frage stellt, ob die psychisch kranken Menschen wirklich so krank sind, oder nicht einen Blick in eine Welt erhascht haben, die sich unseren Augen, glücklicherweise, verschließt. Ein wenig plakativer, zugleich aber auch mit einem derben schwarzen Humor versehen, ist die Erzählung von der Höllenkatze, die den Horrorfans mit am besten gefallen dürfte. Ein weiteres Glanzlicht der Sammlung ist »Stumm«, ebenfalls ein gelungener Psychothriller, der auf wenigen Seiten eine immense Spannung aufbaut. »In der Klemme« schließlich beschäftigt sich, wie so oft, mit einer persönlichen Furcht des Autors, nämlich der Angst, dass eines der kleinen Toilettenhäuschen, wie sie auf Baustellen oder Raststätten stehen, umkippt und auf der Tür zu liegen kommt, sodass der Insasse lebendig begraben wird. In der vorliegenden Geschichte stecken mörderische Absichten dahinter, und so entwickelt sich das im wahrsten Sinn des Wortes beklemmende Kammerspiel zu einem Albtraum, wie er einem modernen Edgar Allan Poe würdige ist.

Mit der Aufmachung hat sich die vom Verlag beauftragte Werbeagentur viel Mühe gegeben und eine angemessene Erscheinungsform gewählt, welche die Geschichten nach außen hin hervorragend präsentiert. Erstklassige Papierqualität, ein angenehmer Satzspiegel, eine stabile Bindung und ein schmuckes Lesebändchen machen die Lektüre zu einem wahren Vergnügen.

Fazit:
Schaurig schöne Geschichtensammlung von Stephen King, der sich abermals als ein Meister seines Fachs entpuppt. Trotz einiger Ausnahmen ist das Gros der Erzählungen äußerst gelungen und verspricht kurzweilige Unterhaltung mit Niveau.

© Florian Hilleberg

 

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