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Guillermo del ToroChuck Hogan Die Saat Horror-Thriller, Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen Heyne (Verlagsgruppe Random House), München, Oktober 2009 528 Seiten / 19,95 € ISBN: 9783453266391 In den 1920er Jahren sitzt der junge Abraham Setrakian vor seiner Großmutter und lauscht mit offenem Mund der Legende von Sardu, einem jungen polnischen Adeligen, der nach einem Jagdausflug in Rumänien seltsam verwandelt wirkt. Immer zurückgezogener lebte er, und nach und nach verschwinden die Einwohner seines Dorfes, werden als Leichen, weiß wie Schnee, aus den angrenzenden Wäldern geschleppt. Diese Gruselgeschichte vergisst Setrakian sein Lebtag nicht - auch nicht, als er ein Jahrzehnt später in ein Konzentrationslager der Nazis gerät und noch viel Grausameres erlebt. In den Baracken der Gefangenen geht ein Dämon um, eine dunkle Gestalt, die in den dahinsiechenden Gefangenen leichte Beute sieht. Einzig Setrakian weiß, um wen es sich handelt: Es muss Sardu sein! In einem günstigen Moment kann der junge Mann fliehen und sich in den nahe gelegenen Ruinen, die noch von den Römern stammen, verstecken. Dort vermutet er Sardu, kann dem dunklen Wesen aber nicht beikommen. Gegenwart: In der ersten Nacht ändert sich einiges in New York. Drei der Überlebenden werden aus dem Krankenhaus entlassen und gehen nach Hause. Kapitän Redfern stellt sich freiwillig für weitere Untersuchungen zur Verfügung. Und Eph und Nora erleben aus erster Hand mit, was passiert: Die Überlebenden aus dem Flugzeug verwandeln sich. Wurmähnliche Parasiten haben sich in ihren Körpern eingenistet, verändern die DNA, sodass aus ihnen blutsaugende Monster werden. Als dann auch noch die Toten aus dem Flugzeug auf seltsame Art und Weise aus den Leichenschauhäusern verschwinden, scheint sich die Vampir-Pandemie in Manhattan unaufhaltsam auszubreiten. Eph und Nora sind aber nicht lange alleine mit ihrer Sorge um das Fortbestehen der Menschheit: Der alte Pfandleiher Setrakian scheint nur auf diesen Tag gewartet zu haben. Er klärt die beiden Experten auf: Ein Meistervampir ist von Europa in die USA gekommen und hat den uralten Waffenstillstand zwischen den Obersten der Blutsauger gebrochen. Dabei muss er Hilfe von einem Menschen gehabt haben. Sein Leben lang hat sich der Mann, der damals aus dem KZ floh, auf eine solche Situation vorbereitet. Sardu scheint wieder zuzuschlagen. Als dann auch noch der Kammerjäger Vasily zur Gruppe stößt und von der Massenflucht der Ratten aus dem U-Bahn-System unter der Baustelle von Ground Zero erzählt, scheint der Plan klar zu sein: Sardu muss dort sein Unwesen treiben – und im Untergrund vernichtet werden ... Das Buch kann man in zwei Teile unterteilen, die beide ihre Stärken und Schwächen haben – und die auch die Leserschaft spalten, wie man an zahlreichen Rezensionen anderer Leser ablesen kann. Auf den ersten 200 Seiten widmet sich »Die Saat« der spannenden Frage, um was es in dem Buch eigentlich gehen soll. Genauso wie die Hauptcharaktere Eph und Nora ist man zuerst planlos, erkennt nur nach und nach und durch die Zwischenspiele, in denen man die Geschichte des Pfandleihers Setrakian erfährt, auf welches Problem das Ganze hinsteuert. Dieser Teil des Romans versprüht einen starken Touch von »Sense of Wonder«, ist eine Geschichte, wie man sie aus besseren »Akte X«-Folgen kennt. Allerdings stellt dieser Part der Story den Leser auch auf die Probe, wie lange er noch im Dunklen tappen möchte. Vielleicht sind 200 Seiten, um in Gang zu kommen, doch etwas viel für ein Buch von knapp 500 Seiten – selbst, wenn es sich um den ersten Band einer Trilogie handeln soll. Nach etwa der Hälfte des Romans bekommt er eine andere Gewichtung. Die Fronten sind geklärt, man hat herausgefunden, was sich an Bord der Maschine abgespielt haben muss und was für schreckliche Folgen das für die gesamte Menschheit haben kann. Was dann folgt, sind weitere 250 Seiten rasanter Horror-Action. Eph und seine Truppe, zu der auch der oben erwähnte Kammerjäger stößt, müssen versuchen, der sich ausbreitenden Seuche Einhalt zu gebieten. Die Autoren sind dabei sehr geschickt vorgegangen und lassen die Geschehnisse aus der Sicht der vier Überlebenden des Fluges und anhand dessen, was in ihrem unmittelbaren Umfeld geschieht, erzählen. Hier entwickelt der Roman den wahren Horror, bei dem auch mal Säuglinge von Vampirwesen angefallen werden, Haustiere und Kinder den Verwandelten zum Opfer fallen, und mit der »Saat« infizierte Freunde und Nachbarn auf düsteren Dachböden oder finsteren Kellern auf ahnungslose Mitmenschen warten. Del Toro und Hogan zerstören so vertraute amerikanische Alltagswelten und scheuen sich auch nicht davor, Nazi-KZ und Ground Zero mit in die Geschichte einzubinden: glasklare Symbole zweier mehr als traumatischer Ereignisse der menschlichen Geschichte. Einigen typischen Elementen von Vampirstories und Lösungsvorschlägen, z.B. wie man den Blutsaugern beikommen kann, werden mit Ideen wie Tageslichtlampen als »Pistolen« und Silberkugeln Tribut gezollt. Manch einem mag das zu plakativ und auf den Effekt inszeniert sein, in diesem Zusammenhang aber funktioniert es, weil die Autoren ihr Buch mit vielen Personen und Szenenwechseln wie einen Hollywood-Blockbuster aufzubauen. Hier liegt auch die Kritik einiger Leser, dass von dem anfänglichen Suspense-Gefühl nichts mehr vorhanden ist und sich stattdessen auf die Horror- und Action-Schiene konzentriert wird. Andererseits hat dieser Teil des Romans deutlich mehr erzählerischen Schwung als der Beginn. Alles in allem ist »Die Saat« ein gelungener Horror-Thriller geworden, der zwar keine großen Highlights bietet, aber solide Spannung mit schön ausgearbeiteten Charakteren und ein phantastisches Grundthema harmonisch in sich vereint. Der Schreibstil und die Kapitellängen sind gefällig, die Sargholz-Optik der Kapiteltrennseiten eine schöne Idee, und auch die Ausstattung mit silbernem Schutzumschlag und Lesebändchen kann sich für den gerechten Preis von knapp 20 Euro sehen lassen. Wenn del Toro und Chuck Hogan noch zwei weitere Romane in dem Format vorlegen, kann man sich auf diese Trilogie nur freuen. Und vielleicht machen sie damit Horror als Genre wieder ein bisschen attraktiver für die Masse. Del Toros Name hat dem Roman jedenfalls einiges an Aufmerksamkeit beschert, und der Verlag Heyne hat auch mit der Werbung (z.B. im kostenlosen Kinoblatt einer internationalen Fastfood-Kette) nicht gegeizt.
© Sascha Vennemann |