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Rezensionen - Die Kannibalen von Candyland

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Elmar Huber | Gunter Arentzen

Carlton Mellick III
Die Kannibalen von Candyland
Originaltitel: The Cannibals of Candyland
Übersetzung: Michael Plogmann
Cover Artist: Ed Mironiuk

Bizarro Fiction, Bunt gebunden, Duftcover, Leseband
Festa-Verlag, Taucha, 2010
160 rosa Seiten / 16,80 €
ISBN: 9783865520951

www.carltonmellick.com
www.festa-verlag.de
www.edmironiuk.com

»’ne Menge Leute kommen zu mir und wollen eine Waffe, um ihre Kinder vor den Zuckermenschen zu schützen. Sie behaupten, sie hätten die wirklich aus der Nähe gesehen. Ich habe ihnen in die Augen geblickt und nicht einer von denen hat mich angelogen. Ich habe nicht die geringste Ahnung, ob sie wirklich existieren oder nicht. Aber ich habe eine Menge Leute getroffen, die davon überzeugt sind, dass es sie gibt.«

Als Kind musste Franklin Pierce mit ansehen, wie seine drei Geschwister von der Zuckerfrau bestialisch getötet wurden. Seit dem hat sich Franklin geschworen, die Existenz der Zuckerwesen zu beweißen, dann könnte z.B. das Militär sie vernichten. Doch niemand in seiner Umgebung glaubt ihm, dass die Zuckerwesen tatsächlich existieren. Franklin besorgt sich eine Pistole, denn die Leiche eines Zuckerwesens sollte Beweiß genug sein. Tatsächlich gelingt es Franklin während der Verfolgung eines Zuckermanns, in das Candyland einzudringen.

»Um vollkommen ihr Vertrauen zu gewinnen, muss er vollkommen einer von ihnen werden. Franklin begreift, dass er eine Menge Dinge tun muss, die ihm absolut nicht gefallen, um ihr Vertrauen zu erlangen. Er ist sich nicht sicher, ob er das alles wirklich ertragen kann.«

Obwohl die Hauptfigur bereits zu Anfang als Sonderling charakterisiert wird, lässt Carlton Mellick III den Leser noch kurze Zeit im Glauben, sich in der normalen Welt zu bewegen. Doch immer wieder bricht der Autor die Realität auf, wird zunehmend surrealer und grotesker und zieht den Leser in seine fantastische und gefährliche Welt.
Dabei spinnt CM3 kein verkopftes Phantastikgarn, wie man es vielleicht erwarten würde, sondern setzt durchaus auf Action und Drive, angereichert mit jeder Menge absurder Ideen, die dem Leser immer wieder den Boden unter den Füßen wegziehen. Das alles präsentiert CM3 auf eine unprätentiöse, fast sachlichen Art ohne jegliche schriftstellerischen Finessen. Doch genau dieser Gegensatz von Form und Inhalt erzeugt einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Explizite Gewalt- und Sexszenen werden zwar nicht ausgespart aber auch nicht überstrapaziert oder selbstzweckhaft eingesetzt. Insofern passt der Festa-Slogen »Japanisches Kino unter der Regie von David Lynch« hervorragend auf DIE KANNIBALEN VON CANDYLAND. Genau wie David Lynch in seinem Filmen präsentiert CM3 hier auf klinisch-nüchterne Weise eine faszinierende Mischung aus Amüsement, Ekel und surrealem (Liebes-)Drama.

Aus reinem Überlebenswillen ist Franklin gezwungen, sich mit der mörderischen Zuckerfrau, Jujube, zu arrangieren, um nicht von den anderen Zuckermenschen getötet zu werden. In den Gesprächen zwischen Franklin und Jujube kontert diese stets mit den pragmatischen Regeln des Candylands gegen die schwammigen und ineffizienten Gepflogenheiten der Menschen. Und so wird DIE KANNIBALEN VON CANDYLAND plötzlich zur kleinen Groteske, mit der CM3 der menschlichen Gesellschaft einen Spiegel vorhält. DIE KANNIBALEN VON CANDYLAND funktioniert also durchaus auf zwei Ebenen.

Mit DIE KANNIBALEN VON CANDYLAND hat sich der Festa-Verlag eine kleine Perle geangelt, deren Brillanz man erst nach abgeschlossener Lektüre erfasst, denn der Autor lässt keine Verschnaufpause aufkommen. Noch dazu ist das Büchlein in knapp drei Stunden durchgelesen. Dennoch gelingt es CM3, seine Story in immer neue Richtungen zu peitschen, ohne dass ihm diese entgleitet. Sowohl der »Held« Franklin Pierce als auch das anfängliche Monster Jujube machen auf nur 150 Seiten grundlegende Entwicklungen durch, die es schwer machen, sich am Ende von diesen beiden Figuren zu trennen.
Versteckt unter der objektiven Sachlichkeit lauern jede Menge Zwischentöne und Graustufen, die DIE KANNIBALEN VON CANDYLAND am Ende zu einem bizarren Plädoyer für Toleranz und Verständnis machen.

»Es ist auch üblich, dass der Gebieter Stücke seines Gatten isst. Gebieter nehmen sich ihre Partner, weil ihnen der Geschmack gefällt, deswegen ist es natürlich, dass der Herrscher Teile seines Gatten essen will. Und den meisten Untertanen gefällt es, zuzusehen, wie ihr Gatte Stücke von ihnen isst.«

Zur Einführung von CM3 bei Festa hat Verlagsleiter Frank Festa nicht gekleckert, sondern geklotzt. Das Covermotiv von Ed Mironiuk wurde von der US-Ausgabe übernommen. Das Buch kommt als Hardcover samt Lesebändchen daher, wurde auf rosa Papier gedruckt und streichelt man den Bauch der Candy-Lady auf dem Cover, duftet dieser nach dem Candyland (nach Erdbeeren). Frank Festa setzt so viel Vertrauen in CM3, dass mit ULTRA FUCKERS und DER BABY-JESUS-ANAL-PLUG bereits zwei weitere Veröffentlichungen in vergleichbarer Ausstattung geplant sind.

Copyright © 2010 by Elmar Huber

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Carlton Mellick III
Die Kannibalen von Candyland
Aus dem Amerikanischen von Michael Plogmann
The Cannibals of Candyland, Eraserhead Press 2009
Titelbild: Ed Mironiuk

Bizarro Fiction, Bunt gebunden, Duftcover, Leseband
Festa-Verlag, Taucha, 2010
160 rosa Seiten / 16,80 €
ISBN: 978386552095

www.festa-verlag.de

Franklin ist ein Sonderling.
Das war er schon, bevor seine drei Geschwister von der Zuckerfrau gefressen wurden, aber anschließend wurde es noch schlimmer.
Inzwischen ist er ein erwachsener Mann und besessen davon, die Existenz der Zuckermenschen zu beweisen. Denn bislang glaubt ihm niemand, dass es diese Wesen wirklich gibt.
Also muss er einen Zuckermenschen fangen – besser tot als lebendig – um der Welt zu beweisen, dass seine Geschichte von einst stimmt und dass diese Wesen eine Gefahr darstellen. Eine Gefahr für die Kinder dieser Welt.
Als er den Zugang zur Welt der Zuckermenschen findet, wähnt er sich am Ziel. Aber dann kommt alles anders ...

Heilige Scheiße!
Dieses Buch ist ein literarischer Trip auf LSD, anders kann man es kaum beschreiben. Mir war bislang nicht klar, dass man derart viele abgedrehte Ideen zu einem derart unterhaltsamen und auch spannenden Buch verquirlen kann.
Ein bisschen SF, ein bisschen Horror und der Rest Wahnwitz, das beschreibt die Zutaten wohl am besten. Und dennoch verliert sich Mellick III nicht in seinen absurden Abläufen, sondern schafft es, eine stringente Handlung mit überraschenden Wendungen zu schaffen. Der Leser kann dadurch eine bizarre Welt eintauchen und sich in ihr verlieren. Zumal die Menschen jenseits der Zuckerwesen so herrlich normal, gleichzeitig aber auch überdreht sind – eben ganz wie im richtigen Leben.
Hat man einen Sinn für Abstruses und Pulp, dann ist man mit diesem Buch bestens beraten.
Dazu trägt der Festa Verlag auch mit der Aufmachung bei. Rosa (!) Seiten und ein Cover mit nach Süßigkeiten duftendem Aufdruck (!!) findet man wahrlich nicht jeden Tag. Auch das Cover und die Farbgestaltung garantieren einen Blickfang im Bücherregal. Hier hat sich Festa tatsächlich selbst übertroffen, denn dieses Kleinod sollte jeder Fan abgedrehter Literatur sein Eigen nennen und es nicht allzu weit vom Anhalter platzieren.

Fazit:
Ein legaler Drogen-Trip in Wortform für alle, die solche Literatur zu schätzen wissen. Wer dem Absurden nichts abgewinnen kann, macht einen Bogen um das Buch. Ich jedenfalls war begeistert …

Copyright © 2011 by Gunter Arentzen

 

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