Alfred Wallon
Pioniere des Westens - Band 1
Kampf der Giganten
Der Eisenbahnkrieg zwischen der Denver & Rio Grande Railroad und der Atchison, Topeka & Santa Fé Railway
Titelbild: Library of Congress
Cover: Andrea Velten – Factor 7
Historischer Western, Paperback
Mohlberg Verlag, Köln, Januar 2011
218 Seiten / 16,90 €
ISBN: 9783942079594
Der Traum von einer Eisenbahnstrecke von Colorado über die Rocky Mountains bis nach Mexiko war ein wichtiger Faktor, der dem ganzen Südwesten der USA zu einem wirtschaftlichen Aufschwung verhelfen sollte. Dies ist die Geschichte des fast zwei Jahre andauernden Kampfes zwischen der Denver & Rio Grande Railroad und der Atchison, Topeka & Santa Fé Railway, die sich untereinander ein gnadenloses Wettrennen lieferten. Beide Eisenbahngesellschaften setzten gedungene Revolvermänner ein und schreckten auch nicht davor zurück, offene Gewalt anzuwenden. Der geplante Bau über den Raton Pass und später zur aufstrebenden Minenstadt Leadville versprach einen ungeheuren Profit - und dafür entfachten beide Eisenbahngesellschaften einen erbitterten Krieg.
Die Geschichte der Eisenbahn in Amerika ist fast so alt wie das Land selbst und lässt sich bis Mitte der 1820er Jahre zurückverfolgen. Vielen dürfte bekannt sein, dass ohne die Railroads, welche die noch jungen Bundesstaaten näher zusammenbrachten und mit für Wohlstand und Wachstum sorgten, die Entwicklung der Nation Amerika zu einer modernen Gesellschaft nicht in dem uns bekannten Maße vonstattengegangen wäre.
Das goldene Eisenbahnzeitalter der Vereinigten Staaten erstreckte sich zwischen den 1880er Jahren bis zu den 1920er Jahren, bevor Automobile und Flugzeuge den Railroads den Rang streitig machten.
In seinem Roman Kampf der Giganten greift Autor Alfred Wallon einen kleinen Zeitabschnitt der Eisenbahngeschichte Amerikas auf und lässt darin seinen Protagonisten Clay Caldwell agieren. Als Einstieg wählte der Autor folgende historische Begebenheit:
Am 26. Februar 1878 kamen zwei Gleisbautrupps der Denver & Rio Grande Railroad und der Atchison, Topeka & Santa Fé Railway nach El Moro, dem Denver Schienen-Kopf von Rio Grande Railroads und der Mannschaft von Santa Fe an. Die D&RG-Crew suchte ihr Hotel auf, um zu schlafen. Die Mannschaft der AT&SF begab sich zum Raton Pass, um dort die ersten Schwellen verlegen zu können. Ein Hindernis stellte jedoch Richens Lacy Wootton dar. Uncle Dick, wie er auch genannt wurde, hatte einen Schlagbaum über die Straße vor seinem Haus am Raton Pass aufgestellt und verlangte pro Wagen 1,50 Dollar und pro Reiter 25 Cent. Indianern erlaubte er, die Straße kostenlos zu verwenden. Sein Haus war für Passagiere von Postkutschen offen, welche ein gutes Essen und jede Menge Geschichten serviert bekamen. Obwohl die Atchison, Topeka & Santa Fé Railway dem findigen Wooton 50 000 Dollar für die Straße bot, lehnte dieser ab. Stattdessen verkaufte er sie symbolisch für 1 Dollar, einer monatlichen Rente auf Lebenszeit für sich und Geld zur Finanzierung eines Lebensmittel-geschäfts für seine Frau.
Noch vor der Morgendämmerung begannen die Arbeiter mit dem Bau der Eisenbahntrasse über den Raton Pass. Hilfe bekamen sie dabei von Einwohnern aus Trinidad, welche nicht gut auf die D&RG zu sprechen waren, da diese den Ausbau der rivalisierenden Stadt El Moro unterstützte.
Der erste Band der Reihe Pioniere des Westens mag zu überzeugen, auch wenn er anders als bisherige Werke aus der Feder des Autors Alfred Wallon aufgebaut ist. Es ist aus meiner Sicht ein weiterer Versuch, aus der Schiene des Heftromans auszubrechen und neue Wege im Buchgeschäft zu gehen.
Hauptsächlich richtet der Autor seinen Fokus auf den Kampf der beiden Eisenbahngesellschaften um den Ausbau ihrer Machtposition und der Sicherung einer größtmöglichen Gewinnbeteiligung am Minengeschäft. Dabei spielen Charaktere wie Ray Morley, Clay Caldwell und Co. meist eine untergeordnete Rolle und symbolisieren vielmehr das raue Leben zu jener Zeit.
Man sollte schon etwas in der Materie stehen, wenn man sich mit dem Roman beschäftigt.
Recht glaubhaft und mit einem Augenzwinkern verbunden läuft einem die Szene des Ringens um den Raton Pass vor dem geistigen Auge ab. Mir schien es beim Lesen, als ob der Handel erst vor Kurzem vonstattenging.
Fazit:
Kampf der Giganten überzeugt aufgrund eines ausgewogenen Verhältnisses von Passagen des Erzählens und der Dialoge. Der Roman liest sich von Anfang bis Ende flüssig. Man fühlt sich mitten in die Storyline versetzt. Der historische Hintergrund ist gut recherchiert, Zeit- und Lokalkolorit stimmen weitgehend überein.
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