Sarwat Chadda
Teufelskuss
Fantasy, Paperback mit Klappbroschur
Penhaligon Verlag (Verlagsgruppe Random House), München, Februar 2010
320 Seiten / 14,95 €
ISBN: 9783764530310
Billi (eigentlich »Bilqis«) SanGreal ist kein Teenager wie jeder andere: Sie ist eine Tempelritterin. Den Orden, der seit ewigen Zeiten für das Gute einsteht und das Böse in der Welt zu vernichten geschworen hat, gibt es auch heute noch. Ganz zu Billis Leidwesen ist ihr strenger Vater Arthur der Anführer des Geheimbundes und sehr darauf versessen, aus seiner Tochter eine vollwertige Kämpferin zu machen. Deswegen gibt er sich betont kühl und distanziert, drängt Billi zu Waffentrainings und zum Töten von übernatürlichen Kreaturen. Dermaßen eingespannt rettet sich das Mädchen des Öfteren in Zynismus, was ihr – neben den Blessuren, die sie sich beim Kämpfen und Üben zuzieht - an der Schule den Status eines Außenseiters einbringt. Wie die anderen Mitglieder des Ordens lebt sie im Temple-Viertel im heutigen London, die Basis der Tempelritter ist die Temple Church.
Der einzige Freund Billis ist Kay, der mental begabte Junge, der als Kind zu den Templern kam. Damit er lernen konnte, seine Fähigkeiten zu kontrollieren, wurde Kay von Billis Vater auf eine einjährige Exkursion nach Jerusalem geschickt, von der er nun zurückgekommen ist. Billi ist zwischen Freude und Verärgerung hin und her gerissen, da ihr Freund, mit dem sie irgendwie sogar noch mehr als bloße Freundschaft verbindet, wieder im Lande ist, sich aber während seiner Abwesenheit kein einziges Mal bei ihr gemeldet hat. Trotzdem begleitet sie Kay auf seiner ersten Tour, bei der er seine neu erlernten Fähigkeiten ausprobieren soll. Als er dabei den Verfluchten Spiegel Salomons, eine Metallscheibe, mit der man angeblich Engel und Teufel kontrollieren kann, in die Hände bekommt, entfesseln seine Kräfte die »auf der anderen Seite« gefangenen Geister. Dabei wird etwas freigesetzt, das Billi und Kay zunächst nicht einordnen können. Erst als in einem Krankenhaus seltsame dunkle Wesen auftauchen und Kinder unter einer rätselhaften Krankheit wie die Fliegen zu sterben beginnen, dämmert ihnen etwas. Und wer ist dieser seltsame tätowierte junge Mann namens Mike Omen, der plötzlich auftaucht und sich – sehr zu ihrer Freude - für Billi zu interessieren scheint? Bald schon finden die Templer heraus, das Kays Kontaktaufnahme mit dem Spiegel die »Grigori« freigesetzt hat, jene Engel, die unter der Leitung des Todesengels persönlich dafür sorgten, dass Ereignisse wie Sodom und Gomorrha, die Sintflut und die biblischen Plagen stattfanden. Und was noch schlimmer ist und Billi fast um den Verstand bringt: Mike Omen ist in Wirklichkeit der Todesengel Michael, die rechte Hand Gottes, der durch das erneute Töten aller Erstgeborenen eine Passage zurück in den Himmel erlangen möchte. Wird es Billi gelingen, den dunklen Engel und sein Gefolge sowie das Stattfinden der Zehnten Plage aufzuhalten? Nur eines ist klar: Dieser Kampf wird viele Opfer kosten ...
Der britische Autor Sarwat Chadda liefert mit »Teufelskuss« sein Debüt ab und hat sich dabei eine düstere Urban Fantasy Story ausgedacht, die er stringent, klar und eher actionbetont inszeniert. Unbeschwert (d.h. nicht immer korrekt zitiert und nicht klar zwischen Fakt und Fiktion getrennt – so ähnlich kennt man es ja aus Dan Brown Thrillern) mixt er Motive und Historien verschiedener Religionen miteinander und konzentriert sich aber dann doch auf einen biblisch orientierten Konflikt, der an sich nicht neu ist: Ein gefallener Engel möchte zurück in den Himmel. Kann man ihn daran hindern, dafür unzählige Menschenleben zu opfern?
Die Hauptfigur Billi SanGreal ist dabei genauso klassisch gestaltet. Das Teenager-Mädchen, das von ihrer Aufgabe – dem Kampf für das Gute – genervt ist, die toughe und wehrhafte Einzelgängerin, die sich nach Nähe und Freunden sehnt, erinnert doch sehr ein »Buffy« aus der gleichnamigen TV-Serie. Und ebenso wie diese Serie ist der Roman eher actionorientiert und legt nicht, wie der Klappentext möglicherweise werbewirksam weismachen möchte, einen Focus auf die sich andeutende Romanze zwischen Mike und Billi. In der Tat wird die fast nicht stattfindende Beziehung zwischen den beiden so peripher behandelt, dass man sie genauso gut hätte weglassen können. Sie zählt eigentlich nur als weitere Variante des wiederkehrenden Motivs der Enttäuschung, das sich durch den Roman zieht: Billi ist enttäuscht von ihrem Vater, der sie in guter Absicht zu Distanz und Nüchternheit erzieht – zurecht, wie sich gen Ende des Romans zeigt. Des Weiteren ist sie von ihrem Freund Kay enttäuscht, der die sich für die Belange des Ordens und seine Fähigkeiten mehr zu interessieren scheint, als für sie.
Chaddas Stil ist klar und einfach, die Kapitel kurz, die Handlung schnell. So sind die etwa 300 Seiten flott gelesen, ohne lange und prägnant im Gedächtnis zu bleiben. Insbesondere die beinahe apokalyptisch anmutenden letzten Kapitel, in denen London in Tod und Chaos versinkt, ziehen zu schnell und wenig eindringlich vorbei – hier wurde erzählerisches Potenzial verschenkt.
Insgesamt ist »Teufelskuss« ein solides Debüt, das aber noch Luft nach oben lässt. Es wirkt alles noch etwas unentschlossen und trotz – oder gerade wegen? - der angenehm schnellen Inszenierung an einigen Stellen zu dünn erzählt. Es passiert in den Roman zwar viel, der Autor gibt dem Leser aber nicht genug zeitlichen und emotionalen Raum, das Geschehene an sich heranzulassen. Andererseits nervt »Teufelskuss« auch nicht durch aufgesetzte Überemotionalität à la »Twighlight«.
Nichtsdestotrotz scheint Sarwat Chadda damit einen Nerv getroffen zu haben: In England avancierte der Roman zu Bestseller, und der Autor arbeitet gerade am zweiten Teil der nun im Werden begriffenen »Billi SanGreal«-Reihe. Der englische Titel lautet »Dark Goddess« (»Dunkle Göttin«) und wird im Sommer 2010 in UK erscheinen.
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