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Rezension - Meridian - Dunkle Umarmung

Amber Kizer
Meridian - Dunkle Umarmung
Meridian, New York/USA, 2009
Aus dem Amerikanische von Karin Dufner
Titelillustration von Gettyimages
Titelgestaltung von ZERO Werbeagentur München

Fantasy, Softcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen
PAN, München, Oktober 2009
336 Seiten / 12,95 €
ISBN: 9783426283011

Wenn kleine Tiere spüren, dass der Tod nah ist, suchen sie Meridians Nähe, um an sie gekuschelt zu sterben. Das war schon immer so, seit Meridian geboren wurde, und sie macht sich längst keine Gedanken mehr darüber. Doch an ihrem 16. Geburtstag ist plötzlich etwas anders: Als vor Meridians Haus ein schwerer Unfall passiert, empfindet das Mädchen den Schmerz der Sterbenden am eigenen Leib – und entgeht selbst nur knapp dem Tod. Jetzt erst erfährt sie die Wahrheit: Sie gehört zu den Fenestras, die den Seelen der Verstorbenen das Fenster zum Himmel öffnen können. Ihre Gabe ist nun voll erwacht und bringt Meridian in größte Gefahr, denn die Fenestras haben dunkle Gegenspieler ...
Eine spannende und bewegende Geschichte voller Geheimnisse und Romantik.

Meridian verfügt über die Gabe die Seele Sterbender in den Himmel zu führen – bzw. ihnen dabei zu helfen. Das handelt ihr wenig schmeichelhafte Bezeichnungen wie »Todesbotin«, »Totengräberin«, »Hexe« ein.
Am 21. Dezember – Meridians 16. Geburtstag, erfährt sie, dass sie kein Mensch, sondern eine Engel, ein Wesen, das man Fenestra nennt, ist. Von einem Tag auf den anderen ändert sich mit diesem Geburtstag das Leben des Mädchens und sie wird zu ihrer Tante Merry nach Colorado geschickt. Und somit wird sie bewusst von ihrer Familie getrennt. Ein Brief, den ihr ihre Mutter mitgibt, bringt ersten Aufschluss für Meridian, warum sie fortgeschickt wird: Sie soll fortan das Leben einer Fenestra führen, weil sie etwas Besonderes ist – mit einzigartigen Gaben und Talenten gesegnet, aber dadurch auch mit einer großen Verantwortung versehen.
Das Haus der Tante entpuppt sich als gewaltig, mit Türmchen, Giebeln und riesigen Kaminen versehen. Die Tante dagegen ist eher zierlich, mit platinblondem Haar und hellblauen Augen. In ihrem Haus lebt auch Tens – Tenskatawa Valdes –, ein hochgewachsener, schwarzhaariger junger Mann, der sich Meridian gegenüber anfangs sehr ablehnend verhält. Dagegen zeigt sich Custos, der Wölfin der Tante, aufgeschlossen.

Meridian erfährt nun, was eine Fenestra ist (Tür zum Paradies, zum Jenseits) und, dass auch Tens kein normaler Mensch ist, er sieht Dinge vorher, in seinen Träumen oder Gefühlen.
Doch der Besuch bei ihrer Tante bleibt nicht lange unentdeckt und schon bald hat es Meridian mit Gegner zu tun, die nicht nur ihrer Tante schaden wollen, sondern auch ihr. Eine religiöse Sekte, Abgesandte des Teufels, die sich um den charismatischen, schönen, blonden Reverend Perimo geschart haben, nehmen immer mehr Macht in der Kleinstadt ein und vertreiben alteingesessene Bürger und nehmen deren Platz ein.
Perimo sagt das Jüngste Gericht voraus – für das bevorstehende Dreikönigsfest (6. Januar) und verunglimpft Meridians Tante wegen ihrer angeblich »heidnischen Praktiken« und der »Hexerei«.
Dann verschwindet Celia Smithson, ein kleines Mädchen, aus der Stadt, und Tens und Meridian suchen es. Sie finden Celia mit dem Fuß in einer Tierfalle und versuchen sie zu befreien und retten, doch das kleine Mädchen stirbt.
Als der Reverend auftaucht, macht Meridian das erste Mal mit ihm Bekanntschaft. Er gibt sich nach außen hin freundlich, bedroht sie aber, indem er ihr zuflüstert, dass man sie beobachte, sprich im Auge habe.
Erstmals hört Meridian von ihrer Tante von den Aternocti, die den Fenestrae schaden und sie töten wollen. Und Meridian stellt sich die Frage ob der Reverend und seine Anhänger Aternocti sind.
Meridian erhält von ihrer Tante deren Tagebuch bzw. das der Fenestrae, der Frauen ihrer Familie, das diese immer weitergeführt haben.
Dann hört sie von Tens, dass ihre Tante (106 Jahre alt, Fenestrae werden nicht älter) nicht mehr lange zu leben hat und Meridian ihr beim »Übergang« helfen soll.
Meridian beginnt die Tagebucheintragungen zu lesen und erfährt mehr über die Fenestrae – z. B., dass sie am 21.12., Punkt Mitternacht ihren ersten Schrei ausgestoßen haben muss.
Doch Meridian findet auch mehr über Tens heraus und dass sein Schicksal mit ihrem verknüpft sein soll. Dass er einer der vom Schöpfer geschaffenen Kriegerengel ist, die immer eine Fenestra bewachen – somit ist Tens Meridians »Wächter«, in den sie sich längst verliebt hat.
Der Reverend breitet sich immer mehr in der Kleinstadt aus und lässt eine luxuriöse Kathedrale bauen. Tens Nachforschungen bringen zutage, dass der Reverend förmlich aus dem Nichts gekommen ist. Der »Geistliche« ruft seine Gemeinde in einer Predigt auf, das Böse zu bekämpfen – Meridian, Tens und Meridians Tante –, und er gibt Meridian die Schuld am Tod der kleinen Celia.
Meridian, ihre Tante und Tens geraten immer mehr in Bedrängnis und Gefahr ...
Mehr sei nicht verraten.

Die Autorin hat einen angenehm minimalistischen Stil, erreicht dadurch einen optimalen Lesefluss und gerade aus dem Grund eine spielerische Lebendigkeit und dennoch Tiefe, da sie auf Charaktere setzt. Im Fall dieses Werkes auf drei starke Persönlichkeiten (Meridian, ihre Tante und Tens), die den Leser in ihren Bann ziehen werden.
Amber Kizer zeigt deutlich, dass weniger mehr ist und überzeugt auf ganzer Linie.
Dabei greift sie auf leichte, respektvolle Weise ein Tabuthema auf: den Tod – und nimmt ihm durch ihren Plot und Ansichtsweise das Düstere. Von daher ist »Meridian – Dunkle Umarmung« nicht ein weiterer der herkömmlichen Fantasytitel, sondern ein Buch, das nachdenklich stimmt. Auch was die anderen in dem Roman behandelten Themen, wie z. B. Diffamierung angeht.
Wer denkt gute Unterhaltung wäre anspruchslos oder Denkanstöße müssten zwangsläufig mit erhobenem Zeigefinger daherkommen, wird hier eines Besseren belehrt.
Die Aufmachung des Titels erfreut ebenso wie der Inhalt: Vor den Kapiteln findet sich ein immer wiederkehrendes Motiv, das Format des Buches ist wundervoll handlich und auch das Cover ist eine Augenweide und der Buchumschlag von guter Qualität.

Fazit:
Ein rundum empfehlenswerter Fantasyroman, der erstklassig geschrieben ist, von der ersten bis zur letzten Seite unterhält – und ein wichtiges Thema aufgreift.

© Alisha Bionda

 

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