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Rezension - Evermore - Die Unsterblichen

Alyson Noël
Evermore - Die Unsterblichen

Fantasy, Softcover mit Klappbroschur
Page & Turner, München, November 2009
384 Seiten / 16,95 €
ISBN: 9783442203604

Die sechzehnjährige Ever überlebt als Einzige den tragischen Autounfall, bei dem ihre gesamte Familie ums Leben kommt. In einer Nahtoderfahrung erlebt sie mit, wie ihre Mutter und ihr Vater, ihre Schwester Ripley sowie der Familienhund Buttercup über eine Brücke ins Licht gehen, doch sie vertrödelt die Zeit beim Betrachten des wundervollen Sommerlandes, in dem sich die Dahinscheidenden plötzlich befinden. Zu lange ist sie abseits des Weges – und überlebt deswegen. Noch kurz bevor sie im Unfallwagen wieder zu sich kommt und gleich darauf wieder das Bewusstsein verliert, sieht sie ein Gesicht über sich ...
Seit diesem Augenblick ist Evers Leben die reinste Qual. Mit Schuldgefühlen belastet muss sie durch den Alltag kommen, der doch eigentlich so schön sein könnte: Sie wohnt jetzt bei ihrer alleinstehenden Tante direkt am Meer im Orange County, Kalifornien. Das riesige Haus verfügt über einen Pool, immer gutes Wetter, Evers Cabrio blitzt in der Sonne, und sie ist bestückt mit iPod und später iPhone, technisch auf dem neuesten Stand. Sogar ihre Schwester Ripley besucht sie sehr oft, als Geist mit Sinn für ausgefallene Kleidung und einem Hang dazu, unbemerkt bei Prominenten zu spitzeln.
Und doch geht es Ever schlecht, denn seit dem Unfall kann sie plötzlich Auren erkennen und Gedankenlesen! Diese Reizüberflutung lässt das Mädchen sich zurückziehen, die ehemalige Cheerleaderin hüllt sich in Kaputzenshirts und hört pausenlos ihren MP3-Player, um die Farben und Töne, die sie umschwirren und verwirren, nicht mitbekommen zu müssen.
Ihre einzigen Freunde sind der homosexuelle Miles (ein schwuler Emo-Boy, wie er im Buche steht) und die Goth-affine Haven, deren Interesse für Schwarzes und Okkultes klischeehafter nicht sein könnte. Die anderen Mitschüler beäugen das introvertierte Mädchen eher skeptisch bis hasserfüllt.
Dann taucht eines Tages Damen auf! Der gutaussehende Kerl drückt jetzt mit Ever die Schulbank, und sie verliebt sich Hals über Kopf in ihn – wie eigentlich jeder in der Klasse. Mädchen wollen ihn, Jungs wollen so sein wie er. Darüber geraten Miles, Haven und Ever sich sogar in die Köpfe, obwohl letztere die meiste Aufmerksamkeit von Damen bekommt. Bei einer Halloween-Party kommen die beiden sich näher und werden ein Paar. Aber die Beziehung ist von mysteriösen Vorkommnissen überschattet. Wer ist diese Drina, die man öfter zusammen mit Damen sieht, und die für Haven ein neues Vorbild wird? Und warum kann Ava, die Hellseherin auf der Party, Ripley ebenfalls wahrnehmen? Warum schleicht sich Damen nachts in ihr Zimmer? Wo lebt er, hat er eine Familie?
Als Ever immer weiter nachbohrt, stößt sie auf ein Geheimnis, das auch sie persönlich betrifft und ihr Leben ein weiteres Mal schlagartig verändern wird ...

Autorin Alyson Noël hat ihre Romanserie »Die Unsterblichen«, dessen erster Teil »Evermore« ist, auf inzwischen sechs Bände angelegt. Sie verarbeitet darin den Tod dreier geliebter Menschen, und hat somit Ever als trauerndes Abbild von sich selbst erschaffen. Und das traf den Nerv der Leser, stürmen die Romane, ähnlich der »Twilight«-Saga, die US-Bestsellerlisten. Auch in Deutschland hat dieser Band 1 es schnell bis in die Top 20 der Bestseller geschafft.
Das alles führt mich nur zu einer Frage: Warum?

Normalerweise hätte ich dieses Buch nicht zur Hand genommen und würde es auch nicht rezensieren, wenn ich nicht ein Exemplar davon von der Presse-Vertreterin des Verlages Page & Turner mit den Worten übersandt bekam, es »müsste passen«, und zwar zu meinem Lesegeschmack.
Selten hat sich jemand so geirrt. Zwar ist in der Tat »Evermore – Die Unsterblichen« nicht für jemanden wie mich geschrieben worden. Zielgruppe ist ganz klar ein junges weibliches Publikum, dass nach Ende von Stephenie Meyers Romanen um Bella und Edward auf neues, ähnlich gestricktes Lesefutter wartet. Aber auch, wenn man diese Kuh bis zum Umfallen melken möchte, sollte man es mit Anstand und Würde tun. Alyson Noël tut nichts dergleichen.

»Evermore« ist mit Abstand das oberflächlichste, langweiligste und dümmlichste Buch, das ich je für eine Rezension lesen musste. Das muss ich knallhart so sagen, denn die inhaltlichen und stilistischen Mängel dieses Romans sind so gravierend, dass daran auch keine gelungene oder nicht gelungene Übersetzung schuld sein könnte (wie mancherorts, z.B. bei »Amazon« gemutmaßt wird). Dreiviertel des Romans, immerhin 300 lange Seiten, geschieht absolut nichts. Ever und ihre Freunde treffen auf Damen, die daraufhin in zahlreichen ausführlichst portraitierten Date-Situationen einander kennenlernen und beschnüffeln. 300 Seiten lang – ohne Resultat. Dazwischen häufen sich Beschreibungen oberflächlichster Jugendphantasien, wie ein hippes Teenie-Leben auszusehen hat: technische Gadgets von Apple, eigenes repräsentativ teueres Auto, Villa am Strand mit Pool, gutaussehende, individuelle Freunde, Halloween-Hausparty, Shopping, Stars und ein gutaussehender, mysteriöser Fremder. Die Autorin greift schamlos und ohne erkennbare Ironie so tief in die Kiste abartiger US-amerikanischer Klischee-Abziehbilder, dass einem als Leser unweigerlich übel wird.
Unverzeihlich auch die Idee, den Roman komplett personalisiert aus der Sicht Evers zu beschreiben und dabei durchgängig die Gegenwartsform zu verwenden! Soll unmittelbarer wirken, führt aber dazu, dass man die trägen, melancholischen und teils einfach albernen Gedanken Evers ungefiltert miterleben darf.
Auf den restlichen Seiten des Romans (davon fast zehn Seiten Leseprobe des bald erscheinenden zweiten Teils »Der blaue Mond«) kommt die Geschichte dann langsam in Fahrt. Man erfährt, was oder wer Damen ist, und wie seine Verbindung zu Drina und Ever, ihrer Vergangenheit und ihres Schicksals zu verstehen ist. Aber dazu reicht es auch, einfach den Titel des Romans zu lesen und einen Augenblick darüber nachzudenken, was er wohl bedeuten könnte.

Was am Ende bleibt sind knapp 400 Seiten Papierverschwendung, um eine belangslose, inhaltsleere, langweilige, stilistisch fehlgestaltete und sich sprachlich auf unterstem Niveau bewegende Geschichte zu erzählen, die selbst viele aus der Zielgruppe als unzureichend motiviert und lieblos sowie uninspiriert geschrieben erkennen dürften. Im Hinblick auf die Platzierung in den Bestseller-Charts steigen mir die Tränen in die Augen, dass sich so ein Blödsinn leider zu verkaufen scheint.

Bewertung:



© Sascha Vennemann

 

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