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Rezension - Elfenlicht

Elfenlicht
Von Bernhard Hennen

Paperback
Heyne Verlag (Verlagsgruppe Random House)
928 Seiten/14,00 Euro
ISBN: 3-453-52218-4

Die uns bereits wohlbekannten Helden aus den Vorgängern „Die Elfen“ und „Elfenwinter“ stellen sich den weiteren Gefahren, die dem Weltengefüge um die Menschenwelt und Albenmark drohen – und dies bereits in der dritten Generation. Denn die Kinder von Alfadas, Melvyn, Ulric und Kadlyn, sind erwachsen geworden und nehmen rege Anteil an den Schlachten um Elfenlicht, die Burg in der Mitte des Herzlandes Albenmarks:
Um das Herzland vor dem Eindringen der Trolle zu bewahren, zerstört Emerelle einen der Albenpfade, die die Welten miteinander verbinden. Dabei schlüpfen Schattenwesen, derer Emerelles Macht nicht Herr werden kann, nach Albenmark und beginnen, ihr Unwesen zu treiben. Um nach einer Lösung zu suchen, schickt Emerelle ihren Ritter Ollowain und die Lutin Ganda in die Bibliothek von Iskendria. Dort werden die beiden Opfer des Devanthars, der die Geschicke Albenmarks wie ein Falrach-Spieler zu lenken scheint – und dies immer geradewegs auf einen großen Krieg mit den Trollen zu. Zudem bildet sich eine Untergrundbewegung aller Kobolde gegen die Herrschaft der Elfen, welche mit den Trollen kollaboriert. Und dem nicht genug: Auch Emerelle stösst langsam, aber sicher an die Grenzen ihrer Belastbarkeit, was die ethischen und moralischen Abwägungen angeht, die sie tagtäglich treffen muss, um herrschen zu können: Des Herrschens müde, erlaubt sie sich viele persönliche Schwächen, was ihr keine zusätzlichen Verbündeten einbringt.

Auch die Menschen werden einerseits von dem Devanthar, andererseits von einem verblendeten Elfenfürsten mit in den großen Krieg verwickelt, obwohl Menschen und Trolle seit dem fürchterlichen Elfenwinter zu einer mehr oder weniger friedliche Koexistenz gefunden hatten. Melvyn, in Albenmark aufgewachsen, findet während der Kriegsvorbereitungen seine große Liebe in der mit dem sadistischen Fürsten Shandrag verheirateten Elfe Leylin und kämpft mit allen Mitteln um sie. Ulric und Halgard in der Menschenwelt sind miteinander verheiratet und haben mit einer schlimmen Prophezeihung Bruder Jules zu kämpfen. Und Kadlin, die von ihrer Abstimmung nichts weiß, kommt in ihre „Heimat“ zurück und erobert diese, das Herz des Herzogssohnes Björn und die Anerkennung Albenmarks in einem rauen Sturm.

Der dritte Band um die Geschicke der Elben und Menschen ist leider auch der Schwächste. Nicht, dass es Hennen auf einmal an guten Ideen mangeln würde – es ist eher so, dass die Geschichte gegen Ende recht überfrachtet wirkt. Es ist gut, wenn die Leser nicht ständig in ihren Vermutungen über den Ablauf bestätigt, sondern mit phantasievollen Wendungen neugierig gehalten werden. Jedoch schlägt diese Geschichte einige Haken zuviel. Spätestens um Seite 600 beginnt man sich langsam zu fragen, wie Herr Hennen es schaffen mag, die vielen Handlungsstränge und latenten Zusammenhänge noch in einer angemessenen Weise zu Ende zu führen. Bis man dann enttäuscht feststellt, dass die Zusammenführungen derart hastig abgehakt werden, als gelte es unbedingt noch kurz vor dem Weihnachtsgeschäft fertig zu werden. Wenn man sieht, dass die Originalausgabe im Dezember 2006 im Buchhandel erhältlich war und Hennens Danksagung im Buch vom November desselben Jahres stammt, liegt der Gedanke nahe. Man bemerkt die Eile auch deutlich, weil sich der Erzählduktus Hennens sonst eher detailverliebt und malerisch gibt.

Auch der Versuch, Emerelle etwas nahbarer zu gestalten, gelang nicht zum Guten. Ihr Versuch, nach ewigen Jahrhunderten als Königin ihren treu ergebenen Ritter zu beeindrucken, indem sie kocht, macht sie lächerlich und lässt sie an dieser Stelle verzweifelter erscheinen, als sie es angesichts der dunklen Flecke auf ihrer Regierungsweste ist. Verzweifelt-konstruiert auch das Happy Ending der Liebesgeschichte: Ist Ollowain jetzt der reinkarnierte Falrach, oder leben zwei Seelen in einem Körper? Wie hat der Gedanke denn Platz im Weltengefüge? Und dass Emerelle einmal mehr ihre Macht zu selbstsüchtigen Zwecken missbraucht, indem sie - was sie am Anfang des Romans als schlecht abtut - die Seele von Falrach an die Oberfläche der Erkenntnis zwingt, macht irgendwann wohl auch kein schlechtes Gewissen mehr. So sind sie halt, die verliebten Frauen. Und nach 7000 Jahren vergeblichen Wartens will man dem Trottel von Mann vielleicht auch mal massiv auf die Sprünge helfen, kann man ja verstehen.
Tröstlich ist, dass wir alle wissen, dass Bernhard Hennen viel bessere Bücher schreiben kann, nämlich von den vorausgegangenen. Wir freuen uns einfach auf das nächste Buch.

© Rebecca Hagelmoser

 

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