
Rezension - Die Werwölfe

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Christoph Hardebusch
Die Werwölfe
Titelillustration von Arndt Drechsler
Düstere Phantastik, Paperback
Heyne Verlag, München, September 2009
512 Seiten / 14,00 €
ISBN: 9783453533165
Der junge Adelige Niccolo Viviani wird von seinem Vater auf die Grand Tour geschickt, damit er zum Mann wird und sich die dichterischen Flausen aus dem Kopf schlägt. Anschließend soll er im Militärdienst den letzten Schliff erhalten, um später die Geschäfte des Vaters übernehmen zu können. Einzig die Gesellschaft der ebenso zarten wie liebreizenden Valentine stimmt Niccolo milde, denn das Kindermädchen seiner kleinen Schwester Marcella soll Niccolo auf einem Teil seiner Reise begleiten, um ihrer eigenen Familie einen Besuch abstatten zu können. Dort, am Genfer See, macht Niccolo die Bekanntschaft mit dem berühmt-berüchtigten englischen Dichter und Lebemann Lord Byron, der mit einer illustren Gesellschaft in der Villa Diodati haust und dort, laut Volksmund, rauschende Feste und wilde Orgien feiert. Auch Valentine und ihre Familie sind nicht begeistert davon, dass Niccolo die Einladung des Lords annimmt, ihn und seine Freunde in der Villa zu besuchen. Von da an verbringt der junge Aristokrat immer mehr Zeit im Kreise der Engländer, die ein dunkles Geheimnis zu hüten scheinen. Eines Nachts beobachtet Niccolo den Lord und seine Gefährten bei einem schrecklichen, aber nicht minder faszinierenden Ritual. Von da ab gibt es für Niccolo Viviani kein Zurück mehr. Schon bald müssen er und seine neuen Freunde feststellen, dass auch Werwölfe mächtige Feinde haben …
Deutschlands neue Hoffnung in Sachen Fantasy-Literatur, Christoph Hardebusch, hat sich einer häufig vernachlässigten Spezies der Dunkelheit angenommen und den Werwölfen ein eigenes Epos gewidmet. »Die Werwölfe« ist historische Dark-Fantasy im Stil von Markus Heitz’ »Ritus« und »Sanctum«. Glänzend recherchiert mixt Hardebusch Fakten mit Fiktion und entwirft ein packendes Szenario, das geradezu nach einer Verfilmung schreit. Lord Byron und seine Gesellschaft, bestehend aus dem englischen Dichter Percy Shelley, dessen Verlobter Mary Godwin und ihrer Stiefschwester Claire, sowie Byrons Leibarzt Polidori, hat tatsächlich im Jahr 1816 in der Villa Diodati am Genfer See einen vergnügten Sommer verbracht, in dessen Verlauf Mary Shelleys weltberühmter Roman »Frankenstein« entstand. Nicht neu, aber spannend beschrieben, wurde auch die Geheimorganisation der Kirche, die im Namen Gottes, Jagd auf die Geschöpfe der Finsternis macht. Kapitel voll dramatischer Action wechseln sich ab mit ruhigen, atmosphärischen Passagen, die der charakterlichen Tiefe der Pro- und Antagonisten dienlich sind. Bisweilen erhält man als Leser den Eindruck, dass einige dieser ruhigen Abschnitte zu lang sind, doch erst dadurch gewinnen die Figuren an Glaubwürdigkeit und Tiefe und lassen ihr Tun authentisch wirken. Ganz ohne Vampire kommt der Roman aber dann doch nicht aus, sodass mit Ludovico, alias Graf Karnstein, ein charismatischer Blutsauger eine Schlüsselrolle spielt. Gekonnt spielt Hardebusch mit seinen Figuren, lässt ihre Absichten bis zuletzt im Dunkeln, sodass nicht nur Niccolo im Ungewissen bleibt, wem er trauen kann, und wem nicht. Überraschende Wendungen und viele farbenprächtige Schauplätze lassen dem Leser nur wenige Verschnaufpausen, und wenn man droht, die Orientierung zu verlieren, kann man zum Anfang des Buches zurückblättern, wo nicht nur die Dramatis Personae (die mitwirkenden Figuren) aufgeführt werden, sondern auch eine detaillierte Landkarte des neunzehnten Jahrhunderts zu finden ist. Die Verwandlung der Werwölfe wird sehr dramatisch dargestellt, und wenn die Wolfsmenschen zu wüten beginnen, kann man vor dem geistigen Auge bereits sehen, wie die Traumfabrik derartige Szenen filmisch umsetzen könnte. »Die Werwölfe« ist ein grandioser Unterhaltungsroman, der sehr visuell geschrieben wurde und den Leser bis zuletzt in Atem hält. Eine Fortsetzung indes ist absolut möglich und wünschenswert.
Für das grandiose Titelbild zeigt sich Arndt Drechsler verantwortlich, dessen Werke bereits auf vielen Erstveröffentlichungen des Heyneverlags zu finden sind. Auch für den vorliegenden Roman hat er ein stimmungsvolles, detailreiches Kunstwerk geschaffen. Papier, Satz und Lektorat lassen beim Leser kaum Wünsche offen.
Fazit:
Mit diesem Werk lässt Christoph Hardebusch die Werwölfe aus dem Schatten der Blutsauger heraustreten. Ein Dark-Fantasy-Abenteuer par excellence vor historischer Kulisse.
© Florian Hilleberg |

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Christoph Hardebusch
Die Werwölfe
Titelillustration von Arndt Drechsler
Paperback, Fantasy
Heyne Verlag, München, September 2009
512 Seiten/ 14,00 €
ISBN: 9783453533165
Niccolo Viviani, einer junger Adliger aus der Toscana, bricht auf zu seiner Grand Tour, bevor er seinen Dienst beim Militär antreten soll. Die erste Etappe seiner Reise führt ihn in die Schweiz, denn er begleitet die Gesellschafterin seiner kleinen Schwester in ihre Heimat. Am Genfer See kommt es für Niccolo zu einem folgenschweren Treffen mit dem Dichter Lord Byron. Byron hat in der Gegend einen schlechten Ruf, doch gerade das weckt Niccolos Neugier. Aus einem ersten Besuch entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den Männern, die soweit führt, dass Byron Niccolo seine wahre Identität offenbart. Byron ist ein Werwolf und möchte Niccolo ebenfalls zu einem machen. Doch soweit kommt es nicht, denn die Inquisition ist den Männern auf der Spur und das Ritual wird unterbrochen.
Doch damit endet auch die Zeit in der Schweiz. Niccolo muss genau wie Lord Byron und seine Freunde fliehen, ohne dass er sich von seiner großen Liebe Valentine verabschieden kann.
Obwohl das Ritual unterbrochen wurde, verfolgt Niccolo nur noch ein Ziel: er muss alles über die Wolfsmenschen in Erfahrung bringen. Die Suche nach Antworten treibt ihn quer durch Europa und über die Grenzen hinaus, bis er am Ende feststellen muss, dass es noch weitaus finsterere Mächte gibt als Werwölfe.
Als ich las, dass Christoph Hardebusch einen Abstecher in die dunkle Phantastik macht, war sofort klar, dass ich dieses Buch lesen muss. Wenn ich geahnt hätte, wie positiv überrascht ich werde, hätte ich es wahrscheinlich viel früher gelesen. Doch so begleiteten mich die Werwölfe durch die sogenannten Rauhnächte, und eine passendere Lektüre hätte ich für diese Zeit gar nicht haben können. Der Autor schafft es beinahe spielerisch, den Leser in die Zeit der Handlung zu entführen. Die Beschreibungen der Orte und Personen wirken äußerst authentisch und diese Wirkung wird ungeheuer verstärkt durch die Wahl der Worte. Die Dialoge lesen sich so, wie ich mir Unterhaltungen im 19. Jahrhundert vorstelle, aber damit nicht genug, passt Christoph Hardebusch seinen Erzählstil ebenfalls der Zeit der Handlung an, ohne dabei irgendwann gekünstelt zu wirken. Während ich das Buch las, habe ich in einem Forum angemerkt, dass ich sehr beeindruckt bin von der Entwicklung, die der Autor von Buch zu Buch genommen hat. Bei den Werwölfen fiel mir das extrem positiv auf. Das größte Lob, was ich in diesem Punkt dazu geben kann, ist folgendes: Hätte ich nicht gewusst, wer der Autor von »Die Werwölfe« ist, dann hätte ich geschworen, dass Markus Heitz das Buch geschrieben hat.
Neben der atmosphärischen Dichte, die diesen Roman zu so etwas Besonderem macht, darf ich natürlich auch nicht vergessen, auf die Spannung zu verweisen, die der Story innewohnt. Und diese wird von der ersten Seite an aufgebaut, steigert sich zunächst allmählich, mündet letztendlich in einem großartigen Finale, welches in dieser Form anfangs nicht zu erwarten war. Zum Spannungsaufbau trägt natürlich auch bei, dass Christoph Hardebusch historische Tatsachen und Personen geschickt mit Elementen der dunklen Phantastik verknüpft. Gerade in der Vermischung von Historie und Phantastik liegt der besondere Reiz, denn der Autor bleibt dennoch glaubhaft, da er nichts übertreibt. Außer vielleicht, dass er die großen Dichter der Zeit zu Werwölfen macht … doch das ist vielleicht noch die kleinste Überraschung an der ganzen Geschichte.
Fazit:
»Die Werwölfe« ist ein spannender, atmosphärisch dicht geschriebener Roman, der den Leser in die Zeit der Handlung entführt und ihn nicht mehr aus den Klauen eben jener Wesen entlässt. Sprachlich bewegt sich der Autor auf sehr hohem Niveau, was dazu führt, dass Handlung und Sprache sich ergänzen und somit beste Unterhaltung bieten.
© Anke Brandt |
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