
Rezension - Die Feuerritter - Kampf um Teinemaa

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Ann-Kathrin Karschnick
Die Feuerritter - Kampf um Teinemaa
Fantasy, Paperback
Papierfresserchens MTM-Verlag, TOMA Edition, Bodolz, 2009
623 Seiten/ 17,90 €
ISBN: 9783940367495
Der Gesprächsfetzen, den der junge Schreinerlehrling Tulùrin im Hause des Statthalters von Aglàar zufällig aufschnappt, besiegelt sein Schicksal: »Wirst du mich dabei unterstützen, den König von Teinemaa zu töten?« Entsetzt versucht der junge Waise zu fliehen, doch zu spät: Nach nur kurzer Hetzjagd findet er sich in der Folterkammer des Statthalters wieder. Doch er scheint das Interesse noch undurchsichtigerer Leute als den Statthalter auf sich aufmerksam gemacht zu haben. Ein Mann, dessen Gesicht immer unter einer Kapuze im Verborgenen bleibt, wird sein Retter. Nach ihrer Flucht ist für Tulùrin nichts mehr, wie es einmal war. Er wird konfrontiert mit der längst in das Reich der Märchen abgesunkenen Legende um die Ignisha'avor und ihre Kan Ignista. Einst waren diese die Nachfahren einer magischen Verbindung zwischen einem Reiter und seinem Pferd, reiften zu einer Ritterschaft heran, die das Land stets beschützte und bereicherte, bis sie in ihrem stärksten Kontrahenten ihren Meister fanden und untergingen.
Die überstürzte Flucht und die Reise Tulúrins durch Teinemaa scheint von einer Rettungsaktion des Königs immer mehr zu einer Reise zu werden, in der der einst unbedarfte junge Mann die Stationen der prophezeiten Rückkehr der Feuerritter wie von selbst nachzeichnet, daran wächst und schließlich zu einem ernsthaften Gegner für den verhassten Statthalter Shin-Du wird. Das reicht jedoch noch nicht, denn er muss sich einer noch viel dunkleren Bedrohung stellen, den Plänen eines weitaus dunkleren Gegners, dessen Wiederkehr niemand in Teinemaa für möglich hält, da auch er zu dieser längst vergessenen Zeit gehört, die für die Bewohner in das Reich der Märchen gehört. Die Lage im Land spitzt sich jedoch schnell und dramatisch zu, ein Krieg scheint bald unausweichlich. Doch wie soll man einen Krieg gegen alptraumhafte Märchenwesen führen? Ob Zufall oder Schicksal, die Zeit scheint reif, dass sich verloren geglaubte Völker wieder mit Menschen zusammenschließen müssen, um gemeinsam gegen den gefürchteten Dunkelelf zu ziehen.
Der neue Roman von Ann-Kathrin Karschnick gehört zum besten Lesestoff in der Fantasy, von dem ich in der letzten Zeit das Vergnügen hatte, es rezensieren zu dürfen. Frische Ideen und ein straffer Erzählstil mit unerwarteten Wendungen lassen einen das Buch kaum aus der Hand legen. Jeder noch so bekannt erscheinende Handlungsstrang wird virtuos variiert und charmant ausgestaltet.
Jedes Mal, wenn ich dachte, dass ich jetzt genau weiß, wie die Geschichte weitergeht, dauerte es keine zehn Seiten, und die Geschichte nahm dann doch noch eine unerwartete Wendung, die mit viel Gespür für den Plot und mit Ideenreichtum in eine neue Richtung wies. Die Autorin beweist damit die Art von Mut, den ich bei vielen Neuerscheinungen in der letzten Zeit vermisst habe. Die Charaktere sind mit viel Einfühlungsvermögen beschrieben, und zwar so subtil in der Leserlenkung, dass man bereits merkt, dass sich eine Romanze oder ein Streit anbahnt, noch bevor es die Charaktere selber auch nur in Erwägung ziehen. Das heißt auch, dass die zu befürchtende kitschige Kleinmädchenphantasie von der telepathischen Verbindung zwischen Ross und Reiter nicht als solche gelten gelassen wird, sondern als existentes und glaubhaftes Konstrukt in der Welt wahrgenommen wird. Tulúrin, der junge Waise, ist zwar ungebildet, was die Geschichte seines Landes angeht, aber er ist großherzig und nicht dumm. Seine Handlungen sind manchmal von Panik geprägt und daher unüberlegt, aber nicht derart übertrieben dämlich, dass man merkt, dass hier der Autor den Charakter an den Zügel nimmt, um zu demonstrieren, dass hier noch Entwicklungspotential besteht. Ja, und die Entwicklung geht auch langsam voran: Er steckt mächtig ein bei Zweikämpfen (wenn er auch gegen Ende besser wird) und merkt erst nach dem zweiten oder dritten Entführungsversuch durch Harpyien, dass man auch mal nach oben schauen muss, um sich abzusichern. All das findet aber subtil statt, in nicht vielen Situationen hat man das Gefühl, dass hier ein Erzähler oder Autor von außen lenkt, sondern die Charaktere »von selbst« agieren, was das Eintauchen in die neue Welt sehr angenehm macht.
Natürlich macht ein solcher Erzählstil auch bei Schlachten Spaß: Ann-Kathrin Karschnick schafft es, die Spannung während des Schlachtgeschehens hochzuhalten, indem sie den Leser über ihre Figuren direkt involviert und sich nicht auf bloße Haudraufundschluss-Beschreibungen einlässt. Sie bleibt niemals außen vor und entwirft dadurch eine gut funktionierende Welt mit glaubhaften Helden, die zwar aus dem altbekannten Cast eines Fantasyromans stammen, durch ihre Glaubwürdigkeit aber trotzdem frischen Wind in das Genre bringen und einem durch ihre Frische schnell ans Herz wachsen. Gut investierte 17,90 €. Bitte alle lesen.
© Rebecca Hagelmoser |

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Ann-Kathrin Karschnick
Die Feuerritter - Kampf um Teinemaa Fantasy, Paperback
Papierfresserchens MTM-Verlag, TOMA Edition, Bodolz, 2009
623 Seiten/ 17,90 €
ISBN: 9783940367495
Zur Autorin:
Die 1985 bei Hamburg geborene Autorin Ann-Kathrin Karschnick hat ihre Leser/innen bereits in der Kara-Triologie ins Fantasyreich eintauchen lassen. Darüber hinaus veröffentlichte sie eine Kurzgeschichte in der Anthologie »Dunkelheit« sowie diverse Geschichten auf der Internetseite sf-basar.de. Mit dem hier vorgestellten Buch »Die Feuerritter - Kampf um Teinemaa« trägt sie erneut zum Fantasygenre bei.
Zum Buch:
Während der Junge Tulurin gelangweilt darauf wartet, ein paar Stühle beim Stadthalter Shin-Du abzuliefern, wird er unfreiwillig Zeuge eines Gespräches, bei dem wenigstens ein Beteiligter nicht menschlich ist. Doch das hält Tulurin nicht davon ab, weiter zu lauschen. Allerdings wird er sich erst bewusst, worum es in dem Gespräch geht, als jemand fragt: »Also, wirst du mich dabei unterstützen, den König von Teinemaa zu töten und den Thron dieses elendigen Landes zu besteigen? « Sobald der Sinn dieser Frage in seinen Verstand einsickert, lässt er vor Schreck die Stühle fallen. Aus Angst entdeckt zu werden, entschließt er sich ohne Zögern zur Flucht und startet damit in ein Abenteuer, in dem er Stück für Stück, teils auf schmerzliche Weise, zum Helden der Geschichte avanciert. Hals über Kopf landet er, völlig unvorbereitet, in längst vergessenen Legenden von Teinemaa und wird ein Teil davon. Genau genommen ist »Die Feuerritter - Kampf um Teinemaa« die alte Erzählung von der Vertreibung aus dem Paradies und dem Versuch, es wieder zurückzugewinnen.
Bei »Die Feuerritter - Kampf um Teinemaa« von Ann-Kathrin Karschnick, dachte ich anfangs, ein reines Jugendbuch in Händen zu halten. Das war aber weniger auf den Text des Buchrückens oder das Cover bezogen (beides fand ich überaus gelungen und vielversprechend), sondern eher auf den Umstand, dass es über Papierfresserchens MTM-Verlag erschienen ist. Fakt ist jedoch: Dieses Buch wird nicht nur jugendliche Leser in seinen Bann ziehen.
Doch im Gegensatz zu zahlreichen anderen Romanen dieses Genres, die ich bislang gelesen habe, versteht es Ann-Kathrin Karschnick, mit ihrem überaus flüssig zu lesenden und variantenreichen Roman, den Leser von Anfang an zu fesseln. Sie regt die Sinne durch ein stetiges Auf und Ab der Handlung an, verknüpft gekonnte verschiedene Handlungsstränge. Ob klassische Fantasyfiguren wie Elben, Feen, Zwerge oder Menschen - die Aspekte dieser verschiedenen Kulturen werden ebenso gekonnt von ihr ausgeleuchtet wie einzelne Orte oder Geschehnisse beschrieben werden. Ideenreich befördert einen die Autorin in immer neue Richtungen. Gerade wenn man glaubt, den nächsten Schritt oder das nächste Ereignis vorausahnen zu können, geschieht etwas Unerwartetes in der zeitgleich klar strukturierten Geschichte.
Fazit:
Ich kann dieses Buch jedem Fantasyfreund (oder dem der es werden möchte) nur empfehlen. Nachdem ich mit Lesen begonnen hatte, konnte ich erst aufhören, als ich den letzten Punkt des Epilogs vor Augen hatte. Danach habe ich es gleich nochmals, aber etwas langsamer, gelesen - was meinen ersten Eindruck nur bestätigt hat. Mit »Die Feuerritter - Kampf um Teinemaa« bietet Ann-Kathrin Karschnick alles, was ich von einem Roman dieses Genres erwarte. Faszinierende Orte und Wesen, Emotionen, Magie, Spannung, Überraschungen. Ich persönlich freue mich auf weitere Romane dieser Art und vor allem dieser Autorin.
Copyright © 2010 by Antje Jürgens |
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