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Rezension - Die Dämonen. Freiheit oder Finsternis

Tobias O. Meissner
Die Dämonen. Freiheit oder Finsternis

Fantasy, Paperback mit Klappbroschur
PIPER Verlag, München, März 2010
480 Seiten / 15,95 €
ISBN: 9783492701846

Es ist nun einige Jahrzehnte her, da es zwei Dämonen gelang, aus dem von dem gottgleichen Orison geschaffenen Dämonenschlund, in dem alle Dämonen der Welt über Jahrhunderte hinweg gefangen gehalten worden waren, zu entfliehen. Da ihre Existenz nur flüchtig ist, wenn sie sich nicht einen Wirtskörper suchen, schlüpften die beiden Flüchtlinge in die Körper mächtiger Herrscher und entfesselten, ihrer dämonischen Natur entsprechend, einen verheerenden Krieg zwischen den neun Baronaten des Landes Orison.
Nachdem die Welt durch den beherzten Einsatz einiger weniger Heldenmütiger gerettet werden konnte, schien die Gefahr des Dämonenschlundes wieder gebannt zu sein. Doch in seinem Inneren gärte eine verheerende Saat, die nur auf den rechten Moment wartete, um mit einer ungebremsten Gewalt herausbrechen zu können und sich erneut die Welt zum Untertan zu machen.
Und so wird Dirgin Kresterfell, ein dankbarer Pilger, der regelmäßig seine Opfergaben dem Dämonenschlund darbringt, in der Hoffnung, dass dessen Kreaturen nimmer mehr über die Lande Orisons herfallen mögen, Zeuge und erstes Opfer der großen Offensive der Dämonarmee. Von hier aus breitet sie sich aus, um das Land Orison zu unterjochen und alles Leben, was sich ihr in den Weg stellt, zu zerfleischen und zu verschlingen. Nur Verheerung soll ihren Weg pflastern, denn nichts bleibt, was Angst oder Schrecken empfinden könnte. Die Welt scheint vor einem Abgrund zu stehen und niemand vermag zu sagen, wie dieses Unheil noch zu stoppen sein könnte.

Tobias O. Meissner legt nun seine ersehnte Fortsetzung seines im Juli 2008 erschienenen Fantasy Romans »Die Dämonen« vor und kann die hohen Erwartungen, die ob der glanzvollen Darbietung des ersten Teils beim Leser geweckt worden waren, meines Erachtens nach nicht vollkommen erfüllen.
Das handwerkliche Können des Autors ist auch bei dem zweiten Teil seiner Dämonendarstellung unbestritten, denn virtuos vermag er Szenerie, Figuren und Handlungen in Szene zu setzen und lässt dabei den Leser nur selten in die Sphäre aufkommender Langeweile abgleiten. Doch wirkt die Gesamtkomposition des Werkes vielmehr wie eine Aneinanderreihung von gekonnt ausgearbeiteten Einzelepisoden, die für sich allein genommen kompositorisch ausgefeilte Kurzgeschichten sind, doch in ihrer Gesamtheit eher unvollkommen aufeinander wirken.
Meissner wirft auch bei diesem Roman erneut tiefenpsychologische wie auch hoch philosophische Fragen auf, die er leichtfüßig in seinem Unterhaltungsroman einwebt, sodass sie den nach reiner Unterhaltung gierenden Leser nicht weiter stören, aber dennoch dem tiefer schürfenden, mehr als die reine Unterhaltung erwartenden Leser auffallen und von diesem entsprechend aufgenommen und selbstreflektorisch verarbeitet werden können. Dies ist zwar einerseits Ausdruck des großen Könnens des Autors, andererseits vermag dieser schriftstellerische Kunstgriff nicht über das gravierende Manko hinwegzutäuschen, welches diesem Fortsetzungsroman zugrundeliegt, nämlich jenem der fehlenden Handlung.
»Die Dämonen. Freiheit oder Finsternis« wirken wie eine Hommage an das mit Worten beschriebene Gemetzel. So ergeht sich Tobias O. Meissner einerseits in detaillierten, andererseits aber auch geradezu leichtfertig hingeworfenen Beschreibungen orgiastischer Hinmetzelszenen. Nahezu von der ersten Seite an bis hin zum Ende wird der Leser buchstäblich durch ein Schlachthaus geführt: Gedärme fliegen durch die Luft, Körperflüssigkeiten jedweder Art und Farbe spritzen fontänenartig durch die Gegend, und da der Autor sehr plastisch schreibt, hängt auch ein allgegenwärtiger Gestank von Exkrementen, Verwesung und Tod über der Szenerie und damit auch über der Lektüre. Nun kann man zwar fragen, was man sonst bei einer Apokalypse erwartet, doch scheint mir eine derartig einseitig konstruierte und dadurch auch sehr vorhersehbare Geschichte etwas am Leser vorbeigeschrieben zu sein, denn sie wirkt dadurch wie ein hohles sogenanntes »Ballerspiel« und nicht mehr wie das Produkt schriftstellerischer Schaffensprozesse. Ohne Frage gelingt es dem Autor, gegen Ende wieder so etwas wie einen roten Faden in die Handlung zu weben. Dies wirkt jedoch eher gequält, so als wenn Meissner erst hier aufgegangen wäre, dass es nicht allein reicht, blutrünstige Schlachten zu beschreiben, sondern dass es auch einer Handlung bedarf, um eine Spannung aufzubauen, die es vermag, den Leser über mehr als vierhundert Seiten zu fesseln.
Nach all dem Negativen soll aber doch nicht unerwähnt bleiben, dass Tobias O. Meissner einen lebendigen Erzählstil pflegt und damit sowohl dem Genre der Fantasy dient, als auch das Medium der Sprache hochhält, nur ist ihm leider mit der Fortsetzung seines Dämonenromans nicht eines der besten Werke geglückt. Dennoch ist es ein Buch, welches man zur Unterhaltung gut lesen kann.

Bewertung:



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