| Sie sind hier: Startseite - Background - Rezensionen - Paperbacks anderer Autoren / Romanhelden Fantasy - Der verwunschene Zwilling | ||||
|
||||
Lynn FlewellingDer verwunschene Zwilling Tamír Triad (1), USA Aus dem Amerikanischen von Michael Krug Titelillustration & Titelgestaltung von Michael Krug Fantasy, Paperback Die junge Tobin hat das Pech, als Mädchen in gefährlichen Zeiten geboren zu werden, in denen Frauen jeden Alters im Auftrag des Königs ermordet werden, der dadurch die Thronfolge seines Sohnes sichern will. Vor Jahren brachte König Elrius seine Schwester um ihren rechtmäßigen Anspruch auf den Thron - eine Tat, die den göttlichen Schutz außer Kraft setzte, unter dem sein Volk stand, und dem Land Seuchen und Krieg bescherte. Aber es gibt Menschen, die danach trachten, die göttlichen Prophezeiungen zu ehren und einer Kriegerkönigin auf den Thron zu verhelfen. Tobin wird mithilfe dunkler Magie als ihr Zwillingsbruder verkleidet. Dieser starb bei der Geburt, jedoch nicht schnell genug - ein Atemzug gelang ihm, und das genügte, um seine Seele voll grässlichem Zorn auf Erden zu verankern. Tobin kann tatsächlich Königin werden, aber nur, wenn es gelingt, sie zu beschützen, bis sie erwachsen ist - vor ihrer wahnsinnigen Mutter, ihrem dämonischen Bruder und jedem bösen Hexer des Landes. Der Auftakt zu einem atemberaubenden Epos, das abermals in der Welt der Schattengilde spielt, jedoch in einer viel früheren Zeit. Mit Tamír Triad hat Lynn Flewelling ein Meisterwerk geschaffen und unter Beweis gestellt, dass Fantasy nicht nur spannend, magisch, düster und unterhaltsam sein, sondern gleichzeitig zum Nachdenken anregen kann. Tobin ist Dreh- und Angelpunkt des Geschehens, von der ersten Sekunde ihrer Geburt bestimmt eine geheimnisvolle Magie ihr Leben und Schicksal. Als sie zusammen mit ihrem Zwillingsbruder das Licht der Welt erblickt, wird ihr dank der Magie der Zauberin Lhel auferlegt, als Knabe aufzuwachsen – bis die Zeit reif ist, den Thron zu besteigen – als rechtmäßige Königin. Tobin wächst einsam in der Feste seines Vaters auf: Ignoriert von seiner scheinbar geistig verwirrten Mutter Ariani, die den gewaltsamen Tod ihres zweiten Kindes nie verwindet und sich bis zu ihrem bitteren Ende in einem Turmzimmer verschanzt. Umgeben von seinem Vater, Herzog Rhius, der ihn zwar liebt, aber oft verlässt, und von dem Personal aufgezogen – mit einem Schatten an seiner Seite. Denn da ist noch der Geist seines toten (Zwillings)Bruders, der, als er dem Mutterschoß entflohen ist, nach seinem ersten tiefen Atemzug erstickt wird, keine Ruhe findet und über den Tod hinaus eng an Tobin gebunden ist. Bruder, den alle furchtvoll »den Dämon« nennen, spukt durch die Festung, richtet dort oft Schaden an, oder greift die Bewohner an. Er ist ein zorniger Geist, der sein »Unglück« und »Los« auf seine Art und Weise zum Ausdruck bringt und an den Bewohnern der Festung auslebt. Aber auch mit Tobin verspürt man Mitleid. Alles ändert sich, als der Zauberer Arkoniel und Tobins »Knappe« Ki in der Feste Einzug halten, um Tobin auszubilden bzw. ihm Gesellschaft zu leisten/zu dienen. Dann schlägt das Schicksal ein weiteres Mal zu: Tobins Vater kommt zu Tode und somit werden Tobin und Ki aus ihrer heilen Welt innerhalb der schützenden Mauern der Feste entrissen. Für die beiden Jungen beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt in Ero, am Hofe des Königs, wo alles völlig anders ist, als das was sie bisher kannten. Mehr sei nicht über diesen gefühlvollen, aufwühlenden Roman, der einen nicht loslässt, verraten, der geprägt ist von starken Charakteren und tiefen Emotionen. Das ist Fantasyliteratur mit Kaiserkrone. Da lebt, leidet, schluchzt, liebt und kämpft jedes Wort in einem nach. Man fühlt, man trauert mit Tobin und Bruder und man grollt mit ihnen, weil ihnen das Schicksal so übel mitspielt – und sinnt auf Rache, die denen zuteilwerden soll, die nicht schuldlos an allem sind. Auch die Aufmachung erfreut, denn es wurde auf ein weiteres der stereotypen Fantasycovermotive verzichtet, die die Verlagswelt überschwemmen. Das minimalistische Gemini-Zeichen ummantelt perfekt und niveauvoll den edlen Text. Fazit: © Alisha Bionda |