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Rezension - Das Wörterbuch des Viktor Vau

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Anke Brandt | Alisha Bionda

Gerd Ruebenstrunk
Das Wörterbuch des Viktor Vau

Fantasy, Paperback
Piper Verlag, München, März 2011
414 Seiten/ 15,95 €
ISBN: 9783492702249

Die perfekte Sprache zu erschaffen, das ist das Lebenswerk von Viktor Vau. Eine Sprache, die alle Dinge der Welt so beschreibt, dass es zu keinen Verwechslungen, Zweideutigkeiten usw. kommen kann. Die Perfektion der Sprache ist Viktors Ziel. Dazu trägt er die von ihm erfundene Sprache in seinem Wörterbuch zusammen und ahnt nicht, was er eigentlich erfunden hat.
Als eine Raumkapsel unbekannter Herkunft auf der Erde landet, ist Viktor Vau der einzige Mensch, der die darin enthaltene Botschaft entschlüsseln kann. Und damit nimmt das Drama seinen Lauf, denn plötzlich wird Viktor zum Mittelpunkt der kommenden Ereignisse. Viktor muss fliehen und dabei mit allen seinen ihm eigenen Gewohnheiten brechen. Er bekommt Hilfe, doch wird er es schaffen, die drohende Katastrophe abzuwenden?
Während Viktor auf der Flucht ist, treibt ein Serienmörder sein Unwesen. Gibt es da einen Zusammenhang?

Zuerst einmal muss ich sagen, dass dies die schwierigste Inhaltsbeschreibung war, die ich je geschrieben habe. Nach der Lektüre dieses wortgewaltigen Werkes fiel es mir unglaublich schwer, mich auf etwas zu beschränken, was dem Leser nicht zu viel vorwegnimmt.

Das Wörterbuch des Viktor Vau vereint Elemente der Science Fiction, Mystery und Fantasy und liest sich letztendlich in erster Linie wie ein Thriller. Im Mittelpunkt steht der etwas kauzige Viktor Vau, dessen Gewohnheiten dem Leser anfangs sehr nahe gebracht werden. Umso erschütternder ist das Empfinden dann bei allem, was ihm widerfährt. Herausgerissen aus seinem täglich gleich verlaufenden Alltag muss der Professor aktiv werden, und dennoch dreht sich die ganze Handlung doch nur um ihn. Trotz seiner vermeintlichen Brillanz ist Viktor Vau nur das Bindeglied zwischen allen anderen Akteuren und diese verhalten sich allesamt so außergewöhnlich, wie ihre Namen klingen. Gerd Ruebenstrunk ist das Kunststück gelungen, seine Protagonisten mit der Auswahl ihrer Namen ein Stück weit zu charakterisieren und ihnen die ihnen eigene Besonderheit zu verleihen. Das fiel mir mit jeder neuen Figur, die die Handlung betrat, auf. Der Autor schrieb nicht nur ein Buch über die perfekte Sprache, nein, er wendete sie auch an, soweit das mit unserer Sprache möglich ist.
Der Roman beginnt in einem Erzählstil, der recht trocken, beinahe wie ein Sachbuch anmutet. Zunächst gibt es Fakten, was mir den Einstieg in den Roman zunächst gar nicht so leicht machte. Aber ganz schnell machte sich eine unterschwellige Spannung bemerkbar, die sich Seite für Seite einen Weg an die Oberfläche bahnte. Dazu kam eine gewisse Beklemmung bei den emotionsfreien Beschreibungen der Lebensart und Überwachung in dieser vom Autor entworfenen Dynastie.
Die Geschichte selbst entwickelt sich dann vor dieser Kulisse, und als Emotionen ins Spiel kamen, war es um mich als Leser geschehen.
Der wissenschaftliche Hintergrund, der während der Story offenbart wird, ist dann schon wieder beinahe eine Story für sich. Ich war an manchen Stellen geneigt, die vom Autor aufgestellten Thesen sofort zu überprüfen, doch dafür hätte unterbrechen müssen. Diesen Widerspruch fand ich unglaublich und faszinierend zugleich, da es für mich als Leser neu war. Normalerweise nehme ich wissenschaftliche Behauptungen in einem Roman, der aus dem Phantastik-Bereich kommt, als Science Fiction Element hin. Dieses Mal musste ich es hinterfragen, denn es könnte mich persönlich betreffen. Wie das möglich ist? Das muss jeder Leser schon selbst herausfinden …

Fazit:
Alles zusammengenommen macht Das Wörterbuch des Viktor Vau für mich zum außergewöhnlichsten Buch, das ich seit langer Zeit gelesen habe. Es brilliert durch eine anspruchsvolle Sprache, eine spannende und dabei einzigartige Handlung, interessante und tiefgründige Charaktere und überraschende Wendungen. Leser phantastischer Literatur in all ihren Erscheinungsformen sollten hier auf ihre Kosten kommen.

Bewertung:



Copyright © 2011 by Anke Brandt

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Gerd Ruebenstrunk
Das Wörterbuch des Viktor Vau
Titelillustration Sabine Zels
Titelgestaltung von Guter Punkt, München

Fantasy, Paperback
Piper Verlag, München, März 2011
414 Seiten/ 15,95 €
ISBN: 9783492702249

Eine Welt am Abgrund. Und ein Buch, das alles verändern wird!

Dies ist das gefährlichste Buch, das Sie je in den Händen halten werden. Seine Sprache ist so exakt wie einzigartig. Und so tödlich wie keine Waffe dieser Welt …
Seit Jahrzehnten arbeitet Viktor Vau an seinem Wörterbuch – einer einzigartigen Sammlung von Begriffen, die die Welt so exakt beschreiben wie nie zuvor. Doch Viktor Vau ahnt nicht, dass sein Werk auch ein furchterregendes Geheimnis birgt. Als im Meer eine Raumkapsel unbekannter Herkunft entdeckt wird, stößt man darin auf eine Botschaft, die nur Viktor Vau entschlüsseln kann. Die Botschaft erschüttert die Welt – und ausgerechnet Viktor Vau steht im Mittelpunkt einer drohenden Katastrophe …

Professor Viktor Vau ist ein typischer Wissenschaftler, der mit seiner Forschung eher auf Häme stößt. Er verhält sich stets wie ein Gentleman der alten Schule, lebt sehr zurückgezogen und liebt seine täglichen Rituale und feste Abläufe – hasst Abweichungen davon.
Sein Leben soll in geordneten Bahnen verlaufen.
Ein Leben, das nur auf eines ausgerichtet ist: Viktor Vau ist auf der Suche nach der perfekten Sprache, bzw. hat sie entwickelt, mit einer begrenzten Anzahl Elementen, die sich beliebig miteinander kombinieren lassen und jede Situation exakt beschreiben – KATLAN, die erste kategorisierte Sprache der Welt. Viktor Vau setzt diese neue Sprache, die er in seinem handschriftlichen Wörterbuch/Notizbuch festgehalten hat, in einer psychiatrischen Klinik zur Behandlung von Patienten, die an Schizophrenie erkrankt sind, ein.
Astarte Apostolidis bewirbt sich bei Viktor Vau auf eine Assistentenstelle. Trotzdem sie keine Referenzen aufweisen kann, aber dennoch durch ihr Wissen überzeugt, erhält sie diese auch.
Enrique da Soza ist ein neuer Kellner in dem Café, in dem Viktor Vau jeden Morgen frühstückt. Er ist ein gutaussehender, ernster Mensch, der von Alpträumen über die Vernichtung der Welt heimgesucht wird.
Als er mit seinem Freund Marek abends in einen Club geht, begegnet er dort Astarte und ist fasziniert von ihr – schnell stellen sie fest, dass sie »zufälligerweise« beide Viktor Vau kennen. Durch Astarte lernen Enrique und Marek die interessante Thura (60) kennen, zu der sich Marek sofort hingezogen fühlt – so als käme er nach Hause.
Und somit haben einige der Hauptcharaktere die »Bühne« betreten.

Bei der Luftraumüberwachung für außergewöhnliche Objekte wird ein nicht identifizierbares Objekt entdeckt - eine Kapsel, die an der Küste von Dagombé (Afrika) im Meer landet und über die sich Experten schnell einig sind, dass sie nicht von der Erde stammen kann.
Die Kapsel enthält nur ein Blatt Papier mit unlesbaren Hieroglyphen, die von Wissenschaftlern/Linguisten untersucht werden, die darin eine hochkomplexe Schrift sehen, aber nicht so recht weiterkommen. So wird als weiterer Fachmann Viktor Vau dazugebeten. Astarte soll während seiner Abwesenheit seine Arbeit mit den Patienten fortsetzen. Vor seiner Abreise gibt er Enrique sein »Wörterbuch« zur Aufbewahrung.

Präsident Gordon Banda hat »Aqua Caliente« (in Dagombé), die erste Infocity der Welt erbauen lassen. Joel Winter arbeitet für ihn und hat den Sicherheitsdienst für den Präsidenten aufgebaut. Er bringt die Wissenschaftler/Linguisten zur Erforschung der Kapsel und der darin enthaltenen Botschaft nach Aqua Caliente.
Viktor Vau findet in der Kapsel die visuelle Botschaft eines jungen Mannes, die ihn völlig aus der Bahn wirft, denn der erste Satz der Botschaft lautet: »Tötet Viktor Vau.«
Darauf flieht der Professor aus Aqua Caliente und erhält überraschend Hilfe von einer Unbekannten.
Aber auch Astarte und Enrique geraten immer mehr in Bedrängnis als Viktor Vau wieder auftaucht, da sie in das Gerangel um das »Wörterbuch«, das mehrere »Seiten« in ihren Besitz bringen wollen, geraten.

Ein weiteres Puzzleteil (Handlungsstrang) stellt eine Mordserie dar, der junge Frauen zum Opfer fallen, denen Hautstellen in Form von Blüten aus dem Rücken geschnitten werden. Daher erhält der Täter den Namen »der Florist«, den Kommissar Marc Fellner zur Strecke zu bringen versucht.
Der Florist scheint ebenfalls aus dem Umfeld der Hauptakteure zu stammen, denn eines der Opfer ist eine Freundin von Astarte.
Ein weiterer Strang sind die Eintragungen im »Log des Protektors«, der futuristisch anmutet. Und so ist es auch – wie sich zum Ende des Buches hin herausstellt.
Doch damit nicht genug, dieser Roman hält noch erheblich mehr Charaktere und Ränkespiele bereit. Jeder darin scheint ein Geheimnis zu verbergen, fast keiner scheint, das zu sein, was er vorgibt, jeder scheint sein eigenes Süppchen zu kochen – was die Spannung zusätzlich erhöht.

Es stellen sich nun viele Fragen.
Einige davon sind:
Welche Botschaft enthält die Kapsel?
Was hat Professor Vau so aus der Bahn geworfen?
Was geschieht mit Enrique und Astarte?
Und wer ist Thula?
Was hat es mit den rätselhaften Frauenmorden auf sich?

In diesem Buch geht es um Sprache. Die Suche nach der vollkommenen Sprache – einer Plansprache – genauer.
Es geht um das Raum-Zeit-Kontinuum, Geheimdienste, Terrorismus, Machtgerangel, um das apollinische und dionysische Prinzip, um Autismus, um den Kampf der linken und rechten Hirnhälfte/Hemisphäre in jedem von uns – und um das Wörterbuch des Viktor Vau, das schlussendlich mehr beinhaltet als nur eine neue Sprache.

Das bringt mich zu dem einzigen Negativum zu dem ansonsten herausragenden Buch: das Lektorat. Besonders peinlich ist es in einem Werk, in dem es um die absolute Sprache geht, wenn gerade diese nicht vollends stimmig ist, weil das Lektorat nicht optimal angeglichen hat. Da werden ständig Dialoge gelächelt, gelacht, gegrinst, sogar genickt. Das mache mir einer vor, ein »Guten Tag, Frau Bionda!« zu nicken, grinsen, lächeln!
Gedanken werden in Dialogzeichen gesetzt, aber auch stilistische Unebenheiten wurden nicht beseitigt. Um nur einige wenige Beispiele zu nennen.
Das ist aber auch das einzige Manko, denn alles andere stimmt, wie die angenehm zurückgenommene Klappenbroschur, die als Buchumschlagsmotiv das Wörterbuch zeigt, Papier, Satz und vor allem der Inhalt, der hundert Prozent zu überzeugen weiß. Dem Autor ist ein großes Lob auszusprechen, weil er mit einem Plot aufwartet, der jenseits des Mainstreams ist und dennoch von der ersten bis zur letzten Seite zu unterhalten weiß – und das auf stringentem Niveau. Dabei vermittelt Gerd Ruebenstrunk spielerisch Wissen und bietet auch noch ein perfektes Crossoverprojekt zwischen Phantastik und Social Fiction, die in einer Welt stattfindet, die sich zu einer omnipotenten Dynastie zusammengeschlossen hat. Was dem Autor ebenfalls perfekt gelingt, ist das rasche Gewinnen des Lesers, die Nähe zu seinen Akteuren und durch seinen schnörkellosen Stil eine Unterhaltung, die nicht auf Seite schindet und keinerlei Längen aufweist. »Das Wörterbuch des Viktor Vau« ist ein Pageturner, den man nicht aus der Hand legen mag und der einen mit der Gewissheit entlässt etwas dazugelernt und etwas zum Nachdenken zu haben. So schnell lässt einen die Thematik jedenfalls nicht los.

Fazit:
Ein intelligentes Buch. Ein spannendes Buch. Ein anderes Buch – absolut empfehlenswert.

Copyright © 2011 by Alisha Bionda

 

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