Das Paradies der Schwerter
Tobias O. Meißner
Piper Verlag
361 Seiten
Preis: 9,95 €
Erscheinungsjahr: 2006
Eines vorweg: Ich bin nicht der typische Fantasy-Leser, aber selten hat mich ein Roman derart begeistert und noch nachhaltig beschäftigt. Obwohl es eigentlich kein klassischer Fantasy-Roman ist. Elfen, Magie, Monster o.ä. sucht man hier vergebens. Irgendwie entzieht sich dieser Roman beim Leser hartnäckig jeder Schublade.
Zur Geschichte: 16 Kämpfer treten bei einem Turnier auf Leben und Tod gegeneinander an, bis nur noch einer übrig ist. Auf dieses Buch gestoßen bin ich durch die eigenwillige Entstehungsgeschichte, die Tobias O. Meißner in einem Interview veröffentlichte. Die Auslosung der Kämpfe fand „live“ statt. Der Autor wusste also vorher nicht, wer gegen wen antritt. Und er wusste auch nicht, wer den Kampf gewinnt. Der Ausgang des Kampfes wurde von ihm nämlich in Rollenspiel-Manier ausgewürfelt. Deshalb sind einige Kämpfe sehr kurz, andere wiederum ziemlich lang, aber nie langatmig. Oder wie es Rezensent bei Amazon.de formulierte: „Der Zufall ist der bessere Autor“. Alle 16 Kämpfer sind gut ausgearbeitet, sie werden in den ersten Kapiteln einzeln und sehr ausführlich vorgestellt und es bereitet dem Leser keinerlei Schwierigkeiten im Verlauf des Buches den jeweiligen Protagonisten wieder zuerkennen. Wenn man das Buch mit dem Wissen liest, dass der Autor selbst nicht wusste, wer den nächs!
ten Kampf gewinnt, gewinnen die Kämpfe natürlich eine völlig neue Qualität, da man nie sicher sein kann, ob man mit seinem eigenen Gefühl (bzw. seiner Leseerfahrung) bezüglich des Siegers richtig liegt.
Auch Zeit und Ort der Geschichte ist nicht definiert. Der Handlungszeitraum könnte in der Zukunft, aber auch in der Vergangenheit liegen. Es finden sich Versatzstücke aus dem Alten Rom, aus China, aus dem Mittelalter, aber auch aus der klassischen Fantasy. Meißner hat hier eine völlig neue Welt aus altbekannten Zutaten geschaffen.
Alle Stereotypen sind ebenfalls in dem Roman enthalten: Der Wilderer, der Turnierfavorit, die beiden armen Brüder, das menschliche Monster, der Verbrecher, der Mönch usw. usw., aber kein einziger bleibt blass oder wirkt uninteressant und jeder hat seine Beweggründe an diesem unmenschlichen Turnier teilzunehmen. Die Bösen sind nicht wirklich böse, auch deren Gründe am Turnier teilzunehmen sind durchaus nachvollziehbar und man ertappt sich beim Lesen dabei, mit dem ein oder anderen Charakter mitzufiebern, oder zu hoffen, dass er zumindest überlebt, falls er besiegt wird.
Das Ende offenbart dann die eigentliche Aussage des Romans. Nicht unbedingt überraschend, aber durchaus plausibel.
Das ist ein solcher Roman, von dem ich mir wünschte, dass dieser mal fortgesetzt wird. Allerdings wäre mit einer Fortsetzung jegliches Flair dieses Romans verflogen und seine Berechtigung ad absurdum geführt.
Fazit: Ein klasse Roman, der mich dazu verführt hat, weitere Bücher von Meißner zu kaufen. Sowohl die Charakterstudien, als auch die Actionszenen sind klasse beschrieben. Wer seine Freude mit Plots a la „Zehn kleine Negerlein“ hat kann hier bedenkenlos zugreifen.
© Captain Elch |