Robert Greenberger
Hellboy - Die Goldene Armee
Übersetzt von Susanne Picard
Fantasy, Taschenbuch
Cross Cult/Amigo Grafik, Ludwigsburg, August 2008
304 Seiten / 12,80 €
ISBN: 9783936480979
Filmromane haben es nicht unbedingt leicht. Solange der ihnen zugrunde liegende Film aktuell ist, mögen sie solide Verkaufszahlen vorweisen, danach findet man sie aber meist ziemlich schnell in den Grabbelkisten. Häufig sind dazu die Autoren in ihrer Kreativität sehr eingeschränkt, sie müssen sich schließlich an die Vorgaben halten, die ihnen Filme und Drehbücher geben. Im Falle von Hellboy – Die Goldene Armee handelt es sich auch noch um einen Film, der wiederum auf Comics beruht. Keine leichte Aufgabe also für Robert Greenberger, darum eine eigenständige Geschichte zu spinnen.
Und dennoch ist diese Novelisation ein durchaus gelungenes Beispiel ihres Genres. Denn bei allen Nachteilen, mit denen dieses zu kämpfen hat, vergisst man doch leicht die Vorteile, die solche Bücher mit sich bringen. Denn wenn es um die Feinheiten der Charakterzeichnung geht, dann kann ein Film, gerade einer, der sich auch um Action bemüht, einfach zwangsläufig nur oberflächlich bleiben. Regisseur und Drehbuchautor Guillermo del Toro und die fantastischen Schauspieler haben dabei zwar schon einiges herausgeholt aus den wenigen Möglichkeiten, die sich ihnen boten, dennoch wollte ich nach zahlreichen Filmabenden mit Hellboy, Abe und Co. mehr über die Hintergründe erfahren, insbesondere die emotionalen der Charaktere. Ein Ziel, dem dieser Roman gerecht wird.
Die Handlung ist natürlich die gleiche wie im Film. Der verbannte Elfenprinz Nuada bricht nach Jahrtausenden den Waffenstillstand zwischen den Söhnen der Erde und den Söhnen Adams (=Menschen). Um den neu entfachten Krieg auf die Spitze zu treiben, benötigt er die Goldene Armee, ein unzerstörbares Roboterheer. Um das zu aktivieren, braucht er wiederum eine Krone, die von seinem Vater einst in drei Teile gespalten wurde.
Die Agenten der Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen (B.U.A.P.) wollen den Prinzen aufhalten – allen voran natürlich Dämon Hellboy, dessen pyrokinetische Freundin Liz und Fischmann Abe. Unterstützung erfahren sie vom neuen Agenten Dr. Krauss und Nuala, Nuadas sanftmütiger Zwillingsschwester. Als die entführt und Hellboy vom Prinzen schwer verwundet wird, zieht es die Agenten ins Herzen des mythischen Landes Bethmoora, wo Wesen wie Todesengel, Kobolde und die Goldene Armee auf sie warten …
Aus dieser dankbaren Handlung macht Greenberger einen spannenden Roman, der durchaus auch für sich stehen kann. Wie ein im Buch als Extra enthaltenes Interview mit ihm darlegt, war auch er sehr eingeschränkt in seinen Möglichkeiten – die Länge des Buches war vorgegeben, er musste sich wesentlich an del Toros Vorgaben halten, ohne aber die Möglichkeit zu haben, mit diesem überhaupt in Kontakt zu treten. Auch auf Filmbilder konnte er beim Schreiben nicht zurückgreifen, da ihm solche nicht zur Verfügung gestellt wurden; lediglich die Drehbuchbeschreibungen und später der Trailer boten ihm hier Orientierung.
Dadurch ist ein Mix entstanden, der halb auf dem baut, was Greenberger selbst hinzugedichtet hat, sich aber andererseits vor allem in den Dialogen stark am Film zu orientieren versucht. Die eingebrachten Änderungen wirken dadurch zuweilen etwas irritierend, und wenn man den Film auswendig kennt, wird man nicht mit jeder Darstellung zufrieden sein, da man im Gegensatz zum Autor ja die Bilder vor seinem inneren Auge hat.
Gerade der Anfang bietet einem aber jede Menge an Informationen, die man so aus dem Film (bzw. den Filmen) nicht bekommen konnte und die vielleicht eben gerade dieser eigentümlichen Mischung geschuldet sind. Man erfährt viel zu den Hintergründen beispielsweise Abes oder Liz’, was vielleicht die Comics, nicht aber der Film hergeben. Auch auf den ersten Film wird Bezug genommen, wodurch der Eindruck eines größeren Ganzen entsteht, ohne dass es gleichzeitig nötig wäre, den ersten Film zu kennen oder anderes Vorwissen zu haben. Das Wesentliche wird erklärt. Auch vieles mehr, was im Film einfach keinen Platz mehr fand, wird hier deutlich. So liefert der Roman interessante Informationen zu Bethmoora oder zur Frage, warum all die typisch europäischen Fabelwesen eigentlich plötzlich in den USA rumlaufen. Für alle, die wissen wollen, was im dritten Film auf sie wartet, dürfte zudem der von der sonstigen Handlung losgelöste Epilog spannend sein, der wohl auch gedreht wurde, in der Kinoversion des Films aber keine Verwendung fand.
Um Charaktertiefe wird sich ebenfalls besonders zu Anfang bemüht und so sind es wiederum gerade auch Nebencharaktere wie Abe oder Manning, die einem hier näher kommen, da häufig aus ihrer Sicht erzählt wird. Mit der Zeit nimmt diese Charakterfokussierung leider ab und driftet stattdessen zu naiven Klischees hin, was gerade bei jemandem wie dem tragischen Bösewicht Nuada schade ist.
Dafür entschädigt aber wiederum der angenehme Schreibstil, der dafür sorgt, dass sich der ganze Roman flüssig durchlesen lässt und er darüber hinaus sogar sehr spannend ist, was ja nicht unbedingt selbstverständlich ist, wenn man die Geschichte schon kennt. Da lässt sich auch über ein paar unlogische Details hinwegsehen (etwa, dass man Nuada für einen Saudiprinzen hält oder Wink offenbar nicht weiß, dass Nualas Tod auch den seines Herrn bedeuten würde) oder darüber, dass leider nicht del Toro selbst den Roman geschrieben hat. Leider wurden auch ein paar Filmszenen aus dem Roman weggelassen, was wohl der begrenzten Wortanzahl geschuldet ist, die Greenberger zur Verfügung hatte. Wirklich schade, denn ist es nicht eigentlich Sinn und Zweck eines solchen, sich mehr Zeit für die Handlung zu nehmen?!
Dennoch sind es die positiven Aspekte, die hier überwiegen. Der Roman bietet auf unterhaltsame Weise informative und erweiternde Inhalte für alle, denen der Film nicht weit oder tief genug ging. Darüber hinaus kann er durchaus auch für sich stehen, es sind keine Vorkenntnisse nötig und dank des unterhaltsamen Schreibstils lässt sich diese Novelisation auch einfach als normaler Fantasyroman mit solider Handlung und tollen Charakteren lesen.
Dickes Plus außerdem für das wirklich gelungene und sehr erhellende Interview mit Greenberger.
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