Jo Zybell
Die Traummeister High Fantasy, Klappenbroschur
Hoffmann & Campe, Hamburg, Juni 2011
575 Seiten/ 14,99 €
ISBN: 9783455403121
Auf der Insel Aysalux, der Heimat der wunderschönen Luxinen (Elementarelfen), kennt man keine Sorgen. Die Unsterblichen verbringen ihre Zeit mit Feiern und Wasserspielen, Ringwettbewerben und Singen. Nur einmal wurde ihre Ruhe gestört – eine Gruppe Goldener griff die Insel an und Luxinen wurden entführt. Ein Ereignis, über das nicht gesprochen wird. Nun aber kommt es erneut zu einem solchen Angriff. Wieder kommt es zu Entführungen von Luxinen, einige der angeblich unsterblichen Geschöpfe sterben sogar.
Auch die mächtige, aber ziemlich naive Wasserluxine Algyra soll gefangen genommen werden. Gerade noch gelingt ihr die Flucht – ihr Geliebter Ombaryon hat jedoch weniger Glück und wird verschleppt. In der Hoffnung, sowohl ihn, als auch ihren zuvor verschwundenen Vater und dessen Gefährten wiederzufinden, macht sie sich auf die Suche nach ihnen und dem Ursprung der Goldenen.
Dabei lernt Algyra nicht nur das erschreckende Geheimnis um diese mysteriösen Wesen kennen, sondern sie trifft auch das erste Mal in ihrem langen Leben auf Sterbliche. Beides wird ihr Weltbild tief erschüttern.
Derweil verbündet sich der bösartige Zwerg Ac‘man mit dem Menschen Jesama, dem Angehörigen einer Sekte, der die Goldenen unterstehen. Mit ihm plant der Zwerg die Herrschaft nicht nur über die Reiche der Menschen und Zwerge, sondern auch über die der Unsterblichen. Während Ac’man den militärischen Teil übernimmt, ist es Jesamas Ziel, die ganze Welt vom Bösen zu befreien. Und dafür braucht er die Körper der Unsterblichen…
Mit diesem inhaltlich abgeschlossenen Buch legt Jo Zybell einen Roman vor, der zunächst als so dermaßen klassische High Fantasy erscheint, dass man sich um mindestens 20 Jahre zurück versetzt sieht. Gut, die Völker sind etwas anders, Elfen heißen halt Luxinen und es gibt beispielsweise auch ein Volk von Vogelartigen. Aber im Prinzip folgt die Geschichte einem altbekannten Muster: Die Guten werden von den Bösen attackiert, aber eine mutige Person macht sich auf, ihr Volk zu retten. Auch die Einführung der Sekte um die Traummeister, welche die Träume ihrer Opfer beeinflussen und sie so lenken können, ist nicht allzu neu. So hat man das erste Drittel erstmal das Gefühl, das hier nicht sonderlich viel Neues geboten würde. Der Schreibstil überzeugt allerdings, ganz im Gegenteil zu den stereotypen, extrem oberflächlichen und zuweilen unrealistisch agierenden Charakteren. Leider kann nicht einmal Algyra wirklich überzeugen.
Mit dem weiteren Verlauf der Handlung schälen sich dann aber doch einige interessante Aspekte heraus, welche den Roman aus der Masse der vergleichbaren Werke herausheben. Zum einen ist da die Begriffswahl. Die Unsterblichen bezeichnen die Sterblichen verächtlich als Dampfblasen, Tote erlöschen und Ac’man nennt seine zahlreichen Gefangenen Gäste, um nur mal ein paar Beispiele zu nennen. Wie diese Begriffe immer wieder unkommentiert einfließen, so sorgen sie für eine dichte Atmosphäre, ebenso wie die eingebauten Spleens einiger Charaktere. Die Lücken, die durch die oberflächlichen Charaktere entstehen, können so aufgefüllt werden. Außerdem ist die Welt ziemlich detailliert ausgearbeitet. Eine Karte gibt es leider nicht, doch man behält auch so ganz gut den Überblick. Vor allem durch die Länder der Menschen reist Algyra und das geht manchmal ziemlich fix. Ausführliche Landschafts- und Situationsbeschreibungen stehen hier im Kontrast zur mitunter leicht hastigen Handlung – und das trotz guten 600 Seiten Umfang!
Was letztlich besonders positiv auffällt, das sind zum einen die Thematiken, derer sich in der zweiten Hälfte sehr ausführlich angenommen wird. Wenn Algyra das erste Mal in ihrem langen Leben mit Themen wie ihrer eigenen Sterblichkeit oder der für die Luxinen undenkbaren Götterverehrung konfrontiert wird, dann ist das durchaus spannend und interessant. Hätte mir hier sogar noch ein klein wenig mehr Vertiefung gewünscht.
Zum anderen ist die Geschichte im positiven Sinne sehr unvorhersehbar. Erst mit der Zeit klären sich nach und nach die Rätsel des Buches und bis zum Ende weiß man nicht, wie eben dieses aussehen wird. Schade nur, dass die Auflösung dann ein wenig wirr geraten ist. Dennoch, ein paar gelungene Clous sind dabei.
Fazit:
Anfangs wirkt der Roman noch sehr austauschbar, doch er gewinnt mit der Zeit an Spannung und Vielfalt. Leider aber sind die Charaktere (bis auf wenige Ausnahmen) alles andere als überzeugend geraten.
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