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Rezension - Die entführte Prinzessin

Karen Duve
Die entführte Prinzessin

Fantasy, Taschenbuch
Goldmann, München, Januar 2007
410 Seiten / 8,95 €
ISBN: 9783442461424

Eis und raue Sitten haben das Land im höchsten Norden, Snöggliduralthorma, fest im Griff. Der lange und harte Winter hält verwertbare Bodenschätze unter Verschluss und schürt zudem die miese Laune seiner Bewohner, die sich in regelmäßigen Kloppereien und Überfällen des Nachbarlandes entlädt. Eindeutiges Highlight des Landes ist der Anblick der wunderschönen Prinzessin Lisvana, die sich auch mit großen Schritten auf das heiratsfähige Alter zubewegt. Dies bleibt aber leider vom Großteil der heiratsfähigen Prinzen unbeachtet, da ihre Mitgift laut der aktuellen Liste der heiratsfähigen Königs-und Fürstentöchter im Vergleich eher popelig ausfällt. Bis dem jungen, schönen, rebellischen und wahnsinnig reichen Prinzen Diego durch die blumige (und keinesfalls übertriebene) Beschreibung eines berühmten Minnesängers klar wird, dass es für ihn außer der Prinzessin Lisvana auf dieser Welt keine andere Prinzessin geben kann. Leider läuft das Zusammentreffen der Baskarier mit den Nordländern nicht wie geplant. Aus der romantischen Brautwerbung entbrennt ein handfester Streit, und in der Not entführt Prinz Diego die Prinzessin, die ihm bis zu diesem Zeitpunkt alles andere als abgeneigt war.

Hier beginnen die Komplikationen. Die Konvention verlangt von der Prinzessin, sich nicht zu fügen, obwohl sie gerne wollte, und muss ignorieren, dass Prinz Diego sich - sogar gegen den Willen seiner Eltern - auf das Herzergreifendste für sie zum Affen macht. Währenddessen bereiten sich die in ihrem Ehrgefühl verletzten Nordmänner auf die Befreiung der Prinzessin vor. Nicht ohne Freude über die willkommene Abwechslung vom langen Winter. Doch auch hier werden eigene Pläne verfolgt: Ein in Lisvana verliebter Ritter macht sich auf eigene Faust auf, um Lisvana vor allen anderen zu retten und so alle von sich überzeugen zu können.

Schon gleich ab der ersten Seite ist klar, dass man es hier nicht mit einem typischen Fantasy-Roman zu tun hat. Die aus Ritterromanen so gut bekannten Motive und Motivationen wie Ehrgefühl, Ritterlichkeit oder die Queste werden hier unter modernen Vorzeichen betrachtet, und so bekommt man es eher mit übermächtigen Eltern, dem Erwachsenwerden, den Schwierigkeiten beim Beschreiten des eigenen Wegs zu tun. Und dies mit allen Selbstzweifeln, Widersprüchen, Peinlichkeiten und aufregenden Erlebnissen, die zu so einer Geschichte gehören. Da Karen Duve sich nicht an Konventionen des Ritterromans hält, sondern mit seinen Motiven spielt und mit modernen Mitteln erzählt, gewinnen wir einen umfassenden und stellenweise zartfühlenden Einblick in das Seelenleben und die verwirrten Gefühle der Protagonisten - anders als man dies von Ritterromanen und großen Epen gewöhnt ist. Dabei wird die Geschichte aber an keiner Stelle rührselig – dank einer direkten Sprache und dem bisweilen patzigen Auftreten der Protagonisten. Mit einem großartigen Blick für Komik und die direkte, jedoch feinfühlige Sprache macht Karen Duve einen Ritterroman zu einem modernen Roman über das Erwachsen werden. Und wie zufällig zu einem der königlichsten Vergnügen, die ich in letzter Zeit unter die Nase bekommen habe. Ich denke, die meisten Leser werden dies auch so sehen.

Bewertung:



© Rebecca Hagelmoser

 

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