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Rezension - Blutorks 1 - Der Krieger

Bernd Frenz
Blutorks 1 - Der Krieger

Fantasy, Taschenbuch
Blanvalet Verlag (Random House Verlagsgruppe), November 2009
416 Seiten / 9,95 €
ISBN: 9783442266081

Vorbei sind die Zeiten, in denen gute Fantasy-Kost nur als Übersetzung in Deutschland erschien. Eine immer größer werdende Riege talentierter deutscher Autoren erobert die Szene und versorgt den Leser mit zum Teil höchst originellen Stoffen. Aus dem Bereich des phantastischen Heftromans bzw. ihrer (ehemaligen) Autoren sind in jüngster Zeit spitzenmäßige Beiträge im Taschenbuch oder Paperback erschienen. Zu nennen wären da vor allem Claudia Kerns »Der verwaiste Thron«-Trilogie und der SF-Roman »Turils Reise« von Michael M. Thurner. Umso erfreuter war ich, als ich mitbekam, dass auch Ex-»Maddrax«-Autor Bernd Frenz seine eigene Fantasy-Trilogie beim Blanvalet Verlag bekommen sollte. Seine Romanbeiträge bei »Maddrax« gehören bis heute zu den besten Texten, welche die Serie hervorgebracht hat, und ich habe seinen Weggang vor einigen Jahren damals sehr bedauert. Auch seine Beiträge zu der Games-Roman-Reihe »S.T.A.L.K.E.R. – Shadow of Tschernobyl« sind überaus gelungen – aber doch keine richtig eigenständigen, selbst entwickelten Ideen des Autors. Mit den »Blutorks« ist jetzt alles anders geworden.

Die bekannte Welt reicht vom Frostwall im Westen bis zum Nebelmeer im Osten. Und sie hat einen König namens Gothar, der sich in einer fliegenden Stadt, uneinnehmbar für jeden seiner kaum vorhandenen Feinde, einigelt. Sein Domizil schwebt über der großen Hafenstadt Sangor an der Ostküste. Von hier aus sendet Gothar seine Schergen aus, die sich aus vielen verschiedenen Völkern der bekannten Welt zusammensetzen: Schädelreiter aus dem Innersund, die auf großen zahmen Lindwürmern die Regionen Cabras und Ragon unsicher machen. Sphärische, schwebende Wesen namens Lichtbringer, deren Lichtschwert-Kugeln jeden noch so starken Feind bezwingen. Und die Schattenelfen, die die Magie der Luft, den »Atem des Windes« nutzen können.
Nur ein Volk stellt sich gegen Gothars Allmacht: die Blutorks, die im Land Arakia, ganz im Westen, immer noch Widerstand leisten. Sie sind in Schare unterteilt, und in einer von ihnen dient Urok, der Krieger. Bei einem Beutezug fällt ihm der Mensch Ragmar in die Hände, dessen Zeichnungen von der Welt außerhalb Arakias den Ork nachhaltig beeindrucken. Urok erkennt das Potential in den Bildern, die möglicherweise von Bedeutung für neue Erfindungen seines Volkes im Kampf gegen Gothar sein könnten. Doch leider sehen das die Anführer seiner Horde anders, sodass Urok als Geächteter zunächst zu seiner Schwester in den heiligen Hort flieht. Dieser große Vulkan dient den Orks als religiöse Stätte, da sie imstande sind, das »Blut der Erde« zu nutzen – jene Kraft der Lava, die in der Lage ist, den härtesten Stahl der Welt, den Blutstahl, zu schmieden.
Weil Urok dem sterbenden Ragmar das Versprechen gab, seinen Sold seiner Familie zu überbringen, macht er sich auf ins Grenzland. Was der Blutork, der sich inzwischen als eigene Schar versteht, nicht weiß: Gothars Vorhut einer Invasion von Arakia ist schon auf dem Weg und hat sich in der Nähe des Wehrhofes von Ragmars Vater niedergelassen. Zu ihnen gehören auch der Schattenelf Todbringer und seine Gefährtin Feene, deren Auftrag es ist, das Geheimnis des Blutstahls auszuspionieren. Mit einer List gelingt es Feene, Urok für sich einzunehmen und mit ihm zurück nach Arakia zu gelangen. Dabei müssen sie immer wieder den Schergen Gothars entgehen, die sie bis in die Sümpfe der Schwarzen Marsch verfolgen …

Wie ich beim Schreiben der obigen Zusammenfassung bemerke, ist es beinahe unmöglich in kompakter Form wiederzugeben, was Bernd Frenz alles an Nebenhandlungen und Verzweigungen noch mit in seinen Roman eingebracht hat. Jede Seite, die der Leser aufschlägt, birgt einen kleinen erzählerischen Schatz. Seien es die gelungenen Charakterisierungen der Protagonisten, die detailverliebte Fantasy-Welt, in der »Blutorks« spielt, samt eigener Religion, Tier- und Pflanzenwelt sowie Völkervielfalt. Oder seien es eben jene vielen kleinen Nebenhandlungen, die diesen knapp 400 Seiten langen Roman wirken lassen wie ein beinahe doppelt so umfangreiches Werk. Die Vergangenheit um Uroks Vater ist zum Beispiel mit einem Geheimnis belegt. Wie ergeht es dem Kind der flüchtenden Schattenelfen aus einer Nebenhandlung, die erst am Ende des Romans in die Haupthandlung übergeht? Was haben Uroks Visionen vom Felsnest zu bedeuten? Wie kann das Feuerrad den Orks helfen? Und ist der »Atem des Windes« wirklich in der Lage das »Blut der Erde« zu bezwingen?

Diese offnen Fragen sind es, die deutlich machen: Frenz hat die Trilogie gut durchdacht und bis ins Detail geplant. »Der Krieger« versteht sich hier inhaltlich als Auftakt, der die Handlungsorte und die Protagonisten vorstellt, aber auch die Richtung, in die sich die Geschichte entwickelt. Der Autor geht dabei sehr geschickt vor und versteht es, wie nebenbei eine ganz eigene Welt, mit eigenen Regeln und originell gestalteten Orks zu etablieren. Dabei bedient er sich durchaus klassischer Ork-Elemente, wie der kriegerischen Veranlagung und der etwas geringeren Schläue als andere Fantasy-Völker, bindet diese aber geschickt in die vom »Blut der Erde« religiös geprägte Kultur ein. Überhaupt bekommt hier jede Szene ihren Background und bildet so ein grundsolides Fundament für die eigentliche Geschichte: die drohende Invasion Arakias durch König Gothars Armee, und wie die Blutorks - mit oder ohne Magie und Verbündete? - dagegen vorgehen können. Der Cliffhanger mit der sich vor den Orklanden sammelnden gegnerischen Armee ist daher nur logisch und konsequent. Dennoch hat man das Gefühl, einen abgerundeten ersten Teil zu lesen, der auch einige Handlungsfäden in sich abschließt. Frenz hat hier genau die richtige Balance gefunden. Das gilt im Übrigen auch für die Ausgewogenheit von action-orientierten (Zwei-)Kampfszenen und reinen Erzählpassagen.

Schwächen hat dieser Roman kaum. Einzig der teils nicht ganz so leichtfüßige Stil des Autors macht »Der Krieger« zu einem Buch, mit dem man sich schwer tut, wenn man es nur sporadisch und nicht mit voller Aufmerksamkeit liest. Als Gute-Nacht-Lektüre ist der Roman daher vielleicht ein wenig zu anstrengend – und auch einfach zu schade. Der Einstieg leidet ein wenig darunter, dass man als Leser erst noch in die Welt einfinden muss und Bernd Frenz das nur sukzessive nach und nach leistet, ebenso wie sich die Dynamik der Story erst nach einer Weile entfaltet. Kleinere Längen gibt es vielleicht bei der Flucht von Urok und Feene kurz vor dem Finale, die aber insgesamt nicht weiter ins Gewicht fallen.

Detailverliebt, actionreich und fantastisch – das alles sind die »Blutorks«.
»Der Krieger« ist ein überzeugendes Debüt, das jedem, der es liest, Lust auf mehr machen sollte. Eine Personenliste sowie zwei Karten auf den ausklappbaren Innencovern - einmal von Arakia und einmal von der gesamten bekannten Welt, beide gemalt von Jürgen Speh - runden den überaus positiven Gesamteindruck ab. Teil 2 mit dem Titel »Der Sklave« ist bereits erschienen, der finale dritte Band erscheint im März unter dem Namen »Der Befreier«.

Bewertung:



© Sascha Vennemann

 

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