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Bernd FrenzBlutorks 1 - Der Krieger Fantasy, Taschenbuch Vorbei sind die Zeiten, in denen gute Fantasy-Kost nur als Übersetzung in Deutschland erschien. Eine immer größer werdende Riege talentierter deutscher Autoren erobert die Szene und versorgt den Leser mit zum Teil höchst originellen Stoffen. Aus dem Bereich des phantastischen Heftromans bzw. ihrer (ehemaligen) Autoren sind in jüngster Zeit spitzenmäßige Beiträge im Taschenbuch oder Paperback erschienen. Zu nennen wären da vor allem Claudia Kerns »Der verwaiste Thron«-Trilogie und der SF-Roman »Turils Reise« von Michael M. Thurner. Umso erfreuter war ich, als ich mitbekam, dass auch Ex-»Maddrax«-Autor Bernd Frenz seine eigene Fantasy-Trilogie beim Blanvalet Verlag bekommen sollte. Seine Romanbeiträge bei »Maddrax« gehören bis heute zu den besten Texten, welche die Serie hervorgebracht hat, und ich habe seinen Weggang vor einigen Jahren damals sehr bedauert. Auch seine Beiträge zu der Games-Roman-Reihe »S.T.A.L.K.E.R. – Shadow of Tschernobyl« sind überaus gelungen – aber doch keine richtig eigenständigen, selbst entwickelten Ideen des Autors. Mit den »Blutorks« ist jetzt alles anders geworden. Die bekannte Welt reicht vom Frostwall im Westen bis zum Nebelmeer im Osten. Und sie hat einen König namens Gothar, der sich in einer fliegenden Stadt, uneinnehmbar für jeden seiner kaum vorhandenen Feinde, einigelt. Sein Domizil schwebt über der großen Hafenstadt Sangor an der Ostküste. Von hier aus sendet Gothar seine Schergen aus, die sich aus vielen verschiedenen Völkern der bekannten Welt zusammensetzen: Schädelreiter aus dem Innersund, die auf großen zahmen Lindwürmern die Regionen Cabras und Ragon unsicher machen. Sphärische, schwebende Wesen namens Lichtbringer, deren Lichtschwert-Kugeln jeden noch so starken Feind bezwingen. Und die Schattenelfen, die die Magie der Luft, den »Atem des Windes« nutzen können.
Diese offnen Fragen sind es, die deutlich machen: Frenz hat die Trilogie gut durchdacht und bis ins Detail geplant. »Der Krieger« versteht sich hier inhaltlich als Auftakt, der die Handlungsorte und die Protagonisten vorstellt, aber auch die Richtung, in die sich die Geschichte entwickelt. Der Autor geht dabei sehr geschickt vor und versteht es, wie nebenbei eine ganz eigene Welt, mit eigenen Regeln und originell gestalteten Orks zu etablieren. Dabei bedient er sich durchaus klassischer Ork-Elemente, wie der kriegerischen Veranlagung und der etwas geringeren Schläue als andere Fantasy-Völker, bindet diese aber geschickt in die vom »Blut der Erde« religiös geprägte Kultur ein. Überhaupt bekommt hier jede Szene ihren Background und bildet so ein grundsolides Fundament für die eigentliche Geschichte: die drohende Invasion Arakias durch König Gothars Armee, und wie die Blutorks - mit oder ohne Magie und Verbündete? - dagegen vorgehen können. Der Cliffhanger mit der sich vor den Orklanden sammelnden gegnerischen Armee ist daher nur logisch und konsequent. Dennoch hat man das Gefühl, einen abgerundeten ersten Teil zu lesen, der auch einige Handlungsfäden in sich abschließt. Frenz hat hier genau die richtige Balance gefunden. Das gilt im Übrigen auch für die Ausgewogenheit von action-orientierten (Zwei-)Kampfszenen und reinen Erzählpassagen. Schwächen hat dieser Roman kaum. Einzig der teils nicht ganz so leichtfüßige Stil des Autors macht »Der Krieger« zu einem Buch, mit dem man sich schwer tut, wenn man es nur sporadisch und nicht mit voller Aufmerksamkeit liest. Als Gute-Nacht-Lektüre ist der Roman daher vielleicht ein wenig zu anstrengend – und auch einfach zu schade. Der Einstieg leidet ein wenig darunter, dass man als Leser erst noch in die Welt einfinden muss und Bernd Frenz das nur sukzessive nach und nach leistet, ebenso wie sich die Dynamik der Story erst nach einer Weile entfaltet. Kleinere Längen gibt es vielleicht bei der Flucht von Urok und Feene kurz vor dem Finale, die aber insgesamt nicht weiter ins Gewicht fallen. Detailverliebt, actionreich und fantastisch – das alles sind die »Blutorks«.
© Sascha Vennemann |