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Rezension - Thor

Wolfgang Hohlbein
Thor
Die Asgard Saga 1

Fantasy, Hardcover
Lübbe Verlag, Köln, März 2010
861 Seiten/ 19,99 €
ISBN: 9783785723920

Inmitten eisiger und stürmischer Wildnis erwacht ein Mann und kann sich an nichts erinnern. Sein Name, seine Vergangenheit bleiben im Verborgenen, doch als er auf fremde Menschen trifft, weiß er, dass er ihnen helfen muss. Er steht allein einer Übermacht von fremdartigen Kriegern gegenüber, der er nicht gewachsen ist und so überleben am Ende nur die Frau und die beiden Kinder der kleinen Familie.
Der Mann ohne Gedächtnis fühlt sich zu den dreien hingezogen und für ihre Sicherheit verantwortlich, deshalb übernimmt er kurzerhand die Rolle des Familienoberhauptes und begleitet die drei Flüchtenden, um sie an einen sicheren Ort zu bringen. Dieser Ort wird, wenn auch nicht ganz freiwillig gewählt, Midgard. Ein noch friedliches Tal, in dem jedermann Schutz und ein Heim bekommt, der danach verlangt. Midgard scheint die letzte Zuflucht vor der Kälte und den fremden Kriegern, die immer wieder gesichtet werden, zu sein.
Einen Winter verbringen Thor, der diesen Namen angenommen hat, Urd und die Kinder Lif und Elenia in Midgard. Nach und nach stellen sich bei Thor Bruchstücke von Erinnerungen ein, die er aber noch nicht zu einem Ganzen zusammenfügen kann.
Als es in Midgard zu seltsamen Zwischenfällen kommt, beschließen Thor und seine Familie, zu fliehen. Ihr Weg führt sie nach Oesengard, in die nächstgelegene Hafenstadt. Dort hoffen sie, dass sie mit einem Schiff weiterreisen können, um irgendwo in Frieden zu leben. Aber dazu kommt es nicht, denn in Oesengard offenbart sich Urds Geheimnis. In Thor entstehen immer mehr Zweifel …
Welchem Volk gehört er an? Den Menschen, die um ihre Heimat bangen und kämpfen? Oder den Lichtbringern, die sich die Welt der Menschen untertan machen wollen? Oder ist er tatsächlich der Gott, für den er gehalten wird?
Letztendlich sind es die Wölfe, allen voran der weiße Riesenwolf Fenrir, die Thor den richtigen Weg weisen.

Mit dem Roman »Thor« widmet sich Wolfgang Hohlbein endlich wieder einmal einem Thema der Mythologie. Ein Thema, welches er auch in früheren Romanen schon meisterhaft umgesetzt und auf seine Weise interpretiert hat. Diese Interpretationen sind immer sehr abenteuerlich, doch er spannt den Bogen dabei immer so, dass die Geschichte stimmig bleibt und er am Ende zum Ursprung der Legende zurückkehrt. So auch in »Thor«.
Zunächst hat man als Leser das Gefühl, dass in dem Roman gar nicht viel passiert. Doch Vorsicht, wer beim Lesen nicht auf die vielen kleinen Details achtet, wird am Ende Thors Denken und Handeln vielleicht gar nicht richtig verstehen können.
Auch wenn die Flucht der kleinen Familie sehr ausführlich beschrieben wird und es zu keinen großartigen und actionreichen Kampfszenen kommt, ist zu erahnen, dass Wolfgang Hohlbein auf ein gigantisches Finale hinarbeitet. Die Spannung ist zunächst unterschwellig, aber immer präsent.
Wolfgang Hohlbein beweist mit »Thor« wieder einmal, dass er ein großartiger Erzähler ist. Seine Beschreibungen der Lebensumstände in Midgard, von der allumfassenden Kälte, von den Ängsten der Menschen und von Thors Selbstzweifeln ließen mich mit allen Sinnen in die Handlung eintauchen.
»Thor« ist ein Roman, der insgesamt sehr nachhaltig wirkt. Die Motivation der einzelnen Protagonisten bleibt lange Zeit genauso unklar wie ihre wahre Identität. Die finale Schlacht erst offenbart die Geheimnisse, doch mit der Schlacht endet das Buch. Und erst dann, als alles vorbei war, hatte ich als Leser Gelegenheit, mir über die Charaktere Gedanken zu machen. Mich zu fragen, warum sie so und nicht anders gehandelt haben.
Wenn ein Autor es schafft, seine Geschichte so zu schreiben, dass sie mit der letzten Seite nicht zu Ende ist, dann ist diese Geschichte in meinen Augen etwas ganz Besonderes.

Fazit:
Mit »Thor« beweist Wolfgang Hohlbein einmal mehr, dass er zu recht zu den besten Erzählern in der phantastischen Literatur gehört. Er wartet mit Wendungen auf, die trotz aller Logik überraschend kommen und damit eine Spannung heraufbeschwören, die düster aber auch voller Hoffnung ist.
Große Helden der Mythologie scheinen dem Autor besonders am Herzen zu liegen, denn das sind genau die Bücher von Wolfgang Hohlbein, die ich als Leser besonders mag.

Bewertung:



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