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Rezension - Fabelheim

Brandon Mull
Fabelheim
Originaltitel: Fablehaven
Originalverlag: Aladdin
Aus dem Amerikanischen von Hans Link

Fantasy, Hardcover mit Schutzumschlag
Penhaligon (Verlagsgruppe Random House), München, Januar 2009
352 Seiten / 16,95 €
ISBN: 9783764530228

Die 13jährige Kendra und ihr jüngerer Bruder Seth sind nicht gerade begeistert, als ihre Eltern, die auf eine Kreuzfahrt gehen müssen und die Kinder nicht dabei haben können, sie bei ihrem Opa abliefern. Der wohnt nämlich auf einem angelegenen Gelände mitten im Wald von Connecticut und hat mit Kindern sonst nichts am Hut. Doch schon bei der Ankunft entwickelt sich der erwartete langweilige Sommerferienaufenthalt in ein spannendes Abenteuer: Das Gelände ist mit Warnschildern gesichert, Opas Anwesen ist von einem wunderschönen Garten umgeben und er hat sogar zwei Bedienstete, die ihm bei geheimnisvollen Tätigkeiten zur Hand gehen. Leider dürfen sich Seth und Kendra nicht in den Wald begeben – dort soll man sich nämlich schnell verlaufen können und außerdem ist gerade Zeckensaison!
Natürlich sind solche Regeln dazu da gebrochen zu werden, und bald finden die beiden heraus, dass Opa in Wahrheit der Hüter eines uralten Reservates - Fabelheim - ist, in dem sich magische Wesen aufhalten. Um sie sehen zu können, müssen sie die Milch einer riesigen Kuh trinken, die der Großvater in einer großen Scheune versteckt hält. Nur ein Schluck genügt, und überall im Garten sieht man Feen schweben, ein Golem namens Hugo erledigt viele der anfallenden Arbeiten und in einem abgelegenen See tummeln sich zahlreiche Meerjungfrauen, genannt Najaden. Aber es gibt auch Teile des Reservates, in denen gefährliche Wesen hausen, so unberechenbar, dass selbst Opa sie nicht kennt und besucht.
Doch dann überschatten unerfreuliche Ereignisse die phantastische Idylle: Die Gesellschaft des Abendsterns, eine Vereinigung von Menschen und Wesen, die die zahlreichen weltweiten Reservate für magische Kreaturen auslöschen will, streckt die Finger nach Fabelheim aus!
In der Mittsommernacht geht es im Reservat drunter und drüber, und als Opa von dunklen Kreaturen entführt wird und die Hexe Muriel einen alten Fluch heraufbeschwört, scheint es keinen Ausweg mehr zu geben ...

Brandon Mulls Romanenserie »Fabelheim« wird in den USA schon als Nachfolger der berühmten Harry-Potter-Romane gefeiert. Bereits zwei weitere Fabelheim-Romane sind dort erschienen, der vierte Roman ist bereits fertiggestellt und steht ebenfalls bald in den Läden. Alle Romane haben es in die Bestsellerlisten geschafft, sodass Brandon Mull den Angestellten-Job schmiss und sich nun neben seiner Frau und seinen drei Kindern nur noch dem Schreiben widmen kann.
Jetzt geht der Penhaligon-Verlag mit der deutschen Veröffentlichung an den Start. Der erste Roman in der 352 Seiten starken Übersetzung ist ab sofort als aufwendig gestaltetes Hardcover erhältlich, und bei einem Erfolg werden sicherlich bald die Fortsetzungen in Angriff genommen. Und das kann man sich als Leser auch nur wünschen!

»Fabelheim« ist ein Roman, der mit seiner eher kinderbuchartigen Sprache auch und vor allem jüngere Leser anspricht. Das war bei dem ersten Harry-Potter-Roman auch so. Jeder weiß aber in welche Richtung sich die Romane später entwickelten, weg vom Kinderbuchimage, hin zur einigermaßen bodenständigen Fantasy, die zusammen mit ihren jungen Lesern über sieben Jahre hinweg erwachsen wurde.
»Fabelheim« besitzt noch diese erste kindliche Begeisterung für alles Neue und Phantastische, und darauf konzentriert sich der Roman auch hauptsächlich.

Man kann dem Roman als Kritik vor allem eins vorwerfen: Er ist an sich ziemlich handlungsarm. Das merkt man aber kaum, denn fast das ganze Buch über sind wir zusammen mit Seth und Kendra auf Entdeckungsreise in diesem Reservat. Hinter jeder Ecke lauern andere Wesen mit anderen Eigenschaften, seien es nun Najaden, Golems, Oger, Trolle oder Satyre. Hauptsächlich geht es darum möglichst farbenfroh zu schildern, was für Kreaturen sich in »Fabelheim« tummeln. Alles andere ist bis zum Finale nur Nebenhandlung - so leider auch die Figuren. Wer erwartet, nach diesem kurzen und großzügig gedruckten Roman schon so gut mit Opa, Kendra, Scott und allen anderen Figuren vertraut zu sein, wie es in manch anderen Romanserien der Fall ist, der wird leider etwas hilflos zurückgelassen. Der Gegenspieler im Hintergrund, die Gesellschaft des Abendsterns, bleibt farblos und beinahe unbedrohlich, lediglich die Hexe Muriel bekommt etwas Background.
Doch zunächst ist es auch nicht ganz so wichtig, wer sich denn da in die unglaubliche Welt, die sich da auftut, hinzufinden versucht. Denn was in den Wäldern lauert, ist so bedrohlich, putzig und seltsam, dass man über diese Schwächen, gerade bei der Kürze des Romans, gerne hinwegsieht. In der Kürze liegt auch die Stärke von »Fabelheim«, denn jedes Kapitel bringt ein weiteres Mosaiksteinchen ans Licht, sodass man als Leser zum Schluss doch ein etwas genaueres Bild davon hat, was in »Fabelheim« alles möglich ist.
Auch wenn der Roman in sich abgeschlossen ist, so bleiben doch noch einige Fragen offen, die Brandon Mull sicher in seinen weiteren Geschichten schildern wird. Und die werden dann auch länger werden – wenn man sich die amerikanischen Ausgaben ansieht, dürften es bis zu jeweils 500 Seiten werden.

Fazit:
Ich wünsche mir, dass »Fabelheim« auch in Deutschland so viel Erfolg feiern kann, wie es dies verdient und die Übersetzungen der Folgeromane nicht zu lange auf sich warten lassen. Sicherlich kein neuer Harry Potter, aber eine durchaus vergnügliche Fantasy-Lektüre für Jung und Alt an zwei, drei verregneten Tagen.

Bewertung:



© Sascha »Andro« Vennemann

 

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