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Autor Michael J. Parrish hat die Anfangszeit der postapokalyptischen Heftroman-Serie »Maddrax« aus dem Bastei Verlag bis über die 100er Bände hinaus geprägt, auch wenn er nach und nach immer weniger Romane dazu beisteuerte. Sein erster Beitrag zu den im Hamburger Zaubermond Verlag erscheinenden MX-Hardcovern, Nummer 6 mit dem Titel »Die Hüter der Quelle«, war eher durchschnittlich und auch vom Manuskript her damals etwas kurz. Mit seinem zweiten und letzten längeren neuen Roman in den Büchern mit neuen Geschichten aus der Welt des in die Zukunft versetzten Piloten Matthew Drax, »Die schwimmende Festung«, hat sich der unter Pseudonym schreibende Autor erkennbar mehr Mühe gegeben. Der Roman handelt größtenteils von der USS HOPE, einem Flugzeugträger, der durch ein unerklärbares Phänomen (treue »Maddrax«-Heftleser erkennen es als den Transportstrahl der Hydree) im Jahre 2006 über 500 Jahre in die dunkle Zukunft der Erde geschleudert wird. Zunächst orientiert sich die Mannschaft noch mithilfe der an Bord befindlichen Jets in der seltsam anmutenden Zeit, in der Neo-Barbaren ihr Unwesen treiben, aber bald wird auch dem Letzten an Bord klar: Hier kommen wir nicht mehr weg, und der größte Teil der Weltbevölkerung will uns – aus welchen Gründen auch immer – ans Leder. Die Bestrebungen des Admirals O’Reilly, mit den Völkern friedliche Beziehungen aufzunehmen, stößt einem Teil der Mannschaft sauer auf, zumal die Annäherungen meist in Mord und Totschlag enden. Insbesondere Captain McNamara plant, den Admiral in einem Akt der Meuterei zu entmachten. Da trifft die USS HOPE auf ein Boot aus Amerdaam, die MERCADA unter dem Kommando von Captain Iann. Dieser lobt den auf den Ruinen von Amsterdam (ist aufgrund eines höheren Meeresspiegels in den Fluten versunken) als schwimmende Stadt errichteten Moloch als interessante Anlaufstätte. Kurzerhand beschließt man, mit der USS HOPE dorthin zu fahren. Doch weder die schwimmende Stadt, noch die Besatzung des Flugzeugträgers haben mit den Nordmännern gerechnet, einem aggressiven und durch Mutationen entstellten, wikingerähnlichen Volk, das durch Angriffe der Amerikaner provoziert, auf Rache sinnt. Und auch in Amerdaam ziehen im Hintergrund ganz andere Mächte die Strippen ... »Die schwimmende Festung« ist solide postapokalyptische »Maddrax«-Kost, wie man sie nach der Lektüre der USS HOPE-Romane in der laufenden Heftserie erwarten kann. Parrish fügt dieser, seiner ganz eigenen Kreation bei »Maddrax«, mit den Anfängen des Flugzeugträgers nach dem Verschwinden im Phänomen und Auftauchen in der Zukunft, weitere Facetten hinzu, und bereitet andere Themen, wie die Nordmänner und die Amerdaamer Drogen-Zyklopen, angemessen vor bzw. nach. Der Roman ist ansprechend formuliert und hat eine einfache, in sich ganz gute Geschichte, die sich nicht in vielen Nebenhandlungen verzettelt, aber auch auf einige Charaktere, wie Yussuf und Tonya sowie McNamara etwas genauer eingeht. Die Nordmänner und der Captain kommen als Gegenspieler der Protagonisten da nicht immer ganz gut weg. Erstere sind – nicht zuletzt wegen ihrer genetischen Konstitution – teils etwas zu blöde und rachsüchtig. Letzterer ergeht sich seitenlang in Meuterei-Gedanken und Vorbereitungen, die aber dann doch – zumindest so, wie sie zunächst besprochen werden – nicht fruchten wollen. Da wird ein bisschen viel um den heißen Brei herumgeredet, aber am Ende gibt es dann doch eine ganz andere Lösung, die aber einigermaßen geschickt konstruiert wird. Die Schlacht von Amerdaam gegen die Nordmänner ist flott inszeniert, spannend geschrieben und rundet den grundsätzlich positiven Eindruck ab. »Die schwimmende Festung« ist storytechnisch jetzt sicher kein Highlight der »Maddrax«-Hardcover (wie es meiner Meinung nach Bände wie Hardcover Nummer 2, »Genesis« von Jo Zybell oder Hardcover Nummer 5, »Der Weg des Blutes« von Bernd Frenz sind), aber doch routiniert gut geschrieben und inszeniert. Sollte Parrish jemals wieder für »Maddrax« schreiben wollen – meinen Segen hätte er.
© Sascha Vennemann |