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Rezension - Die Drachen der Tinkerfarm

Tad Williams, Deborah Beale
Die Drachen der Tinkerfarm
Originaltitel: The Dragons of the Ordinary Farm, HarperCollins, New York 2009
Aus dem Englischen von Hans-Ulrich Möhring
Umschlagillustration: Kerem Beyit
Innenillustrationen: Jan Reiser

Fantasy, Hardcover
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart, August 2009
384 Seiten / 19,90 €
ISBN: 9783608938210

Tyler und Lucinda Jenkins haben null Bock, um die Ferien auf einer langweiligen Farm verbringen zu müssen, nur weil ihre Mutter auf Männerschau in ein Single-Camp fahren möchte. Und wer ist dieser Gideon Goldring, an den sich noch nicht mal die Mutter erinnern kann? Die Einladung, welche der Eigentümer der Tinkerfarm schickt, kommt ihr gerade recht. Doch für ihre zwei Kinder tauchen die ersten Fragen auf: Wo kann man dort shoppen gehen? Gibt es auf der Farm einen Stromanschluss, um die Akkus des GameBoss aufladen zu können?
Widerwillig fahren Tyler und Lucinda letztendlich mit dem Zug nach Standard Valley. Während der Fahrt erinnern sie sich, dass Gideon neben der Einladung auch ein Päckchen an sie geschickt hatte, welches sie aber erst auf der Fahrt zur Tinkerfarm öffnen sollen. Etwas irritiert lesen die Kinder eine Abhandlung über die »Haltung und Fütterung von Kühen«, welche Gideon Goldring verfasst hatte. Darin steht etwas von Feuer speienden Kühen, die fliegen können und andere verrückte Dinge, welche die Kinder nicht so recht verstehen können. Beim genaueren Betrachten der Seiten entdeckt Lucinda, dass das Wort Kuh nachträglich auf ein ursprünglich längeres Wort kopiert wurde. Und dann taucht noch ein fliegender Affe am Fenster des Abteils auf. Es scheint, dass die Sommerferien doch nicht so langweilig für die Geschwister werden.

Auf der Tinkerfarm merken Tyler und Lucinda schnell, dass dies kein gewöhnlicher Bauernhof ist: Das Wohnhaus offenbart sich als wahres Labyrinth, die rechte Hand von Gideon Goldring und Haushälterin Patience Needle lernen die Kinder als eine schöne, aber unfreundliche Hexe kennen, das Personal auf der Farm scheint aus verschiedenen fernen Ländern zu kommen. Und es ist den Neuankömmlingen strikt untersagt, das Haus allein zu verlassen. Doch dies hält den neugierigen Tyler nicht auf, Teile der Tinkerfarm auf eigene Faust zu erforschen. Ein großer Betonbau hat es ihm angetan, aus welchem bei ihrer Ankunft lautes Gebrüll drang. In diesem Bau entdeckt Tyler ein erstes Geheimnis der Farm: einen riesigen Drachen, der gefesselt ist.
Laut Colin Needle ist dies nur eines der geringeren Geheimnisse der Tinkerfarm, in welche Tyler und Lucinda nach und nach eingeführt werden, nachdem sie ihrem Großonkel Gideon schwören mussten, die Geheimnisse der Tinkerfarm für sich zu behalten, denn nichts auf dieser Farm ist, wie es scheint, nicht einmal die Bewohner. Die Kinder finden einige unglaubliche Antworten und mysteriöse Anhaltspunkte zu einem Geheimnis aus der Vergangenheit, während sie auch feststellen müssen, dass die Farm und ihre Bewohner in Gefahr sind.

Mit »Die Drachen der Tinkerfarm« eröffnen Tad Williams und Deborah Beale eine neue Fantasy-Reihe, die nicht nur für Kinder und Jugendliche lesenswert ist. Auch erwachsene Leser werden mit diesem Roman Lesespaß pur haben. Es ist nicht der gewohnte Stil von Tad, den wir kennen. Die Handlungsstränge sind sehr geradlinig, der Leser wird von Ereignis zu Ereignis geführt. Der Plot ist schnell durchschritten.
In der ersten Hälfte des Buches nehmen sich die Autoren viel Zeit mit der Charakterisierung der Hauptprotagonisten, lassen Tyler und Lucinda erst einmal ihre neue aufregende Umgebung kennenlernen. Positiv dabei ist, wie sich das Bruder-Schwester-Verhältnis, die Beziehung und Einstellung zueinander entwickelt. Das Zusammenleben und Zusammenarbeiten auf der Tinkerfarm macht sie zu Verbündete.
Der Plot steigt langsam bis zu einem Punkt, wie er sich zu erholen scheint, um in rasantem Tempo die zweite Hälfte des Buches zu offenbaren.
Viele Fragen werden im Laufe der Handlung beantwortet, doch kommen neue hinzu, die sicherlich in den Folgebänden beantwortet werden.

Fazit:
Der Auftaktband »Die Drachen der Tinkerfarm« liest sich flott, ist ohne Schnörkel und in sich verzweigte Handlungsstränge geschrieben, einfach lesbar für den jungen Leser.
Die halbseitigen Innenillustrationen von Jan Reiser runden den Roman ab, obwohl sie an verschiedenen Stellen nicht so recht zum jeweiligen Kapitel passen.
Der fesselnde Inhalt sowie die Buchgestaltung tragen mit Sicherheit dazu bei, dass die neue Fantasyreihe von Tad Williams und Deborah Beale auf dem Büchermarkt ihre Daseinsberechtigung finden wird.

Bewertung:



© Wolfgang Brandt

 

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