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Rezension - Das letzte Einhorn und Zwei Herzen

Peter S. Beagle
Das letzte Einhorn und Zwei Herzen
Originaltitel: The last Unicorn / Two Hearts
Aus dem Amerikanischen von Jürgen Schweier und Cornelia Holfelder-von der Tann
Ausgezeichnet mit dem Hugo- und Nebula-Award

Fantasy, Hardcover
Hobbit Presse, Klett-Cotta, Stuttgart, März 2009
304 Seiten / 19,90 €
ISBN: 9783608938722

Zum 40jährigen Bestehen wartet Klett-Cottas Hobbit-Presse mit vielen Schmankerln auf, eines davon ist diese gebundene Ausgabe. Bereits 1961 erschien »Das letzte Einhorn« im amerikanischen Verlag McIntosh&Otis Inc., nun, 48 Jahre später, darf sich die Leserschaft über die Fortsetzung »Zwei Herzen« freuen. Die Geschichte des Einhorns, welches seinen Wald verlässt um seine Artgenossen aus der Gefangenschaft des düsteren König Haggards zu befreien, hat ganze Generationen von Lesern in seinen Bann geschlagen und hat durch seine Magie den ganz eigenen Entwurf des Einhorns zu einem Allgemeinen gemacht. Wahrheit und Trug, Sterblichkeit und Unsterblichkeit, Wandel und Zeitlosigkeit sind Parameter, zwischen denen sich »Das letzte Einhorn« bewegt, und dies mit einer einzigartigen Stimmung aus märchenhafter Leichtigkeit und träumerischer Melancholie, die ihresgleichen sucht -wir erinnern uns!

Die Fortsetzung hat von diesem Zauber nichts eingebüßt. Die kleine Sooz, die den inzwischen alten König Lír zur Rettung ihres Dorfes vor einem Kinder fressenden Greif holen möchte, ist die zehnjährige Heldin von »Zwei Herzen«. Auf ihrem Weg zum Schloss von König Lír trifft sie auf zwei Reisende, die der Leser erkennt, noch bevor sie sich dem Mädchen vorstellen – es sind Schmendrick und Molly Grue, die sich ebenfalls auf dem Weg zu Lír befinden. Lír, als Held und Gentleman, zieht mit den Dreien sofort los, um das Dorf von dem Greif zu befreien. Während der Reise wird klar, wie sehr die Erinnerungen an Amalthea in Schmendrick, Molly und vor allem in Lír noch präsent sind und wie schwer sie wiegen ... bis zum Wiedersehen mit Amalthea unter sehr dramatischen und traurigen Umständen.
Der beste Kniff,den Peter S. Beagle an dieser wunderschönen, wenn auch für den Fan zunächst erschreckend kurzen Fortsetzung getan hat, ist, sie aus der Perspektive der kleinen Sooz zu erzählen. Sooz kennt die gemeinsame Vorgeschichte ihrer erwachsenen Begleiter nicht, liest nur aus ihren Reaktionen und Andeutungen, dass sie eine Geschichte teilen, die sie nicht in Ruhe lässt. Der Leser jedoch kennt die Geschichte und kann diese Lücken selbstverständlich füllen – und ist somit sofort wieder emotional involviert. An Erzählkraft hat Peter S. Beagle über die Jahre also keinesfalls auch nur ein Quäntchen eingebüßt. Aber würden hier inhaltlich nur alte Wunden an- und aufgerissen, wäre das Leseerlebnis eines wie ein schnell abgerissenes Pflaster – kurz und schmerzhaft. So ist es aber nicht, denn die Geschichte beinhaltet neben der melancholischen Traumhaftigkeit auch ihre ganz eigenen Kuscheligkeiten, die einem das Herz warm machen und einem beim wieder- und wiederlesen schon das eine oder andere glückliche Lächeln entlocken. Lest selbst!

© Rebecca Hagelmoser

 

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