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Rezension - Venom - Dark Origin

Venom - Dark Origin
(100 % Marvel 43)
Text: Zeb Wells
Zeichnungen: Angel Medina

Comic, Softcover mit Klappumschlag
Panini Comics, Juli 2009
124 Seiten / 16,95 €

Er war für mich einer der coolsten Gegenspieler von Spider-Man in seinem dritten Kino-Abenteuer: Venom, der formwandlerische Parasit aus dem All, der sich mit Spidey verband und ihn zum Egomanen mutieren ließ. Über die filmische Umsetzung des Ganzen kann man streiten, über den Faktor, dass Venom zu einem der beliebtesten Bösewichter bei Spider-Man, insbesondere in den 1990er Jahren, wurde, nicht. Von Oktober 2008 bis Februar 2009 erschien in den USA die Marvel Limited Series »Venom – Dark Origin« in fünf Ausgaben, die eine Neuinterpretation der Herkunftsgeschichte von Venom und seinem Träger Eddie Brock brachte. Diese fünf Ausgaben sind jetzt im Panini Verlag zusammengefasst in der deutschen Übersetzung als Softcover in der Reihe »100% Marvel« als Band 43 erschienen.

Eddie Brock hat es nicht leicht. Schon als Junge will er anerkannt werden und ein Held sein, aber das klappt alles irgendwie nicht. Da muss man schon mal die Katze des Nachbarmädchens kidnappen, um sie bei der nachfolgenden Suchaktion aus dem Sack zaubern zu können – Eddie Brock, der strahlende, selbstgemachte Held! Die Selbstzweifel, die an ihm nagen, kommen nicht von ungefähr: Seine Mutter starb bei seiner Geburt, und sein Vater, Brock Senior, gibt Eddie trotz aller Beteuerungen, das dem nicht so sei, die Schuld am Tod seiner Frau. Der Junge hat ein instinktives Gespür dafür, wenn jemand lügt, und so kommt es, dass er nach weiterem Scheitern, z.B. im Hinblick auf das andere Geschlecht, an der Schule und im Sport-Team, beschließt, als Journalist zu arbeiten. Schließlich ist es dieser Menschenschlag, der beständig darauf erpicht ist, die Wahrheit ans Licht zu bringen und Lügen zu entlarven. An der Uni lernt er seine Frau Ann kennen, die er dadurch gewinnen kann, dass er in einer gefährlichen Situation angibt, ihr Retter gewesen zu sein (was eigentlich Spider-Mans Verdienst war!). Als Laufbursche bei einer Zeitung ergibt sich dann schließlich für Eddie die Chance seines Lebens: der Sin-Eater, ein religiös motivierter, Stimmen hörender Serienkiller, hat Captain Jean DeWolff erschossen. Das Bekennerschreiben fällt Eddie in die Hände, und er beschließt, diese Story auf eigene Faust anzugehen. Die Rechnung scheint aufzugehen, denn bald sind Eddies Artikel über den Serienmörder sehr begehrt, der Laufbursche wird zum Star-Reporter. Bis sich eines Tages herausstellt, dass Eddies Sin-Eater ein Trittbrettfahrer ist und der wahre Mörder, von Eddies Berichten, denen die Polizei Glauben schenken musste, geschützt, weiter auf freiem Fuß ist! Von da an geht es mit Eddie bergab. Seine Frau lässt sich von ihm scheiden, er zieht in ein dreckiges Zimmer und kommt zu der Erkenntnis, dass Spider-Man an all dem schuld sei. Schließlich war er es, der den echten Sin-Eater schlussendlich entlarvte und damit Eddies journalistisches Lebenswerk vernichtete. Just in diesem Moment tritt Venom in sein Leben. Der Parasit verbindet sich mit Eddie, damit sie gemeinsam Jagd auf ihren erbittertsten Feind machen können. Doch der Spinnen-Mann kennt die Schwachstellen von Venom. Ein Vorteil für den finalen Kampf der ungleichen Gegner?

»Venom – Dark Origin« ist ein Comic, an dem sich die Geister scheiden. Eingefleischte Marvel-Fans regen sich über abweichende Angaben zu früheren Spider-Man-Geschichten auf (MJ als Ehefrau Peter Parkers, Eddies Ex-Frau war ursprünglich nicht schwarz u.a.), andere freuen sich über teils sehr gelungene Referenzen zu anderen beliebten Marvel-Storylines (u.a. gibt es ein ganzseitiges Tribute-Panel zu »Secret War«, die Sin-Eater-Geschichte wurde schon aus Spider-Mans Sicht erzählt). Die Story an sich, die aus der Feder von Zeb Wells stammt, Autor der »Ein Neuer Tag«-Spidey-Storyline, ist nicht besonders neu, reichhaltig oder spektakulär und trägt die Mini-Serie inhaltlich gerade mal so. Vom Aufbau her lässt sich die Geschichte ein bisschen sehr viel Zeit, um Fahrt aufzunehmen. So dauert es fast die Hälfte des 124-seitigen Softcovers, bis Venom überhaupt in Erscheinung tritt. Ab da ist die Geschichte eh nur noch nebensächlich, denn hier ergeht sich Zeichner Angel Medina hauptsächlich in großformatigen Portraits des tentakelausbildenden und zähnefletschenden Parasitenmonsters. Im Gegensatz zu den wenig dynamischen Panels der ersten Hälfte platzt der Rest des Softcovers vor Action als allen Nähten. Eine geschickte Aufteilung der Gewichtungen sieht anders aus. Überhaupt die Zeichnungen: Angel Medinas Stil ist für SPAWN-Fans sicher ein Begriff, für jeden anderen Leser, der sich größtenteils nicht mit klassischen Comics der 1980er und 1990er auseinandergesetzt hat, ist er doch sehr gewöhnungsbedürftig. Zur Karikatur verzerrte Gesichter, Figuren, die eher in ein MAD-Heft passen würden, eher standardisierte Perspektiven und teils unsauber aufgeteilte oder gearbeitete Seiten trüben den Genuss der allerdings hervorragend von Scott Hanna und Derek Fridolfs getuschten Story. Auch an den Farben von Matt Milla und Ian Hannin gibt es nichts auszusetzen. Die Figur des Venom ist Medina allerdings – das muss man bei aller Kritik sagen - durchgängig gelungen. Die großformatigen Portraits wimmeln vor Tentakeln, Muskeln und gefletschten Zähnen mit sprühendem Speichel, dass es eine trashige Freude ist. Auch die obligatorische Cover-Galerie am Ende des Bandes zeigt dies noch einmal in aller Deutlichkeit.

Um »Venom – Dark Origin« ausreichend in das Marvel-Comic-Universum einordnen zu können, fehlt mir eindeutig zuviel Hintergrundwissen, deswegen stützt sich meine Beurteilung nur auf den Band an sich. Und der bietet mit 124 Seiten für leicht zu teure 16,95 Euro leider ein bisschen zu wenig interessante Story, die zudem noch dynamisch etwas ungeschickt erzählt wird, um mehr als den reinen »Venom«- oder Spider-Man-Fan anzusprechen. Ein weiterer Lektorats-Durchgang hätte zudem einige Rechtschreib- und Zeichenfehler bei der Übersetzung ausmerzen können. Angel Medinas Stil muss man ebenfalls mögen, um auch der zweiten Hälfte des Softcovers zumindest optisch etwas abgewinnen zu können. Für mich reicht das gerade noch aus, »Venom – Dark Origin« zu einem eher mittelmäßigen Comic zu machen.

Bewertung:



© Sascha Vennemann

 

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