Elaine Lee, William Simpson
Vamps (Vertigo Select 14)
Aus dem Amerikanischen von Gerlinde Althoff
Sammelband – im Original sechs Einzelbände, erschienen zwischen 1994 und 1995 bei Vertigo
Graphic Novel, Softcover mit Faltcover
Panini Manga und Comic, 15. Februar 2011
160 Seiten / 16,95 €
ISBN: 9783862011421
Die Vampirinnen Howler, Screech, Whipsnake, Skeeter und Mink haben die Schnauze voll von ihrem Meister Dave – jenem Vampir, der sie schuf.
Sie machen Schluss mit ihm. Aber wie das bei Vampiren so ist, packt man nicht einfach seine Koffer und zieht aus dem gemeinsamen Grab aus. Nein, man muss den Meister um die Ecke bringen. Und das ist bei einem Blutsauger gar nicht so leicht. Denn selbst gepfählt und in sechs handliche Stücke zerlegt besteht die Gefahr, dass sich der Meister erhebt. Und – auch das ist den hübschen Blutsaugerinnen klar – geschieht dies, dann ist Dave ziemlich angepisst. Schließlich wird niemand gerne gepfählt und zerstückelt.
Also versuchen die Vampirinnen, möglichst viele Meilen zwischen sich und die sechs Teile ihres Meisters zu bringen.
Aber Howler wird nicht nur von der Angst vor Dave getrieben. Nein, die Geister ihrer Vergangenheit jagen sie. Einst, als sie noch ein Mensch war und ihr Geld als Hure verdiente, nahm ihr der Staat Nevada ihren geliebten Sohn weg. Schon damals ahnte sie, dass ein faules Spiel im Gange war. Und so nutzt sie ihre neugewonnene Freiheit, um ihr eigen Fleisch und Blut zu suchen …
Hach, ist das schön. Hübsche Blutsaugerinnen, die sich in gut aussehende Burschen verlieben, ihnen zur Seite stehen und so helfen, die Schule und das Leben zu meistern. Süße Glocken klingen und Herzchen fliegen durch die Luft.
Gott, ich kotze gleich – also genug davon, denn all das ist Vamps zum Glück nicht!
Sarkastisch, blutig, erotisch.
Anders kann man diesen Roadtrip der fünf Blutsaugerinnen nicht beschrieben. Sie jagen bei Nacht und schlafen bei Tag, genießen ihre untote Existenz und kommen auch noch mit ihren Morden durch.
Im Nachwort zur Graphic Novel schreibt Elaine Lee, dass die Reaktionen auf die Miniserie sehr extrem waren.
Und das kann ich verstehen, denn das, was dem Leser hier präsentiert wird, ist morbide und böse von der ersten bis zur letzten Seite.
Genau darum liebe ich dieses Werk!
Im Original erschienen sechs Einzelbände, beginnend im August 1994. Im Januar 1995 war die Miniserie abgeschlossen und – soviel sei verraten – alle Gutmenschen unter den Lesern weinten in ihre Kissen.
Nun schreiben wir das Jahr 2011 und nach den BISS-Büchern rollte eine ganze Welle romantisch veranlagter Blutsauger über das Land hinweg. Davon ist Vamps so weit entfernt wie Rülzheim vom Mond. Hier wird die Härte, das ungezügelte Leben und auch die kalte Brutalität der Vampire gezeigt. Wer das nicht abkann, der sollte lieber zu Micky Maus greifen, denn Vamps ist nichts für Kinder oder zartbesaitete Romantik-Freaks, die bei einem Tropfen Blut in Ohnmacht fallen.
Vamps ist für die Horrorfreunde, die auch eine spannende Story zu schätzen wissen, mit derben Worten klarkommen und Sarkasmus lieben. Fastfood, bei dem man dem letzten Happen bedauert, dass es schon vorbei ist.
Die Zeichnungen und auch die Kolorierung können als perfekt bezeichnet werden. Die Bewegungen, das Böse in einem Lächeln oder auch die Lust, der Durst, die Verzweiflung, die Angst und die Qual in den Gesichtern der Personen sind auf den Punkt.
Hinzu kommt eine Story, die nichts an Witz, Sarkasmus und Spannung missen lässt. Die Handlungen der Personen sind nachvollziehbar, die Ambivalenz des vampirischen Wesens gut getroffen. Hier macht sich bemerkbar, dass die Graphic Novel recht textlastig ist. Nicht nur die üblichen Sprechblasen kommen zum Einsatz, sondern auch erklärende, teils philosophische oder ironische Text-Boxen.
Alles in allem ein rundes Werk, das man verschlingt wie ein durstiger Vampir das Blut seines Opfers saugt (okay, diese Anspielung musste sein, ich konnte nicht anders).
Fazit:
Ein perfekter Horror-Comic, den man nicht hätte besser machen können. Schade, dass es keine Fortsetzung gibt. Oder mit anderen Worten: Meeeeehr … (lechz)
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