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Rezension - Terminator: Infinity

Terminator: Infinity
Text: Simon Furman
Zeichnungen: Nigel Raynor

Comic, Paperback
Dynamite Entertainment / Panini Comics, April 2009
132 Seiten / 16,95 Euro (14,95 Euro)
ISBN: 9783866078000

2009 ist er mit viel Krach und Brimborium aus der Versenkung wieder aufgetaucht: Der Terminator ist zurück! Nicht nur im Kino feiert das Franchise, das mit Arnold Schwarzenegger in seiner Figur als T-800 bzw. T-850 groß geworden ist, sein Comeback – auch im Comic gibt es neue Geschichten rund um die dunkle, von Maschinen beherrschte Zukunft, in der John Connor bzw. der Widerstand und Skynet gegeneinander antreten. Und während McG als Regisseur in »Terminator: Die Erlösung« erstmals einen gesamten Film während des Krieges gegen die Maschinen spielen lässt, schlägt »Terminator: Infinity« in genau dieselbe Kerbe.

Der Comic kam in den USA im Jahr 2007 als fünfbändige Serie unter dem Namen »Terminator 2: Infinity« auf den Markt und hatte zumindest insoweit Erfolg, dass die Hefte mit weiteren Nummern und Crossovern der Figur Painkiller Jane weitergeführt wurden. Die deutsche Veröffentlichung bei Dynamite/Panini fasst die ersten fünf Hefte und somit den ersten Storyzyklus zusammen. Entgegen der Bezeichnung »Terminator 2« in der Originaltitelgebung werden auch Ereignisse aus dem Film »Terminator 3: Rebellion der Maschinen« berücksichtigt.

Im Prolog lernen wir die titelgebende Figur kennen: einen neuen Terminator-Typus mit der Bezeichnung »T-Infinity«. Optisch sieht er wie die Mischung aus dem Lord Grievous von Star Wars (u.a. bei »Clone Wars«) und dem klassischen Terminator-Modell aus. Im Jahre 2033 von Skynet in Betrieb genommen, eliminiert er alle Terminatoren, die in ihrer spezifischen Zeitlinie keinen Erfolg bei der Tötung von John Connor oder Teilen seiner Familie hatten. Auf den ersten Seiten erwischt es in der berühmten Ladenszene (»Uzi – 9 mm« – Terminator 1 von 1984) Arni, im Epilog Terminatrix Kristinna Loken aus dem dritten Teil der Filme.
Der Comic spielt auf seiner ganz eigenen Zeitlinie. Im Jahr 2009 ist John Connor ein Eigenbrötler. Verschanzt in einem Bunker in Crystal Peak, Nevada, säuft er sich zu und hadert mit dem ihm bekannten Schicksal, die menschliche Rebellion gegen Skynet anführen zu sollen. Eine Last, unter der der junge Mann zu zerbrechen droht, zumal auch seine Frau Kate vor vier Jahren starb. Skynet hat den Planeten in der Hand, die Roboter beherrschen alles. Doch dann wird es John zu viel – er macht sich auf nach L.A. und trifft dort auf weitere Überlebende, die gegen die Maschinen kämpfen – unter ihnen ein Junge namens Kyle Reese, von dem der geneigte Leser weiß, dass das eigentlich John Conners Vater ist bzw. sein wird. Bei der Gruppe befindet sich außerdem ein großer glatzköpfiger Mann, sehr einsilbig, unfreundlich und stark. Sein Name ist »Onkel Bob« – und was nur John Connor bald herausfindet: Bob ist ein Terminator, ein modifiziertes T-800-Modell, von einem älteren John Connor in der Zeit zurückgeschickt, um sein jüngeres Ich zu beschützen. Bald darauf zieht die Truppe weiter, zu einem Radiosender in Albuquerque, von wo sie ein Signal aussenden, um den Widerstand zu koordinieren. Die Truppe kann Skynet erste Nadelstiche beibringen, als sie eine Aufladestation für die fliegenden Jäger-Killer zerstören. Noch mehr Möglichkeiten erhält Connor, als ein Militärtrupp um die burschikose Marine Tara Holden eintrifft, der dem Signal gefolgt ist. Gemeinsam wollen sie einen wichtigen Knotenpunkt von Skynet ausschalten. Doch als bekannt wird, was »Onkel Bob« wirklich ist, die Frage aufkommt, ob er den Menschen helfen oder schaden will, und zu allem Überfluss nun auch in dieser Zeitlinie der »T-Infinity« auftaucht, um dem Terminator zu erledigen, überschlagen sich die Ereignisse ...

»Terminator: Infinity« ist vom Grundsatz her eine gelungene Idee, eine eigenständige Fortsetzung der Ereignisse der ersten drei Filme, auf deren Basis hier ein weiteres Geschehen variiert wird. John Connor als gebrochene Figur liegt da nahe, ist es doch schwer, der »Auserwählte« zu sein. Im Laufe der Handlung findet John allerdings in seine Rolle – und hat sogar Gefallen daran, den Maschinen entgegen zu treten, wieder Sinn in seinem Leben zu sehen. Dennoch ist das Ganze etwas mit dem Holzhammer inszeniert.
Um es ganz klar zu sagen: »Terminator: Infinity« ist – wie seine filmischen Brüder – ganz klar actionorientiert. Wer gute Dialoge oder eine dicke Story erwartet, wird enttäuscht. Stattdessen gibt es Kämpfe, Gekloppe und Geballere satt. Laserstrahlen zucken durch die Luft, Menschen rennen herum und Roboterkörper fliegen in Fetzen. Wer in der Hauptsache etwas anderes erwartet, kann auf diesen Comic verzichten.
In sofern liefert Autor Simon Furman ein solides Storygerüst ab, das aber keinen Preis für Vielschichtigkeit oder Originalität gewinnen würde. Viel Lob hingegen kann man Zeichner Nigel Raynor aussprechen, dessen Vision der maschinenbesetzten Zukunft genau den Ton trifft, der »Terminator« ausmacht. Seine Porträts und Kampfpanels vor den Ruinen einer zerstörten Großstadt können sich sehen lassen, auch wenn sie ab und zu noch ein wenig mehr Details vertragen hätten können. Die Farben sind gut gelungen und passend, insbesondere der aus sich selbst heraus leuchtende »T-Infinity« ist in dieser Hinsicht ein Augenschmaus.
Abstriche gibt es für das Lettering, von dem ich nicht weiß, wie es in der amerikanischen Originalausgabe aussieht. Wenn allerdings mit dem Terminator-Schriftsatz auf den ersten Seiten gearbeitet wird, wirkt das Schriftbild aufgrund versetzter Lettern wie beim Buchstaben »A« sehr zerrissen und anstrengend. Hier wäre eine Alternative wirklich vonnöten gewesen, auch wenn dadurch vielleicht ein Stück Stimmung und Authentizität verloren gegangen wäre.

Neben den fünf ersten Bänden der US-Hefte findet man im Softcover noch die Cover und Variant-Cover der amerikanischen Hefte. Darunter sind echte Highlights, und man kann nur spekulieren, warum Dynamite/Panini gerade das unattraktivste und am wenigsten gelungene Motiv als Cover für die deutsche Ausgabe ausgewählt haben. Vielleicht, weil es dem Leser noch am ehesten gelingt, damit gedanklich eine Verbindung zu den Film-Terminatoren zu schlagen.

Insgesamt ist »Terminator: Infinity« eine gute Um- bzw. Fortsetzung des Franchise im Medium Comic. Ein bisschen mehr Story und weniger Action hätten mir persönlich noch etwas besser gefallen, aber eine actionlastige Geschichte ist »Terminator« ja schon immer gewesen. Der Sammelband im Softcover kostete bei Erscheinen 14,95 Euro, inzwischen scheint der Preis aber um 2 Euro auf 16,95 Euro gestiegen zu sein (im Shop auf www.paninicomics.de). Aber auch das ist noch im Rahmen dessen, was ein wirklicher Fan gerne für Terminator-Comics ausgeben wird. Allen anderen wird die Story vielleicht etwas zu dünn sein, um zu überzeugen.

Bewertung:



© Sascha Vennemann

 

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