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Rezension - Seduth

Clive Barker
Seduth
Autoren: Clive Barker, Chris Monfette
Zeichner: Gabriel Rodriguez
Farben: Jay Fotos
3-D-Konvertierung: Ray Zone

IDW Publishing, San Diego, Oktober 2009
36 Seiten/ 5,99 $

Die Geschichte beginnt mit der Eröffnung des »Prism Hotel« in Las Vegas und der Auktion eines Diamanten mit 34 Karat, dem »Lot 225«. Der Architekt Harold Engle wird beim Anblick des Diamanten wahnsinnig und mordet, um ihn zu besitzen. Dem Diamanten entweicht Dunkelheit, eine Seuche, SEDUTH, die den ganzen Planeten überzieht. Blut verwandelt sich in Diamanten, Millionen sterben. Harolds untote Frau gebiert ihm einen Sohn, der bereits voll entwickelt ist. Der Sohn gibt den Vater dem Vergessen anheim, führt ihn in`s Innere des Diamanten, das gleichzeitig Himmel und Hölle ist, der Mittelpunkt aller Dinge.

Immer mehr aktuelle Kinofilme wie z. B. Avatar, Final Destination 4, My Bloody Valentine, Coraline, Ice Age 3 ... erscheinen auch in einer 3-D-Version. Der IDW-Verlag hat dem wohl Rechnung getragen und nun einen Comic in 3-D publiziert.
Mit Clive Barker hat sich IDW einen prominenten Autoren hierfür an Land gezogen, der gerade in der Horror- wie auch phantastischen Literatur eine respektable Größe ist. Der Brite Barker hat sich einen Namen sowohl als Schriftsteller als auch Regisseur gemacht. Zu seinen bekanntesten Werken zählen sicherlich die »Bücher des Blutes«, »Hellraiser«, »Cabal«, »Lord Of Illusions« und »Abarat«.
Als Zeichner wurde Gabriel Rodriguez verpflichtet, der durch seine Arbeit an »Locke & Key« bereits zu Ehren gekommen ist. (siehe hierzu auch Sascha Vennemanns Rezension im Geisterspiegel)
Dem Heft liegt eine klassische Rot/Grüne-Pappbrille bei, die Zeichnungen sind in entsprechender, versetzter Rot/Grün-Optik gehalten. Mit aufgesetzter Brille ist allerdings der Text etwas schwerer zu lesen, sodass ich zuerst seitenweise die Worte gelesen und mir im Anschluss die jeweilige Seite mit vorgehaltener Brille betrachtet habe. Wirken die Zeichnungen im ersten Moment beim Betrachten ohne Brille etwas dilettantisch, entfalten sie in 3-D ihre volle, beeindruckende Wirkung.
Positiv ist übrigens anzumerken, dass gänzlich auf Werbung verzichtet wurde, um den Lesefluss und den Genuss der Bilder nicht zu stören.

Mit der 24seitigen Comicstory haben Barker und Monfette einen surrealen, apokalyptischen und metaphysischen Trip geschaffen, den man einfach auf sich wirken lassen muss. Im 8seitigen Anhang werden Clive Barkers Notizen zur Schau gestellt, in denen er selbst Einflüsse der Regisseure Fellini und Bunuel benennt (Barker selbst verfügt durch seine Regiearbeiten ja ebenfalls über eine entsprechende visuelle Vorstellungskraft) wie auch des Schriftstellers William S. Burroughs, wobei er hier sicherlich auf den unter Drogeneinfluss entstandenen Roman »Naked Lunch« anspielt. (Vor Kurzem habe ich mal wieder die Cronenberg-Verfilmung gesehen, die ich jedem Interessierten nur empfehlen kann.)
Barker bezeichnet SEDUTH zudem als Geschichte, deren Wurzeln im Nihilismus, der Verneinung alles Positiven, aller gesellschaftlicher Werte, liegen.
Da Barker selbst Comicsammler ist, war es eigentlich an der Zeit, dass er, nach Theater, Buch und Film, sich auch dem Medium Comic zuwendet. SEDUTH soll, nach eigenen Angaben, auch nicht sein letztes Comicprojekt gewesen sein.

Fazit:
Ein verstörendes Heft, das mehr beinhaltet, als es auf den ersten Blick erscheint und dessen Auseinandersetzung mit dem dargebotenen Stoff durchaus lohnt.

© Stefan Bellack

 

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