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Rezension - Scott Pilgrim 1 - Das Leben rockt!

Scott Pilgrim 1 - Das Leben rockt!
Zeichnungen & Text: Bryan Lee O’Malley

Comics, Hardcover
Panini Comics, Nettetal-Kaldenkirchen, März 2010
172 Seiten / 12,90 €
ISBN: 9783866079816

Was fängt man als junger Mann mit seinem Leben an? Vor dieser Frage steht jeder mit einem Y-Chromosom geborene Mensch irgendwann einmal. Scott Pilgrim, Kanadier, 23 Jahre alt, wohnhaft in Toronto, Ontario, tut das einzig Richtige, was man da machen kann: Er vertagt die Entscheidung ganz einfach. Stattdessen kümmert er sich um die wichtigen Dinge – Musik machen und schauen, was da noch auf einen zukommt. In der Zweier-WG mit seinem schwulen Kumpel Wallace Wells gehört ihm nicht einmal ein eigenes Bett, dafür bandelt er – sehr zum Spott seiner Bandkollegen - mit der sechs Jahre jüngeren Schülerin Knives Chau an. Zu Scotts Verwunderung scheint sich die Jüngere tatsächlich nach und nach in ihn zu verlieben. Insbesondere bewundert Knives den rockigen Stil, den Scott und seine Band »Sex Bob-Omb« an den Tag legen. Aber da tritt schon die nächste Frau in Scotts Leben: Das Kurier-Mädchen Ramona Flowers, das Inline-Skates-fahrend für den Amazon-Internet-Buchanbieter Pakete ausliefert, erscheint ihm nachts in seinen Träumen. Sie geht ihm nicht mehr aus dem Kopf, insbesondere, da er sie im echten Leben ebenfalls trifft. Auf einer Party einer Freundin versucht Scott mit ihr ins Gespräch zu kommen, scheitert aber an seiner eigenen Nervosität und Unsicherheit. Doch Scott gibt nicht auf: Er bestellt sich online CDs und wartet, während er mit seiner Band einen Gig vorbereitet, auf die Lieferung von Ramona. Die Rechnung geht auf – Ramona gibt zu, eine Hyperaum-Abkürzung durch Scotts Kopf genommen zu haben, um schneller Lieferungen ausfahren zu können und so in seinen Träumen erschienen zu sein. Gleich ihr erstes Date ist ein Volltreffer. Aber dann passiert etwas, mit dem keiner (außer vielleicht Ramona selbst) gerechnet hat. Matthew Patel, einer von Ramonas sieben Ex-Freunden, taucht beim Gig der Band auf und liefert sich mit Scott und seinen Freunden ein echtes Superhelden-Duell. Damit nimmt Scotts Leidensweg seinen Anfang, denn bis er mit seinem geliebten Kurier-Mädchen zusammen sein darf, muss er noch sechs weitere Jungs bezwingen ...

Bryan Lee O’Malleys Schwarz-Weiß-Comic ist in den USA ein absoluter Renner. Die Story um den jungen Musiker, der mit Mantel und Brit-Pop-Frisur in seiner trotteligen Verliebtheit auf dem schmalen Grat zwischen Emo-Attitüde und Poprock-Mainstream balanciert, spricht wohl jeden Leser an, der in 80ern und 90ern groß geworden ist. Das gilt gleichermaßen für Jungs, die Scotts schluffige Art und etwas ratlose Beziehung zu Knives gut nachvollziehen können, wie für Mädchen, denen eben jene leicht unsicher-schüchterne Art sicher gefällt. Inzwischen sind in den Vereinigten Staaten fünf Bände der Serie erschienen, im Sommer 2010 soll der abschließende sechste Band – rechtzeitig zum Kinofilm »Scott Pilgrim vs. The World«, der im Spätsommer bzw. (bei uns) Herbst startet – in den Handel kommen.
Die Zeichnungen des Comics sind simpel und klar, mit schwarzem Filzstift gemalt und dominiert von eindeutig definierten Flächen. Reduziert und mit unverkennbaren Manga-Anleihen (große Augen, fransige Frisuren) gibt O’Malley seinen Figuren ein einzigartiges und stilsicheres Aussehen. Rock und Strumpfhose bei den Mädels, Jeans und T-Shirt bei den Jungs ... Was zunächst als Indie-Comic mit Fokus auf den Charakteren und ihren Problemen beginnt, entwickelt sich zum Ende hin zu einem beinahe waschechten Superhelden-Showdown. Zunächst ist man verwirrt, wenn Ramonas Ex-Freund nebst Gespielinnen auftaucht und Scott sich mit seinen Freunden auf der gegenüberliegenden Seite postiert. Dann gibt’s Kloppe, mit Fäusten und mit aus den Händen fließenden Strahlen-Dingern, was genau da passiert, das weiß wohl nicht mal der Zeichner.
Alles in allem ist der erste »Scott Pilgrim«-Band aber ein fantastischer Auftakt und eine Einführung für einen Helden, wie er für Freunde des alternativen Lebensstils, verbunden mit Indie-Musik, alles das repräsentiert, mit dem sie aufgewachsen sind. Die Probleme der Figuren, ihre lakonische Art, alles das ist so unverkennbar 90er, Grunge, Brit Pop, Emo und Highschool-Punk, dass es eine wahre Freude ist. Das könnte man schon fast eine Comic-Milieu-Studie nennen, wenn nicht noch genre-typische Superheldenkämpfe und die Manga-Anleihen hinzukämen. So wird »Scott Pilgrim« zu einem beachtenswerten Stück Pop-Kultur, das versucht, vieles unter einen Hut zu bekommen – und dabei alles richtig macht. Die knapp 13 Euro für eine Hardcover-Ausgabe dieses Ausnahme-Comics sind darüber hinaus ein tolles Angebot!

Eine Leseprobe des Bandes gibt es hier: www.mycomics.de

Und hier gibt es den Trailer zum angekündigten Film: www.youtube.com

Bewertung:



Copyright © 2010 by Sascha Vennemann

 

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