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Rezension - Schatten von Mirahan

Frank Fazettas »Death Dealer«
Schatten von Mirahan
Text: Nat Jones, Jay Fotos, Joshua Ortega
Zeichnungen: Nat Jones

Comic, Softcover mit Klappumschlag
Panini Comics, Juli 2009
212 Seiten / 19,95 €
ISBN: 9783866077416

Der 1928 geborene Maler und Fantasy-Künstler Frank Fazetta gilt ohne Zweifel als einer der größten Meister seines Faches. Mit seinen zahlreichen Illustrationen und seinem ganz eigenen Stil verzauberte er die Herzen und Gemüter zahlloser Betrachter in aller Welt, entführte sie in das dunkle und wundersame Reich seiner Phantasie, das voller Helden und Gefahren ist. Zu den berühmtesten Werken Fazettas gilt unbestritten das Bild »Death Dealer« von 1973, das einen dunklen, mit behörntem Helm, Streitaxt und Schild bewaffneten Krieger mit rot glühenden Augen auf einem mächtigen Ross reitend zeigt. Diesem ersten Bild folgten bis heute fünf weitere mit dieser Figur nach. Doch außer dem Titel des Bildes war über diesen Reiter und seine Welt bisher wenig – fast nichts – bekannt. Das Autorenteam Nat Jones, Jay Fotos und Joshua Ortega hat das mit seiner 2007/2008 in sechs Einzelbänden bei »Image« erschienenen Comic-Reihe »Frank Fazettas Death Dealer - Schatten von Mirahan« geändert und dem Krieger einen Hintergrund verpasst, ihm quasi eine Story auf den Leib geschrieben. Nat Jones war nicht nur als Autor maßgeblich beteiligt, sondern hat auch die Zeichnungen zu der Geschichte angefertigt. Dabei begegnen dem Betrachter immer wieder bekannte Posen und Szenen, die den »Death Dealer« so zeigen, wie Fazetta ihn einst erdachte.

Das Land Ipargia. Vor rund 900 Jahren tobte ein Krieg zwischen den Völkern der Provinzen Oro und Edani, der viele Tausende das Leben kostete. Der Krieg endete schließlich, als sich die Heere beider Parteien gegen die Übermacht eines einzigen Kriegers verbünden mussten: den Death Dealer. Der Todbringer wütete unter den Angehörigen beider Völker gleichermaßen. Niemand wusste, woher er kam, aber er hörte mit dem Morden auf, als Frieden geschlossen wurde. So, als wäre das seine einzige Aufgabe gewesen.
Diese Legende erzählt man sich in Ipargia heute noch. Der kleine Kelland hört sie besonders gerne, und sein Vater hat gerade damit geendet, als düstere Kreaturen das Dorf überfallen und jeden töten. Kelland kann sich verstecken und überlebt den Überfall. Fürst Atar sendet seinen Sohn Rian, um den König vor der Gefahr zu warnen. Sein anderer Sohn Tomas soll die im sich noch im Wald befindliche Fürstentochter Adelia suchen. Diese trifft sich dort heimlich mit Kellands Bruder, Haden. Der junge Mann weiß noch nichts vom Schicksal seines Dorfes, doch die dunklen Kreaturen überrennen auch den Wald, treiben Adelia und Haden dabei mit den Rücken an den Großmutterbaum. Diese riesige Pflanze soll angeblich der Urbaum sein, aus dem alle anderen hervorgingen. Haden wird von den Angreifern fast getötet, aber der Baum zieht den Beinahe-Leichnam in sich hinein. Wenig später bricht der »Death Dealer« aus dem Wurzelgeflecht hervor. Der Druide Dreovid erklärt die Situation: Das Böse, verkörpert durch das Dunkle Herz, wird sich im Dämon Mirahan manifestieren und hat seine Schergen ausgesandt, ganz Ipargia zu unterwerfen. Um diesem finsteren Plan Einhalt zu gebieten, ist der »Death Dealer« in Hadens Körper gefahren. Kann der dunkle Krieger dem Dämon und seinen Helfern wirklich alleine Einhalt gebieten? Und wird die Burg Fürst Atars fallen? Kann der König, so er denn von Tomas Bescheid bekommen sollte, noch mit der dringend benötigten Verstärkung rechtzeitig eintreffen?

Es ist ein schwieriges Vorhaben, wenn man einen Fantasy-Comic zu so einer legendären Figur wie dem »Death Dealer« gestalten möchte. Von daher muss man ganz eindeutig den Mut und die Furchtlosigkeit der Macher anerkennen, sich an dieses Thema herangetraut zu haben. Leider scheitern sie ein wenig an ihrem eigenen Anspruch. Denn so schön es auch sein mag, eine düstere Welt um den erbarmungslosen Krieger zu gestalten und in Angriff zu nehmen – die Umsetzung muss stimmen. Dass Nat Jones dafür der richtige Mann hätte sein können, das beweisen die von ihm gezeichneten Cover zu Heftserie im Anhang des Softcovers auf eindrucksvolle Art und Weise. Worauf sich der Zeichner allerdings im Comic selbst konzentriert, sind beinahe noch skizzenhaft anmutende Panels, in denen die Figuren wenig variable Gesichtsaudrücke zeigen und sich dahingehend ziemlich ähneln. Mit der Gesichtsanatomie wird es auch nicht so genau genommen, Schmollmünder und große Augen werden bei beiderlei Geschlecht gerne eingesetzt. Gesprochen wird nur das Nötigste, und gezeichnet auch: an der ein oder anderen Stelle, zum Beispiel dort, als der Großmutterbaum Haden in sein Wurzelgeflecht zieht, sind die Panels perspektivisch wirr und undeutlich gearbeitet, lassen den Betrachter verwirrt zurück. Überhaupt erweckt Nat Jones den Eindruck, er würde auf jeder Doppelseite lieber nur die Hälfte in Schattenzeichnungen und Umrissen darstellen (daher »Schatten« von Mirahan?). Der Rest besteht aus ganzseitigen und doppelseitigen Panels, die nur dann richtig zu überzeugen wissen, wenn der »Death Dealer« in einer Fazetta-ähnlichen Pose auftritt. Dies sind die Glanzlichter des Comics, dessen Story jetzt auch nicht vor Einfallsreichtum strotzt und von dem man alles schon einmal irgendwie irgendwo besser gesehen hat. Allein der Auftritt des »Death Dealers« aus dem Wurzelgeflecht heraus ist mehr als offensichtlich von Tim Burtons »Sleepy Hollow« geklaut. Schade, denn der klassischen Fantasy-Figur hätte durchaus mehr zugestanden als ein auf bloßes Gehacke und monströse Bösewichte reduzierter Comic. Da hilft selbst die eintönige Farbgebung nicht mehr, über die offensichtlichen handwerklichen Schwächen hinwegzutäuschen. Selbst Mirahan sieht mit seinem runden Wurm-Maul voller Reißzähne und seinem mit Stacheln bewehrten Rücken aus wie ein mutierter bösartiger Igel – eher zum Lachen als zum Fürchten.

Womit Panini bei dieser Veröffentlichung im Softcover punkten kann, ist die tolle Ausstattung des knapp 20 Euro teuren Softcovers. Im ausführlichen Anhang gibt es nicht nur eine interessante Doppelseite über das Leben und Wirken Frank Fazettas, sondern auch einen Abdruck sämtlicher Original-»Death Dealer«-Bilder, eine Covergallerie, bei der Nat Jones richtig zeigt, zu was er fähig ist, und eine interessante Aufstellung von Entwürfen und der Gegenüberstellung von ursprünglichem Skript und der konzipierten Seite. Das Bonusmaterial kann sich also überaus sehen lassen und wertet die Veröffentlichung um einiges auf.
Leider ist der Comic an sich – wie oben beschrieben – etwas eintönig und weniger gelungen. Wer auf düstere Actioncomics mit riesigen, nicht zu detaillierten Kampf-Panels steht, wem die Story egal ist und wer von der Figur des »Death Dealers« über alle Maßen fasziniert ist, der kann einen Blick ins Softcover riskieren. Alle anderen müssen sich überlegen, ob ihnen dieses Werk mit geringer Halbwertszeit satte 20 Euro wert ist.

Bewertung:



© Sascha Vennemann

 

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