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Rezension - Prototype

Prototype
Zeichnungen: Darick Robertson, Matt Jacobs
Text: Justin Gray, Jimmy Palmiotti

Comic, Softcover mit Faltumschlag
Panini Comics, Nettetal-Kaldenkirchen, Februar 2010
148 Seiten / 16,95 €
ISBN: 9783866078925

Es gibt wohl keine bessere Werbung für ein Videogame, als dass es aufgrund von zu krassen Gewaltdarstellungen verboten wird bzw. keine Alterfreigabe bekommt. Oft müssen auf dem deutschen Markt wegen gesetzlicher Bestimmungen entschärfte Versionen erscheinen – oder, wie im Fall von »Prototype«, verzichtet man als Hersteller auf einen Kompromiss und bringt das Spiel gar nicht erst hierzulande heraus. Letzteren Weg hat die Spielefirma »Activision« für »Prototype« gewählt, das im Sommer 2009 für Playstation 3, Xbox 360 und PC erschien. In dem Actionkracher, den man aus der Third-Person-Perspektive spielt, geht es um Alex Mercer, der ohne Erinnerungen in einem Labor erwacht und panisch daraus flieht, als Wissenschaftler versuchen wollen, ihn aufzuschneiden. Bald schon stellt Alex fest, das etwas mit ihm nicht stimmt: Er besitzt gestaltwandlerische Fähigkeiten und kann andere Menschen absorbieren, wobei er sich deren Erinnerungen einverleibt. Während New York City zusehends im Chaos versinkt, weil ein unbekanntes Virus die Einwohner in brutale Monster verwandelt, muss Alex herausbekommen, was mit ihm geschehen ist. Offensichtlich hat die Firma »Gentek« seine DNA beeinflusst. Immer wieder stellen sich Militärs in den Weg des jungen Mannes, der sich ohne Rücksicht auf Verluste durch den Großstadtdschungel kämpft, auf der Suche nach der Wahrheit ...

Von Juni bis November 2009 erschien in den USA bei »Wildstorm« eine auf sechs Hefte limitierte Comicserie zu dem Computerspiel. Panini Comics hat sich flott an die Übersetzung gemacht und präsentiert im gewohnten Softcover-Format die Gesamtausgabe der US-Hefte.

Vietnam, 1968: First Lieutenant Peter Randall wird während eines Einsatzes unerwartet von der Front abgezogen. Ein Jahr später ist er der Leiter eines Einsatzteams, das in die kleine Stadt Hope in Idaho geschickt wird. Die Bewohner haben sich mit einem Virus infiziert, das sie zu reißenden Bestien werden lässt. In dem unter der Stadt gelegenen Geheimlabor ist etwas schief gegangen. Randalls Team wird pausenlos attackiert und dezimiert, unter anderem von unzähligen zu Zombies mutierten nackten Hochschwangeren. Schließlich radiert das Militär die Stadt aus. Zuvor wird Randall allerdings noch von Lizzy Allen, einer der ersten Infizierten, in die Hand gebissen. In Verzweiflung hackt er sich die Hand ab, um einer vollständigen Infektion zu entgehen. Mut und Einsatz zahlen sich aus: 2008 ist Randall General und befehligt die Spezialeinheit »Blackwatch«.
1998 in der Antarktis: Ein Militärteam unter der Leitung von Lt. Cross soll in der unterirdischen Stadt Springfield nach dem Rechten sehen. Auch hier scheint das Virus ausgebrochen zu sein, die Tiere des Zoos sind zu Tötungsmaschinen geworden. Nur Cross kann sich aus der über seine Männer hereinbrechenden Hölle befreien. Fortan dient er unter Randall bei »Blackwatch« und bekommt den Beinamen »The Specialist«.
Manhattan, 2008: Die Detectives Garcia und McLusky werden zum Schauplatz eines grausigen Verbrechens gerufen. Jemand hat in einem stillgelegten U-Bahnschacht ein Massaker veranstaltet – Berge von aufgerissenen Leibern mit furchtbaren Bissspuren wurden entdeckt. Die Ermittler stehen vor einem Rätsel. Wer könnte solche Gräueltaten begehen? Unterdessen flieht ein geheimnisvoller Mann vor der militärischen Spezialeinheit »Blackwatch«, die sich schnell ausbreitende Krankheiten eindämmen soll, durch die Straßen New Yorks. Der Fremde hat unglaubliche Kräfte, kann sich dadurch wehren, dass er keulenartige Auswüchse bildet und rings um sich herum Dornen aus dem Boden schießen lassen kann. »Blackwatch« versucht ihm Einhalt zu gebieten, aber der Mann verwüstet die gesamte Innenstadt, die daraufhin abgeriegelt wird. In dem ganzen Chaos versuchen McLusky und Garcia, die im Sperrgebiet gefangen sind, einen Weg herauszufinden. Dabei müssen sie ebenfalls vor »Blackwatch« und zahlreichen Monstern fliehen. Dabei kreuzen sich ihre Wege auch mit dem Fremden – Alex Mercer – der ihnen aus einer brenzligen Situation hilft ...

Es scheint eine Gesetzmäßigkeit bei neueren Action-Spielen zu sein, dass Horden von Gegnern - seien es Mutanten, Zombies oder Außerirdische - gegen ein Team oder Einzelpersonen vorrücken und man ihr Auftreten in irgendeine rudimentäre Story einbetten muss. Was schon bei den Umsetzungen von »Gears of War« und »Resistance« (Rezensionen zu beiden Titeln ebenfalls hier beim »Geisterspiegel«) auffällig war, wird durch »Prototype« noch unterstützt: Im Kern sind diese Geschichten äußerst ähnlich und lassen auch nur eine gewisse Varianz zu. »Prototype« ist im Vergleich dieser drei Titel vielleicht als Spiel eines der gelungensten, im Comic allerdings insgesamt allenfalls Mittelmaß - und im Gesamtvergleich am schwächsten.
Das liegt nicht nur an der eher flachen Story, die ohne rechtes Ziel von einer Action-Sequenz zur nächsten überleitet und dabei schlaglichtartig versucht, so etwas wie Charaktere zu etablieren. Das Autoren Duo Gray und Palmiotti hätte sicher noch etwas ausführlicher an der Vorlage arbeiten können, anstatt durch die verschachtelte - von Schauplatz zu Schauplatz und in den Zeiten springende - Struktur der Erzählweise die an sich schwache Story verschleiern zu wollen. Nein, es liegt vor allem auch an den Zeichnungen von Robertson und Jacobs, die es nicht durchgängig schaffen, Bilder von Qualität zu liefern. Perspektiven, Portraits, ganzseitige Panels: Alles wirkt etwas unfertig, durch Schraffierungen werden Details vorgegaukelt, wo keine sind, und Plastizität sucht man ebenfalls vergeblich. Einige Action-Szenen haben mehr Skizzen-Charakter, als dass das Auge auf vollendete Zeichnungen fällt.
Insgesamt hätte dem ganzen Projekt ein bisschen mehr Sorgfalt gut getan. Punkten kann der Comic – ohne dass das zu krass klingen soll – durch seinen hohen Grad an Gewaltdarstellungen. Nackte Zombie-Schwangere, die über den Haufen geschossen werden, Berge von zerrissenen Leibern im New Yorker Untergrund – diese Bilder sind auffällig und bleiben im Gedächtnis. Da »Prototype« als Spiel mit ähnlichen Szenen aufwarten kann (den im Netz und in Trailern veröffentlichten Bildern nach zu urteilen), kann man dahingehend vielleicht von einem gelungenen Teil der Adaption sprechen. Alles in allem rangiert »Prototype« als Comic dennoch leider am unteren Limit des Mittelmaßes. Die knapp 17 Euro für den Band sollten Fans des Games vielleicht ausgeben, Leser optisch ansprechender Graphic Novels und einigermaßen gut durchdachter Geschichten greifen lieber zu Adaptionen von »Mirror’s Edge« oder »Gears of War«.

Bewertung:



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