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Rezension - Neonomicon

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Gunter Arentzen | Florian Hilleberg

Alan Moore, Jace Burrows
Neonomicon
Enthält Alan Moores The Courtyard 1–2 und Neonomicon 1 – 4, erschienen bei Avatar Press
Aus dem Amerikanischen von Gerlinde Althoff
Farben: Juan Mar

Comic, Softcover mit Klappbroschur, durchgehend farbig
Panini Manga und Comic, Stuttgart, September 2011
144 Seiten / 16,95 Euro
empfohlen ab 18 Jahre
ISBN: 9783862011919
Weitere Informationen: www.paninicomics.de

FBI-Agent Aldo Sax ermittelt in einer Serie mysteriöser Mordfälle. Die Opfer wurden allesamt auf die gleiche Weise getötet, nicht aber von ein und derselben Person. Mehr noch – die Täter kannten einander nicht einmal und haben auch sonst nichts miteinander gemein.
Zumindest nicht auf den ersten Blick.
Doch Sax ist einer Sache auf der Spur. Einer Sache, die ihn selbst an den Rand des Wahnsinns treibt.

Eine sehr knappe Zusammenfassung des Comics, man möge es mir verzeihen. Aber jedes weitere Wort würde der Geschichte vorgreifen – und das möchte ich auf jeden Fall vermeiden. Denn eines sei an dieser Stelle bereits verraten – der Plot hat es in sich und bleibt undurchsichtig und spannend bis zum Schluss.
Aber beginnen wir am Anfang.

Als Howard Phillips Lovecraft – kurz H. P. Lovecraft – seinen Arkham-Zyklus schuf – vom Cthulhu-Mythos sprach er selbst nicht, denn dieses Wesen nahm bei ihm keine überragende Stellung ein – , ahnte er mit großer Sicherheit nicht, welche Nachwirkungen sein Lebenswerk haben würde. Noch heute treten Autoren in seine Fußstapfen und erfinden immer neue Geschichten rund um die Großen Alten, Arkham und Cthulhu. Spuren von Lovecraft finden sich sogar in einem der bekanntesten Comics – heißt doch das Irrenhaus von Gotham City Arkham Asylum.
Nun also bediente sich der weithin bekannte Künstler Alan Moore der Lovecraftschen Welt, um eine kurze Comicserie zu erschaffen.
Doch Moore wäre nicht Moore, wenn er dem Stoff nicht etwas ganz Eigenes hinzufügen würde. Wie schon in seinem fantastischen From Hell nimmt er sich nicht nur des Stoffs an, sondern packt auch noch jene Dinge hinein, die Lovecraft selbst oder spätere Autoren und Herausgeber aus den Stories genommen haben – den Rassismus und den Sex.
Nun soll niemand sagen, Moore sein rassistisch. Das ist er mit Sicherheit nicht. Bei Lovecraft hingegen scheiden sich die Geister, jedoch lebte er in einer gänzlich anderen Zeit.
Sex, und hier ist Moore ebenfalls kein Kostverächter, kommt in den Werken von Lovecraft nicht explizit vor. Es muss ihn wohl geben, doch wird er nicht beschrieben.
Der vorliegende Band enthält beides und das in deutlicher Form. Dennoch ist es nicht so, dass diese beiden Aspekte den Roman bestimmen. Sie unterstreichen die Handlung und sind stimmig eingebaut; so, wie es sein soll. Nichts wirkt aufgesetzt, nichts unnatürlich oder plakativ.
Dennoch sollte der Band keinesfalls von Kindern gelesen werden. Dazu ist er einerseits zu brutal, andererseits zu deutlich sexuell.

Die Zeichnungen und auch die Farbgebung sind gelungen und untermalen die gut durchdachte Geschichte. Es macht Spaß, den Protagonisten zu folgen – bis hin zum bitteren Ende, welches den Leser nachdenklich zurücklässt.
Und hier kommen wir zum letzten Pluspunkt des Bandes: Selbst Leser, die noch nie einen Lovecraft in Händen hielten, werden sich rasch in die Story einfinden und ihr folgen können, denn Moore gelang es durch einen Kniff, alles Relevante zu erklären, ohne langatmige Vorträge zu halten. Hier zeigt sich der Altmeister in all seinem Können.

Fazit:
Ein Comic für Erwachsene, der es in sich hat und Horror-Fans zu fesseln versteht. Laut Lovecraft schläft Cthulhu auf ewig in seinem Haus. Mit diesem Comic hätte er Besseres zu tun …

Copyright © 2011 by Gunter Arentzen

Alan Moore, Jace Burrows
Neonomicon
Enthält Alan Moores The Courtyard 1–2 und Neonomicon 1 – 4, erschienen bei Avatar Press
Aus dem Amerikanischen von Gerlinde Althoff
Farben: Juan Mar

Comic, Softcover mit Klappbroschur, durchgehend farbig
Panini Manga und Comic, Stuttgart, September 2011
144 Seiten / 16,95 Euro
empfohlen ab 18 Jahre
ISBN: 9783862011919
Weitere Informationen: www.paninicomics.de

Während den Ermittlungen in Fällen bizarrer Ritualmorde wird Agent Sax wahnsinnig und selbst zum Mörder, woraufhin er in einem Hochsicherheitsgefängnis für psychisch kranke Gewaltverbrecher untergebracht wird. Die FBI-Agentin Merril Brears und ihr Partner Gordon Lamper sollen den Fall erneut aufrollen. Zu diesem Zweck wollen sie Agent Sax befragen, der ihnen jedoch nur in einer Art archaischer Sprache antwortet und bei der Erwähnung einer Disco namens Club Zothique abrupt verstummt. Angeblich sei der Wahnsinn einer Droge anzulasten, die Sax von einem gewissen Johnny Carcosa in eben jener Disco erhalten hat. Als verdeckte Ermittler statten Merril und Gordon dem Club einen Besuch ab, doch von Johnny finden sie keine Spur, dafür können sie die Sängerin der Band The Ulthar Cats festnehmen, die offensichtlich ebenfalls an einer Art psychischer Auffälligkeit leidet und Merril Brears während der Razzia attackiert. In der Wohnung Carcosas finden sie nur noch die Leiche seiner Mutter, die sich auf grausame Art und Weise selbst umgebracht hat. Bei der Durchsuchung werden mehrere pornographische Filme voller Perversitäten sichergestellt. Die Spur führt die beiden FBI-Agenten zu einem Sex-Shop in Salem, Massachusetts. Dort machen Brears und Lamper, als Pärchen getarnt, die Bekanntschaft mit einer Gruppe von Leuten, die die Werke von H.P. Lovecraft verehren und eine Art Swingerclub gegründet haben, in den sie die beiden Undercover-Agenten spontan einladen, die, erfreut durch das unerwartete Vorankommen in dem Fall, sogleich zusagen. Ein schwerwiegender Fehler, denn was Merril Brears und Gordon Lamper in den Gewölben unterhalb des Sex-Shops erleben, ist ein Alptraum aus Gewalt, Sex, Wahnsinn und Tod ...

Alan Moore, bekannt durch Watchmen oder auch die düstere Graphic-Novel From Hell schuf mit Neonomicon ein wirklich bahnbrechendes Werk in Sachen Horror-Comics. Und Jacen Burrows hat es fabelhaft verstanden den zyklopischen Schrecken, angelehnt an Lovecrafts Cthulhu-Mythos im Allgemeinen und an die Kurzgeschichte Dagon im Speziellen, grafisch darzustellen. Auf 160 Hochglanzseiten wird der Leser plakativ mit dem konfrontiert, was Lovecraft seinerzeit nur vage anzudeuten wagte. Namenlose Kulte, unaussprechliche Rituale, dämonische Götzen unbekannten Ursprungs und die sexuellen Perversitäten, die damit einhergehen. Jacen Burrows hat den Monstrositäten ein erschreckendes Antlitz verliehen, seine Stärke liegt jedoch vor allem im Mienenspiel der Pro- und Antagonisten. Die Figuren leben in vor allem durch die Bilder und erst in zweiter Linie durch die Dialoge. Dabei ist Neonomicon eine tiefe Verbeugung vor dem Werk Lovecrafts, und zig Andeutungen und Namensgebungen wie The Ulthar Cats (Die Katzen von Ulthar) und Club Zothique sprechen eine deutliche Sprache. Die Geschichte, teilweise bitterböse und grausam sadistisch, ist nichts für Zartbesaitete, wodurch die Altersempfehlung ab 18 Jahren ernst genommen werden sollte. Gerade die Angst und Panik der Agentin Merril Brears wirkt außerordentlich realistisch, insbesondere durch die plastische Darstellung durch Burrows Zeichnungen. Die Sprache Aklo und die schrecklichen Visionen bilden einen surrealen Alptraum, der direkt dem Hirn Lovecrafts entsprungen zu sein scheint. Wer das Werk des Schriftstellers zu schätzen weiß, nicht aber seine puritanischen Ansichten teilt, der kommt an Alan Moores Neonomicon nicht vorbei.

Das großformatige Cover zeigt die Fischmenschen in all ihrer kreatürlichen, abnormen Scheußlichkeit. Der gigantische Schatten im Hintergrund auf der Rückseite des Bandes soll vermutlich den finsteren Gott Dagon darstellen. Insgesamt ist das Buch sehr hochwertig gestaltet worden und jeden einzelnen Cent seines Geldes wert.

Fazit:
Geniale Hommage an H.P. Lovecraft und Gestalt gewordener Alptraum voller Sex, Brutalität und Irrsinn zugleich. Ein Meisterwerk!

Copyright © 2012 by Florian Hilleberg

 

© by 2012
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