Stephen King, Marc Guggenheim und Alex Maleev
N.
Stephen Kings N. bei Marvel 2010
Creative Director & Executive Director: Stephen King
Script: Marc Guggenheim
Zeichnung & Cover: Alex Maleev
Aus dem Amerikanischen von Christina Seuffer
Comic, Softcover mit Klappbroschur, durchgehend farbig
112 Seiten / 14,95 €
Panini Manga und Comic, Stuttgart, November 2011
ISBN: 9783862011926
Weitere Informationen: www.paninicomics.de
Psychiater Johnny Bonsaint ist tot.
War es ein Unfall? Oder war es Selbstmord?
Bei seinen Hinterlassenschaften findet seine Schwester Aufzeichnungen zu einem seiner letzten Fälle. Patient N. litt an Zwangsstörungen und wohl auch an Wahnvorstellungen.
Oder war das, was der Patient seinem Psychiater erzählte, doch realer als angenommen?
Nach dem Selbstmord von N. macht sich Bonsaint auf die Suche nach dem, was sein Patient berichtete.
Zu seinem Unglück wird er fündig und so gerät auch er in den Strudel dessen, was besser in Vergessenheit geraten wäre …
N. ist eine Kurzgeschichte von Stephen King, erschienen in seinem Buch Just after Sunset aus dem Jahr 2006 – in Deutschland erschienen unter dem Titel Sunset 2008.
Die beiden Künstler Guggenheim und Maleev haben sich jedoch nicht sklavisch an die Vorlage gehalten, sondern den Stoff auf ihre Weise umgesetzt – und damit etwas Eigenes geschaffen. Etwas Düsteres, Mysteriöses, welches den Leser ebenso in seinen Bann zieht wie die Vorlage.
Den Machern ist es gelungen, Kings Horror in Bilder zu fassen, dabei eine eigenständige Geschichte zu erzählen und sich doch nicht allzu weit von der Kurzgeschichte des Meisters zu entfernen.
Der Leser wird mit vielschichtigem Grauen konfrontiert – mit jenem, der real zu existieren scheint und auch mit jenem, der in der Psyche des Menschen stattfindet. Denn die Grenzen zwischen Realität und Wahn, zwischen dem, was wirklich ist und dem, was sich die Protagonisten einbilden, sind fließend.
Die Zeichnungen sind klar, wo es angebracht ist, und verwaschen, wo es Sinn macht. Die Farben passen zu der düsteren Erzählung; sie wirken, als sei der typische Neuengland-Herbst in Farbe geronnen.
Der getragene Erzählton untermalt dabei die Intensität der Aussagen, mit wenigen Bildern verstehen es die Künstler, ein ganzes Leben zu erzählen; mit all seiner Tristesse, die ihm innewohnte.
Wie bei den Protagonisten spielt sich viel im Kopf des Lesers ab, auf plakative Gewalt und Acton wurde verzichtet. Kinder und RTL-gebildete Jugendliche werden daher nicht unbedingt ihre Freude an diesem Kunstwerk haben, man muss schon einen wachen Geist besitzen, um es genießen zu können.
Fazit: King, kombiniert mit erstklassigen Comic-Künstlern, ergibt eine Graphic Novel der besonderen Art.
Copyright © 2012 by Gunter Arentzen |