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Locke & Key - Willkommen in LovecraftText: Joe Hill Zeichnungen: Gabriel Rodriguez Comic, Softcover mit Klappumschlag Es könnte so ein schöner Tag sein im Mendocino Valley: Familie Locke ist gerade dabei, ihr Wochenendhaus zu renovieren. Das heißt, Vater Locke, der in San Francisco an einer Schule als Vertrauenslehrer arbeitet, ist dabei zu streichen, und die drei Kinder Tyler, Kinsey und Bode streifen auf dem Gelände herum. Ty ist wie immer ein unzufriedener Teenager, der mit seinem Leben nichts anzufangen weiß, nicht weiß, wer oder was er ist oder sein möchte und vor sich hin brütet. Kinsey, die jüngere Teen-Tochter mit den Dreadlocks und den Augenbrauenpiercings, versucht immer und überall als Individualistin aufzutreten. Und der Jüngste der drei, Bode, noch keine zehn Jahre alt, ist so neugierig, wie Kinder in seinem Alter nun einmal sind. Diese Ereignisse liegen wie ein Schatten über der Familie, die nach der Beerdigung, um Abstand zu gewinnen, zum Bruder des Vaters ins Städtchen Lovecraft in Neuengland zieht. Im »Keyhouse«, dem fast unheimlich wirkenden Anwesen dort an der Küste, sind die Gebrüder Locke einst aufgewachsen – und sie wissen um die Besonderheiten und Geheimnisse, die in dem Gebäude stecken, auch wenn sie vieles davon schon wieder vergessen haben. Während Mrs. Locke versucht, ihre bleibenden Verletzungen und seelischen Schäden in Alkohol zu ertränken, plagen die Kinder ihre eigenen Dämonen. Tyler liebäugelt mit Selbstmord, übermannt von Schuldgefühlen wegen der ablehnenden Haltung, die er seinem Vater vor dessen Tod entgegen gebracht hatte. Kinsey wandelt sich von der Rebellin zur Angepassten, nur um erkennen zu müssen, dass Eskapismus nicht vor den Geistern der Vergangenheit schützt. Und Bode hat seinen eigenen Weg gefunden, mit der Situation umzugehen: Er erforscht das Haus, und dabei fällt ihm ein Schlüssel in die Hände, der eine ganz besondere Tür öffnet. Wenn man durch sie hindurchgeht, fällt man auf der Stelle tot um und wird solange zum Geist, bis man durch die Tür zurück ins Haus geht. Und dann ist da noch dieses Wesen, das im Brunnen des Brunnenhauses lebt, und das soviel über Bodes Vater weiß – und das auch Sam Lesser kennt, der im Gefängnis darauf wartet, dass ihn ein unsichtbarer Helfer – wie versprochen – hier rausholt, damit er seine Rache vollenden und seinen Auftrag erfüllen kann ... Es ist im letzten Jahr nicht oft passiert, dass ich einen zu Ende gelesenen Comic mit offenem Mund zur Seite legen musste, aber bei »Locke & Key« war dies eindeutig der Fall. Autor Joe Hill und Zeichner Gabriel Rodriguez haben eine Geschichte geschaffen, die einen fast hypnotischen Bann ausübt in seiner Schwermut und Melancholie, in seiner Dramatik aus Charaktermomenten und grafisch drastischen Bildern. Wie viel Rodriguez mit seinen Bildern dazu beiträgt, sieht man nicht zuletzt an der aufwändig gestalteten Fassade des »Keyhouse« (eine Entwurfskizze am Ende des Bandes zeigt, wie detailliert darüber nachgedacht wurde) und den fantastisch in Szene gesetzten Figuren, deren Körpersprache die Handlung konsequent untermalt, und durch die perfekt aufgeteilte Panelverteilung wird die Story optimal und ohne Längen oder zu kurz geratene Passagen umgesetzt. Eine tolle, anspruchsvolle Arbeit! Zusammen mit einer Artwork-Galerie am Ende des Bandes verlangt Panini wohlverdiente 16,95 Euro für diesen im Softcover mit Klappbroschur erschienenen Comic. Eine Investition, die sich lohnt. Ich freue mich schon auf die weiteren »Locke & Key«-Comics. Bereits im April 2010 soll bei Panini der zweite Band mit dem auf vier Hefte verteilten Nachfolger »Head Games« (auf Deutsch: »Psychospiele«) erscheinen.
© Sascha Vennemann |