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Rezension - Jim Butcher - Die Dresden Files I

Jim Butcher – Die Dresden Files I
Willkommen im Dschungel
Zeichnungen: Ardian Syaf
Text: Jim Butcher

Softcover mit Faltumschlag
Panini Comics, Nettetal-Kaldenkirchen, September 2009
144 Seiten /16,95 €
ISBN: 9783866078536

Wenn man das Chicagoer Telefonbuch aufschlägt und versucht, einen Berufsmagier zu finden, so wird man unter dieser Rubrik nur einen Namen finden: Harry Dresden. Der junge Mann Mitte zwanzig, den man selten ohne seinen beindruckenden Kampfstab herumlaufen sieht, ist mit seinen über zwei Metern Körpergröße auch sonst kaum zu übersehen. Wenn es in Chicago ein Verbrechen gibt, bei dem nicht ganz klar ist, ob nicht vielleicht übernatürliche Kräfte oder Kreaturen am Werk waren, bemühen sich die Ermittler, allen voran die nüchtern-kühle Leiterin der Sonderermittlungseinheit Lt. Karrin Murphy, Harry Dresden für die Aufklärung zu gewinnen. Seine besonderen Fähigkeiten und Gaben sind oft hilfreich, wenn es darum geht, solchen Kräften Einhalt zu gebieten.
In diesem Fall wird Harry in den Chicagoer Lincoln Park Zoo gerufen, da dort ein Wachmann brutal zerfleischt aufgefunden wurde. Die offizielle Geschichte lautet, ein Gorilla sei aus seinem Gehege ausgebrochen und wäre Amok gelaufen. Doch die Menschenaffen sind zwar kräftig, aber grundsätzlich friedlich. Harrys Fähigkeiten ermöglichen ihm eine posthume Ansicht der Eindrücke des Wachmanns. Was er sieht, erschüttert ihn: Eine klauenbewehrte unheimliche Kreatur hat den Mann umgebracht. Dresden ermittelt trotzdem zunächst unter den Angestellten und Wärtern des Zoos, was ihm nicht gerade Sympathien einbringt. Gut versteht er sich allerdings mit dem Primatenforscher Dr. Reese und dessen Assistentin Wilhelmina »Will« Rogers. Auch Dr. Dana Watson ist ihm zunächst freundlich gesinnt, doch als Harry Dresden – nach einem Angriff magisch kontrollierter Raubkatzen misstrauisch geworden - weiterforscht, stößt er in deren Büro auf Rückstände magischer Formeln und findet Beschwörungsgefäße mit Tierblut. Als die Wissenschaftlerin ihm und Will dann auch noch offen droht, geht Harry in die Offensive. In seinem Labor analysiert er zusammen mit seinem Helferlein Bob, einem in einem menschlichen Totenschädel wohnenden Luftgeist, die Beweisstücke, und alles weist darauf hin, dass hinter der ganzen Sache der uralte Hekate-Hexenkult steht. Ab da hat Harry alle Hände voll zu tun – denn die Hexe arbeitet nicht alleine, und auf Will und ihn sind die bösen Kräfte gar nicht gut zu sprechen ...

Jim Butchers Figur des Harry Dresden erfreut sich in den USA großer Beliebtheit. In schöner Regelmäßigkeit klettern die inzwischen elf Romane (Band 12 erscheint 2010) mit dem Magier in die New York-Times-Bestsellerlisten, hinzu kommen noch einige Kurzgeschichten und Novellen mit der Figur. In Deutschland sind bisher sechs dieser Romane in Übersetzung beim Verlag Knaur erschienen. Auch als TV-Serie gab es »The Dresden-Files«, die 2007 allerdings nach einer Staffel mit nur zwölf Folgen wieder eingestellt wurde.
»Willkommen im Dschungel« erschien 2008 in fünf Ausgaben bei dem US-Verlag Dabel Brothers Productions. Autor Jim Butcher hat exklusiv für dieses Projekt ein Prequel zu seinen Romanen geschrieben. Der Comic spielt also zeitlich vor der Romanserie und ist keine Adaption einer bereits erzählten Geschichte. Und gerade weil Jim Butcher selbst die Texte verfasst hat, ist es ein »echter« Dresden-Fall geworden – mit einem zynisch-trockenen Humor eben.
Im ersten Drittel des knapp 150 Seiten umfassenden Albums von Panini geht es noch relativ gemächlich zu. In vielen kleinen, aber intelligent platzierten Panels werden die Figuren eingeführt, Harrys Fähigkeiten demonstriert und viel geredet. Je mehr der Magier allerdings über die Vorgänge im Zoo erfährt, desto dynamischer werden die Bilder. Die Panels werden größer, in den letzten beiden Kapiteln finden sich zuhauf ganzseitige Zeichnungen, wenig Dialog. Magische Kampf-Action prägt dann das Finale. Jim Butcher hat das sehr geschickt gelöst und spricht damit sowohl Fans von Action-Comics, als auch Liebhaber dialoglastiger Graphic Novels an.
Doch die beste Geschichte nützt einem nichts, wenn die Zeichnungen nichts taugen. Comic-Frischling Ardian Syaf, der noch nicht so oft in diesem Genre publiziert hat, erweist sich als absoluter Glücksfall und Riesentalent. Seine Umsetzung gefällt nicht nur dem Autor, wie sich dieser im Vorwort überschwänglich begeistert zeigt, sondern setzt perspektivisch und detailreich das um, was sich Butcher als Handlung ausgedacht hat. Syafs Tierstudien, Körpersprache der Figuren, interessante Bildausschnitte und detailliert-dynamische Kampfszenen sind überaus gefällig, sauber getuscht und die Farben phantastisch gewählt (man studiere nur mal eingehend das Cover der zweiten Heftausgabe in der beigefügten Galerie am Ende des Bandes!). Einzig Wilhelmina erinnert mit ihrem Aussehen ein bisschen an eine weniger dralle Lara Croft und hätte vielleicht etwas anders gestaltet werden können.

Der Gesamteindruck von »Willkommen im Dschungel« ist überaus positiv. Die Story hat eine ansprechende Dynamik und eine gute Ausgewogenheit von Dialog und Action. Die Zeichnungen und vor allem der Panel- und Seitenaufbau sind vorbildlich, die Farben toll gewählt. Die 16,95 Euro, die für die Softcover-Ausgabe fällig werden, lohnen sich, und als Dreingabe zur obligatorischen Cover-Galerie bekommt man noch drei Seiten Charakterprofile als Bonus. Gerne mehr von Butcher und Syaf – wenn alles wie geplant läuft, gibt es 2010 die Adaption des ersten Dresden-Romans »Sturmnacht« als Comic!

Bewertung:



© Sascha Vennemann

 

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