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Rezension - Hector Umbra

Uli Oesterle
Hector Umbra

Comic, Hardcover
Carlsen, Hamburg, 2009
216 Seiten / 24, 90 €
ISBN: 9783551748683

Nach dem Tod seines Freundes Joseph Nirwana versinkt Hector Umbra völlig im Chaos. Allerdings nicht für lange, denn sein Freund Osaka Best braucht dringend seine Hilfe. Nachdem Osaka in einem Club verschwunden ist, noch während er Platten auflegt, macht sich Hector auf die Suche nach ihm. Und gerät in Ereignisse, von denen eins phantastischer ist als das andere. Nicht nur, dass er den toten Joseph wiedersieht. Nein, fleischgewordene Wahnvorstellungen versuchen, die Weltherrschaft zu übernehmen. Und Osaka soll ihnen dabei helfen.
Der Comic klingt nicht nur verrückt, er ist es auch. Antiheld Hector (versoffen, verkifft, verraucht und total lebensunfähig) fühlt sich wie auf einem Drogen-Horrortrip – nur dass ihm seine Fantasie diesmal keinen Streich spielt. Ein Wunder, dass er überhaupt noch was auf den Schlappen kriegt und sogar diese völlig absurde Situation meistern kann. Ansonsten wartet der Comic mit einer netten Text-Bildsprache auf: Als Joseph nach drei durchgefeierten Nächten immer noch weiterfeiern und seine Freunde zum Mitfeiern überreden will (und diese klugerweise ablehnen), verlässt er mit dem Spruch »Schlafen kann ich auch noch, wenn ich tot bin« winkend das Lokal. Und das rot blinkende »Exit«-Schild wird immer größer. Bis man nur noch Schwarz sieht. Wer dann nicht weiß, was die Stunde geschlagen hat … Zumal der Schlaf in der Mythologie als der Bruder des Todes gilt. Die Farben Schwarz und Rot spielen auch im weiteren Verlauf eine große Rolle: Eine vermeintlich Verrückte mischt ununterbrochen immer neue Schwarztöne zusammen und will damit Portale gegen den Wahnsinn verschließen. Aber das gelingt ihr erst mit Hectors Blut. Hector hat nach seinem Wiedersehen mit dem toten Joseph eine ständig blutende Stirnwunde und ein Loch im Schädel, das verdächtig nach dem Eingang ins Totenreich aussieht. Schwarz steht in unserer Kultur u.a. für Tod oder das Böse, Rot für Stärke, Mut, aber auch Aggressivität. Rot und Schwarz findet man z. B. in Computerspielen oft in Kombination als Symbol für Dämonen. In diesem Comic hält das tote Schwarz in Verbindung mit dem lebendigen Rot die Wahnvorstellungen auf, wobei das Rot aber auch Hectors Mut symbolisiert, der trotz seines desolaten Zustandes seinen Freund retten will. Grün, ansonsten Farbe der Hoffnung, wird hier zur Farbe der Unordnung/Störung, denn die ultimative Wahnvorstellung, die Osaka erschafft, ist Grün. Aber auch Joseph spricht in grünen Sprechblasen. Außerdem heißt Osaka nicht umsonst »Osaka«. Erstens zeigt der Name natürlich an, dass Osaka Best aus Japan kommt. Zum Zweiten aber bildet Osaka einen Gegenpol zu Tokio, war in früheren Zeiten Hauptstadt Japans und ist für seinen Humor bekannt. Wenn man das im Hinterkopf behält und dann erfährt, dass Osaka aus Tokio stammt … Man merkt schon, der Autor arbeitet viel mit Anspielungen. Und natürlich mit seinen kaputten Helden, denn nicht nur Hector führt ein Leben am Abgrund. Das, der großzügige Schuss an Phantastik, die skurrilen Wachtturm-Rentner und die gar nicht so verrückten Verrückten ergeben einen spannenden Comic mit hintersinnig bissigem Humor. Die Zeichnungen sind eckig und im Großen und Ganzen kein wirklicher ästhetischer Genuss, aber das passt zum Inhalt.

Fazit:
Wer auf Antihelden, einen etwas tiefinnigerem Inhalt und düstere Phantastik steht, sollte zugreifen!

Bewertung:



© Ulrike Dansauer

 

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