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Gears of War - Am AbgrundText: Joshua Ortega Zeichnungen: Liam Sharp Comic, Softcover mit Klappumschlag Comics zu erfolgreichen Videospielen sind keine Seltenheit mehr am Markt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass zum Francise »Gears of War« von Microsoft, dass es seit Ende 2006 gibt, eine solche Umsetzung gegeben hat. Eher ungewöhnlich ist es allerdings für den Panini-Verlag, einen solchen Comic auf den deutschen Markt zu bringen, wenn die Videogames aufgrund einer Indizierung der Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Schriften in Deutschland überhaupt nicht – oder nur schwer - erhältlich sind. Nun kann man behaupten, dass es keine bessere Werbung für ein Spiel geben kann, als das es verboten wird – und genau das dürfte auch die zahlreichen »Gears of War«-Fans erklären, die es doch in unseren Land zu geben scheint. Zumindest so viele, dass der Panini-Verlag die Veröffentlichung gewagt hat ... Die Story von »Gears of War – Am Abgrund« hat eine Vorgeschichte: nämlich die aus dem ersten Teil des Spiels. Den habe ich – auch aufgrund der Indizierung - nie gespielt und bin damit, wie wohl der Großteil der Leser, was das angeht, im Nachteil. Freundlicherweise gibt es im Editorial des Softcover-Bandes eine Zusammenfassung der Geschehnisse, und bei Youtube ein paar anschauliche Videos, bei denen man sich einen Eindruck über das Gameplay verschaffen kann. Der Comic setzt zwei Monate nach dieser Explosion und dem Ende des ersten Teils der Spielereihe ein. Seit 14 Jahren wüten die Locust auf Sera. Nur ein Platz ist sicher: das Jacinto-Plateau, auf das die Locust sich nicht durchgraben können. Ansonsten gibt es nur noch Ruinen auf dem Planeten. Marcus Fenix und ein noch junger Gear namens Jace, die Hauptfigur der Geschichte, sind auf der Suche nach Dom und seinem Trupp, der längst überfällig ist. Nach einem kurzen Scharmützel finden sie die Gears, die ebenfalls einen der ihren gefunden haben: Corporal Michael Barrick vom Echo Six-Team. Die Heimreise zum Jacinto-Plateau verläuft nicht ohne Schwierigkeiten, denn die Boomer greifen an, größere humanoide Locust mit riesigen Feuerwaffen. Fenix und sein Team haben alle Hände voll zu tun, um sich mit ihren »Cog Lancer«-Waffen gegen die Monster zu verteidigen. Zurück zuhause, versuchen die Gears sich kurz zu entspannen. Jace besucht den Leiter des Waisenhauses, in dem er aufwuchs. Als Kind wurden seine Eltern von den Locust getötet, Jace leidet bis heute unter den Flashbacks der schrecklichen Geschehnisse von damals. Bald darauf geht das Delta-Team wieder raus, weiter auf der Suche nach Kameraden, diesmal in der Nähe von Montevado. Auf der Reise mit dem Raven-Helikopter wird dieser von den Locust abgeschossen, und Fenix und sein Team retten sich nur mit der Hilfe der Überlebenden der Flüchtlingssiedlung mit dem passenden Namen »Fucked«. Dort findet das Team einen Kampfpanzer, mit dem sie ihre Mission fortsetzen können – und nehmen auf Jaces Drängen die vermeidliche Waise Lily an Bord, ein junges Mädchen, dessen Eltern in Montevado vermisst werden. Auf dem Weg kämpfen sie gegen Brumak und Kriecher, müssen schließlich mit Motorbikes weiter. Die Lage in Montevado verschärft sich dramatisch, als das gesamte Stadtgebiet in den Boden versinkt und eine riesige Grube entsteht, auf dessen Grund noch größere Schrecken auf die Gears warten, als sie es erwartet hatten ... »Gears of War – Am Abgrund« ist wieder einmal ein typischer Action-Games-Comic. Die Macher haben sich der bekannten Elemente, Monster, Waffen und Personen aus den Games bedient und möchten nun all diese Dinge in einer möglichst kompakt erscheinenden Storyline unterbringen und zeigen können. Insofern erfüllt »Am Abgrund« standesgemäß seine Aufgabe. Auf die Geschichte und ihre Glaubwürdigkeit oder ein In-sich-Abgeschlossen-Sein wurde nicht so besonders viel Wert gelegt. Joshua Ortega, der auch schon in Teilen für die Story zum durchwachsenen »Frank Fazetta’s Death Dealer – Schatten von Mirahan« verantwortlich zeichnete, hat sich als Autor leider nicht viel Mühe gegeben, originell und kreativ an diese Comic-Um- und Fortsetzung heranzugehen. Sein Zeichner-Kollege Liam Sharp macht dafür einen guten, wenn auch routinierten Job. Seine postapokalyptischen Landschaften wissen zu gefallen, ebenso seine kraftvollen Personenportraits und die detaillierten Monster- und Waffenzeichnungen. Doch auch das kann einige Schwächen der erstmals in sechs Einzelheften in den USA erschienenen Story nicht verdecken. Da gibt es mehrere Seiten äußerst blutiger Scharmützel, ganzseitige Explosions-, Kampf-, und Charakterpanels, die – leider wie so oft bei Action-Comis - eher durchschnittlich originell aufgebaut, nicht besonders sinnvoll platziert und meist nicht besonders detailliert daherkommen. Durch unsinnige Bildwiderholungen wird Platz geschunden, wo Spannung erzeugt werden sollte. Und Emotionen in den Ausdrücken auf den Gesichtern der Gears oder anderen Personen sucht man ebenfalls oft vergeblich. Alles in allem ist »Gears of War – Am Abgrund« ein durchschnittlicher Action-Comic. Vielleicht etwas blutiger als gewohnt, vielleicht mit ein paar schöner designten Gegnern, aber in der Ausführung und in der Story hat man doch einiges an kreativem Potenzial verschenkt. Für Fans der Spiele ist die Anschaffung des Bandes Pflicht, alle anderen müssen erwarten, vielleicht ein wenig enttäuscht zu werden. Für knapp 17 Euro gibt es das Softcover mit Klappbroschur und Covergalerie am Ende des Bandes (die sich diesmal wirklich sehr lohnt, man achte nur auf das genial gewählte Cover der deutschen Ausgabe!) zu kaufen, was in Anbetracht des ansonsten fehlenden Bonusmaterials vielleicht ein bis zwei Euro zuviel sind.
© Sascha Vennemann |