RHAPSODY OF FIRE
TRIUMPH OR AGONY
(SPV – SPV97580CD)
13 Songs – 72 Minuten (Limited Edition)
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Kaum eine andere Heavy Metal Band polarisiert die Fans so wie Rhapsody (die sich neuerdings den Zusatz of Fire geben, warum, weiß ich leider nicht). Die Einen finden diesen Bombast-Rock, der sehr stark mit klassisch-orchestralen Tönen durchsetzt wird, genial, die anderen finden es schlicht zum Kotzen. Beinharte Metaller betrachten sie als Verräter am Heavy Metal. Nun, auf welcher Seite man auch steht, es kann keine Äußerungen geben wie: „Na, das geht so“ oder „Mittelprächtig“. Entweder findet man es gut oder schlecht. Auch auf diese Weise kann die Welt manchmal doch sehr einfach sein.
TRIUMPH OR AGONY ist die Fortsetzung der Scheibe SECRET OF ENCHANTED LAND, PART TWO von 2004. Die Band hat die Angewohnheit, Fantasy-Stories zu erzählen, die sich über mehrere Longplayer ziehen. Dabei wurde der neue Zyklus erstmalig mit einem kompletten klassischen Orchester eingespielt. Anders als in früheren Versuchen dieser Art, spielen hier Orchester und Band tatsächlich zusammen, nicht abgegrenzt (mal die Band, dann wieder das Orchester, dann wieder die Band etc.). Das ergibt natürlich wuchtige Soundgebilde, die einen zuweilen schon ganz schön in den Sessel drücken. Es birgt aber auch die Gefahr, dass man sehr schnell in Perfektion erstarrt und trotz aller instrumentalen Aufwendigkeiten den Zuhörer irgendwann langweilt.
Ich persönlich gehöre zu den Befürwortern dessen, was diese Band macht. Deshalb ist meine Rezension positiv eingefärbt. Wie gesagt, andere finden das Zeug einfach grausam – und ich kann auch deren Argumente durchaus verstehen.
Schon die Einführung DAR-KUNOR hat musikalische Größe, besonders der zweite Part. Die folgenden Songs sind exzellent konzipiert und sehr perfekt dargeboten. Das Zusammenspiel zwischen Klassik und Rock funktioniert sehr gut, spricht auch emotional an. Dabei erweist sich die Band als variabler als auf der voraus gegangenen CD, wo der Zuhörer etwas zu häufig mit High-Speed-Musik konfrontiert wurde und die Double-Bass-Attacken kein Ende nehmen wollten. Die Songs sind auch etwas verständlicher, weil sie nicht so häufig in sich verschachtelt werden wie noch beim Vorgänger. Kernstück des neuen Epos, der eigentlich immer noch eine Art Vorgeschichte darstellt (Erst am Ende verkünden die Erzähler – unter ihnen auch wieder, wie schon bei der letzten Platte, Christopher Lee – dass das neue Abenteuer beginnt - sollte diese epische Erzählform beibehalten werden und weiterhin die Teile alle zwei Jahre erscheinen, dann werde ich wohl als alter Greis auf dem Sterbebett das Ende der Geschichte erfahren), ist das 16 ½ Minuten lange Stück THE MYSTIC PROPHECY OF THE DEMONKNIGHT, das ich persönlich zum Besten zähle, was ich von Rhapsody bis dato gehört habe. Das werden sicherlich viele anders sehen, denn hier hat man es zum Teil mit einer Art Hörspiel zu tun, das dramaturgisch mal vom Orchester und mal von der Band untermalt wird. Die Gesangsparts bilden nur das Rahmenprogramm. Der Musikstil wechselt häufiger (Das Stück wird in 5 Teilen präsentiert), ist zuweilen melodiös, dann brachial trashig, dann weich, häufig von Dialogen und Monologen unterbrochen. Das musikalische Thema aus der Ouvertüre kehrt hier auch wieder. Emotional stellt das Ganze eine Achterbahnfahrt dar. Wenn die offizielle Platte dann ausklingt mit der Ankündigung eines großen Abenteuers (die beiden Bonus-Tracks sollte man ausklammern, da sie nicht zur Story gehören), dann wünscht man sich nur noch eins: Bitte schnell einen dritten Teil.
Musik wie diese kann süchtig machen. Wie gesagt, es liegt nicht jedem. Ich kann den Hörern, die von Rhapsody noch Nichts gehört haben, nur raten, sich eine ihrer Platten erst einmal ganz anzuhören, weil eben auch sehr schnell der Umkehreffekt eintreten kann. Ich finde die CD hervorragend, deutlich besser noch als den ersten Teil der neuen Story – aber ich möchte meine Meinung nicht als allgemein gültig hinstellen.
© Norbert Aichele |