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Rezension - Die Nonnen von Loudun

Die Nonnen von Loudun (Hysteria)
Untoten

Gothic
Grafenwald German Horror Publishing, 2007
Audio-CD
Preis: € 12,00

Auf dem Album „Die Nonnen von Loudun (Hysteria, die ganze Geschichte)“ nehmen sich die Berliner Untoten erneut eines historischen Themas an. In den 1630er Jahren bezichtigen die Nonnen des Klosters nahe des französischen Städtchens Loudun den dortigen Pfarrer, Urbain Grandier, der Hexerei. In einem ersten Prozess wird der Priester zwar noch frei gesprochen, aber in einem zweiten, in dem Grandier vorgeworfen wird, mit dem Teufel im Bunde zu sein, kommt es zum Schuldspruch, und der Priester wird auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die Untoten spinnen daraus eine fiktive Geschichte, die einige Jahre nach diesen historischen Ereignissen spielt. Im Mittelpunkt steht die stumme Novizin Valentine, die des Mordes an einer ihrer Mitschwestern angeklagt und schließlich verbrannt wird wie einst Grandier, von dem man glaubt, er gehe noch immer im Kloster um.
Die Untoten weben aus rockigen, düster-poppigen Klängen und Rhythmen versetzt mit dezenten neo-klassischen Elementen ein atmosphärisch dichtes Netz aus Stimmungen und klingenden Bildern. Sängerin Greta Csatlós lässt mit ihrer variablen Stimme die verschiedenen weiblichen Charaktere der Nonnen lebendig werden. Da träumen Nonnen von einer romantischen Liaison mit dem Leibhaftigen. Die Mutter Oberin schwankt zwischen ihrer Sehnsucht nach Grandier, an dessen Tod sie mitschuldig ist, Hartherzigkeit gegen die Novizin und falschen Tränen ob deren Verurteilung. Andere Nonnen suchen die Lust im verboten Liebesspiel mit dem Teufel. Mit ihrer Stimme evoziert Csatlós Schwärmerei, Hohn und schiere Geilheit. Multiinstrumentalist David A. Line, aus dessen Feder Musik und Texte stammen, schlüpft gesanglich in die Rollen des Urbain Grandier und des Richters und Beichtvaters List. Vor allem den bösartigen Frauenhass des letzteren bringt er eindringlich zu Gehör.
Einzelne Stücke aus diesem Konzeptalbum hervorzuheben erscheint mir wenig sinnvoll. Dieses Album will als Ganzes gehört und genossen werden. Wer auf der Suche nach Musik jenseits des Mainstreams ist und ein Faible für die künstlerische Verarbeitung menschlicher Abgründe hat, sollte hier mal ein Ohr wagen.
„Die Nonnen von Loudun“ ist noch in einer zweiten Fassung mit dem Untertitel, „Das geheime Tagebuch einer Nonne“ erschienen. Hier bieten die Untoten Variationen der Stücke von „Hysteria, die ganze Geschichte“ und eine Reihe gänzlich neuer Songs. Diese Fassung ist insgesamt etwas ruhiger und sowohl musikalisch als auch textlich „verträumter“.

Bewertung:


© Michael Dansauer

 

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