GLENN HUGHES
MUSIC FOR THE DIVINE
(Frontiers Records – FR CD 287)
11 Songs – 53 Minuten
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Manchmal kann man nur mit dem Kopf schütteln. Wieso, fragt man sich, wird ein Mann, der so gute Musik macht, so sträflich ignoriert? Als er kürzlich hier in Hamburg war, lungerten so rund 250 Leute im Saal herum, für die sich dieser Mann mehr als 2 Stunden lang den A… aufriss. Und das für einen Preis, der ca. 1/3 dessen beträgt, was ein ach so toller Chartstürmer den Kiddies aus der Tasche zieht, dafür aber gerade mal höchstens 2/3 der Zeit spielt (Und das zuweilen noch zu Playback). Nach dem mitreißenden Konzert geht man hin und kauft sich die neue Platte, die im Vorraum feil geboten wird. Hat man einen CD-Walkman dabei, gibt man sich auf dem Weg nach Hause zum Ausklang diese CD, schwelgt aufgekratzt in der großartigen Atmosphäre, die dieses Konzert hatte.
Aber auch ein paar Tage später, wenn die Euphorie sich gelegt hat, hat diese Platte noch Bestand. Hughes, der von seiner Plattenfirma als THE VOICE OF ROCK promoted wird, ist einer der wenigen Ausnahme-Sänger der Szene. Selten trifft man auf eine Stimme, die so viel Seele besitzt, dass selbst ein schlechter Song noch einigermaßen gut `rüber kommt. Jede neue Platte von ihm ist ein Abenteuer, da er sie stilistisch konzipiert. So gibt es astreine, feine Hardrock-Alben, dann frönt er seinem Hang zu Schwarzer Musik, dann manchmal wieder einer scheinbaren Vorliebe für Beats der 60’er. Auf den letzten beiden CD’s ließ er sich sehr stark von klassischer Schwarzer Musik beeinflussen. War es 2004 auf SOUL MOVER eben der Soul, so ist es diesmal der Funk. Dabei versteht er es bestens, diese Einflüsse in erdigen Hardrock einzugliedern. Und er kümmert sich einen Dreck um kommerzielle Erwägungen, die ihn zwingen würden, die Stücke glatt zu bügeln, seine Stimme zu mäßigen. Er beginnt die LP mit einer überraschend progressiven Funk/Rock-Nummer, die gleich das richtige Feeling aufkommen lässt. In der Folge der Platte offenbart sich eine Vielseitigkeit, die eigentlich den Rahmen der CD sprengt, sodass eine Doppel-CD angebracht gewesen wäre. Dabei stimmt vor allem der richtige Einsatz der Instrumente. Es geht nicht um vordergründige Gefälligkeit, sondern klar um die emotionale Wirkung der Musik. Da können schon mal Instrumente zum Einsatz kommen, die man nicht erwartet, oder Melodiebögen, die ein Stück plötzlich kippen lassen. Der Einsatz seiner Stimme ist so variabel wie die Musik. Mal samtweich, zuweilen weinerlich, dann kreischend und keifend, als wollte er die Erfindung des Telefons in Frage stellen, in jedem Fall immer passend. Ein Song wie YOU GOT SOUL rockt nur aufgrund seiner Stimme mehr als manch ein brachialer Heavy Metal Song. Für ihn positiv ist auch, dass er sein eigener Bassist ist, was ihm erlaubt, auch längere instrumentale Passagen zu bringen. Songs wie THE VALIANT DENIAL oder THIS IS HOW I FEEL bekommen dadurch einen besonderen Reiz. Letzterer ist im Übrigen die vielleicht beste Beatles-Hommage, die ich in den letzten Jahren gehört habe, weil dem Stück jeder aufgesetzte `Ich-will-wie-die-Beatles-klingen´-Zwang fehlt, sondern sich dieses aus einem natürlichen Musikverständnis heraus bildet. Einzig seine Cover-Version von NIGHTS IN WHITE SATIN hätte er sich sparen können, da ihm nichts zu dem Stück eingefallen ist.
MUSIC FOR THE DIVINE liegt still und unerkannt in den Plattenläden, wohl auch ob des unglücklichen Covers, das eher nach einem belanglosen Sampler aussieht. Dabei ist diese CD eine verdammt große Platte, die weit mehr Gehör verdient, als nur jenes von einigen Fans.
© Norbert Aichele
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