Elfenschrift
Das kleine phantastische Literaturheftchen
Ausgabe 32
Dezember 2011
Herausgeberin: Ulrike Stegemann
44 Seiten/ 2,50 €
www.elfenschrift.de
Die Weihnachtsausgabe der Elfenschrift mit ihrem Motto Es war einmal im Dezember ... wird eröffnet vom Interview mit Thomas Elbel, der sein dystopisches Debüt Asylon bei Piper veröffentlicht hat. Asylon ist das Konzept einer zukünftigen Stadt, beherrscht von Clans und sogenannten Levellern als Regulierungsmacht.
Bettina Hampl, ein Multitalent im Literaturbetrieb, kommt im zweiten Interview des Magazins zu Wort. Frau Hampl ist ausgebildete Poesiepädagogin, Autorin, Journalistin, Dozentin und Referentin. Ihre aktuellen Ziele sind eigenes fiktionales Schreiben und das Unterrichten von kreativem Schreiben an der Berliner VHS. Aufbau einer Geschichte, Funktion der Figuren, Spannungsbögen, praktische Übungen sind Inhalte ihrer Kurse.
In dem sich dem Interview anschließenden Artikel Fantasy-Figuren und ihre Entwicklung gibt Frau Hampl, deren Lieblingsgenre die Fantasy ist, einen kurzen Abriss hinsichtlich der Kriterien für eine gute Fantasy-Figur. Um zu erkennen, was notwendig ist, damit eine erdachte Figur lebendig wirkt, muss man um die unterschiedlichen Aspekte einer solchen Figur wissen. Zudem sind die drei Dimensionen einer Figur, ihr Äußeres, ihre Psyche und ihr soziales Umfeld, wichtige Kriterien für ihre Entwicklung.
Ein interessantes Interview, ein lehrreicher Artikel. Wer mehr über Bettina Hampl, ihre Arbeit und ihre Intentionen erfahren möchte, suche einmal ihre Homepage auf.
Der nächste Interviewpartner Ulrike Stegemanns ist der niedersächsische Illustrator Miguel Worms, der seinen Stil selbst als realistisch-surrealistisch bezeichnet. Seine Arbeiten bewegen sich thematisch in der Fantasy und Science Fiction sowie im Comic-Bereich. Auch hier lohnt ein Blick auf die Homepage des Künstlers.
Der Sekundärteil schließt mit einem Interview ab, welches Bianca Schläger mit Lena Unterlugauer führte, die im August 2010 gemeinsam mit Michael Arndt in Hinterzarten im Schwarzwald den Sphera Verlag gegründet hat.
Phantastik fördern - Neues entdecken lautet der Titel des Gesprächs und kann auch gleichzeitig als Motto des Zweipersonenunternehmens dienen.
Der Sphera Verlag hat bereits drei Anthologien phantastischen Inhalts publiziert, die vierte steht kurz vor ihrer Veröffentlichung und für Nummer 5 ist die Ausschreibung gerade abgelaufen.
Das vollständige Programm wie auch aktuelle News erfährt man auf der Verlagsseite.
Den Kreativteil dieser Elfenschrift eröffnet W. Berner, u.a. Herausgeber des XUN - Magazins, mit einem schönen Gedicht, welches den passenden Titel Weihnachtszeit trägt.
Elfen und Trolle ist ein sympathisches Märchen mit einfacher, klarer Botschaft, geschrieben von der jüngsten Autorin des vorliegenden Heftes, der 12jährigen Marie Haberland. Ein schöner Kunstgriff ist, den Anfang der Geschichte aus zwei Perspektiven zu schildern, nämlich einmal aus der Sicht der Elfen, zum anderen aus dem Blickwinkel der Trolle und dabei die Handlung quasi parallel laufen zu lassen.
Eisherz wiederum ist die melancholische Geschichte eines Schneemanns, der nur durch menschliche Gedanken am Leben erhalten wird. Eine Erzählung von Fabienne Siegmund, die bereits durch mehrere Anthologien bekannt ist.
Das Schiff mit den silbernen Segeln von Petra Hartmann schildert die wundersame Rettung eines Segelschiffes aus eisigem Sturm.
In Das Märchen von Einar und Birgitta erzählt Volkmar Kuhnle von der Freundschaft des Mädchens Birgitta zum Elfenjungen Einar, den nur sie sehen kann.
Die Geschichte spielt auf Island, einem sehr passenden Ort. Sind die Isländer doch sehr aufgeschlossen gegenüber der Existenz von Fabelwesen, dem sogenannten »Verborgenen Volk«.
Wer geglaubt hat, dass die Kuschelvampire aus Twilight an Harmlosigkeit nicht zu toppen sind, wird von Inka-Gabriela Schmidt in ihrer Geschichte Eine vampirische Weihnacht eines Besseren belehrt. Ihre Vampire können nicht einmal beißen! »Wir sind Vampire, Maria, aber wir beißen nicht.« Ob man den letzten Satz der Geschichte als selbstironisierend werten kann, wenn der Vampir Oliver an »kitschigen Weihnachtszinnober« denkt? Ich hoffe es einmal.
Auf jeden Fall ist mit dieser Short Story der Prosateil der Elfenschrift Nr. 32 zu Ende.
Es folgen Ulrikes Impressionen von der Frankfurter Buchmesse 2011.
Nach dem Weihnachtsrätsel werden in der Bücher-Ecke aktuelle Erscheinungen der Phantastik kurz vorgestellt, die es auch zu gewinnen gibt.
Noch mehr Lesestoff wird u.a. in Form dreier Anthologien präsentiert, einem Regionalkrimi und weiteren Romanen.
Die Info-Ecke macht aufmerksam auf die Gründung des Vereins Die Phantasten e.V. Zum Ziel haben sich die Vorsitzenden Simone Edelberg und Torsten Low »die Pflege und Förderung der Phantastik« in der Literatur wie auch in anderen Medien gesetzt.
»Wir sind phantastisch!« lautet das Motto des Zusammenschlusses von Autoren, Verlegern, Künstlern und Kulturschaffenden.
Zum Ausklang dieser Elfenschrift erfolgt der Hinweis auf zwei Ausschreibungen:
Noch bis zum 31.01.2012 kann man an der Märchen-Ausschreibung der Geschichtenweber teilnehmen.
Der Blitz-Verlag wiederum hat zu einem Edgar Allan Poe-Schreibwettbewerb aufgerufen. Herausgeberin Nina Horvath und Verleger Jörg Kaegelmann suchen Kurzgeschichten und Novellen aus den Genres Phantastik, Horror und Krimi, die auch stilistisch eine Hommage an den berühmten Autor darstellen sollen.
Autoren können ihre Werke bis zum 15.04.2012 einreichen.
Eine wie immer vielseitige Elfenschrift, die neben den Prosatexten auch mit zahlreichen, interessanten Interviews aufwartet. Ein Blick ins Magazin lohnt sich auf jeden Fall und selbstverständlich nicht nur zur Weihnachtszeit!
Das Thema für die kommende Ausgabe 33 lautet übrigens »Frühlingserwachen«.
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