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John Sinclair Taschenbuchrezension Band 306

Der Schädel-Schrank
John Sinclair Taschenbuch 306

von Jason Dark

Bastei Verlag (Verlagsgruppe Lübbe)
ca. 176 Seiten/3,95 €

Der Henker und der Inquisitor haben ein gemeinsames Hobby – Schädel abhacken! Da trifft es sich gut, dass der eine die Vollmacht hat, so etwas anzuordnen, während der andere als ausführendes Organ agieren kann. Um die Köpfe unliebsamer Zeitgenossen entsprechend aufzubewahren, nennt der Inquisitor den Schädel-Schrank sein Eigen: Ein Ungetüm mit vielen Laden und Fächern, in denen die Totenköpfe wie in einem Setzkasten unterkommen können. So gehen die Jahrhunderte ins Land, in John Sinclair, sowie Suko geraten an einen der Schädel. Bei einer Polizeikontrolle, in die sie geraten, fällt den Beamten der Wagen eines Antiquitätenhändlers auf. Sinclair konfisziert einen einzelnen Schädel, den der Händler außerhalb des Schrankes aufbewahrte. Im Schrank selbst befindet sich bei der Kontrolle keiner der Schädel mehr. Anders, als der Händler den Schrank von einer zwielichtigen Gestalt für wenig Geld erstand – das Teil war prall gefüllt den Überresten der Toten. Zuhause angekommen, stellt der Händler den wie von Geisterhand wieder gefüllten Schrank in die Garage. Nachdem Sinclair und Suko des konfiszierten Schädels durch die Begegnung mit einem Geist verlustig geworden sind, wenden sie sich an den Händler. Der hat inzwischen erfahren, das der vermeintliche Händler ein Mischwesen aus Henker und Inquisitor war. Im Finale fordern die schädellosen Geister der Mordopfer ihre Köpfe zurück und rächen sich am Mischwesen ihrer Peiniger. Zurück bleibt ein leerer Schrank, den der Trödler, von den Erlebnissen geschockt, zu Feuerholz verarbeiten will...

Nachdem man mir mit TB 294 „Raniels Engelswelt“ einen echten Nullroman servierte und ich mir sagte, Sinclair, wenn es sich vermeiden ließe, nicht zu lesen, hat man mir mit dem „Schädel-Schrank“ ein zweites Taschenbuch von Jason Dark zugespielt. Mein Eindruck bleibt der selbe – Sinclair ist trash, Sinclair ist Müll, Sinclair ist inhaltsarm und stilistisch unterirdisch. Doch gegenüber der Verärgerung der miesen Qualität von TB 294 erfasste mich bei der Lektüre eine gewisse verzweifelte Heiterkeit. Die sprachliche Qualität dieses Romans liegt über der des ersten TBs, das ich von Sinclair lesen durfte, auch inhaltlich reicht der Plot wieder noch nicht einmal für einen Heftroman, geschweige denn für ein Taschenbuch. Die Prolog-Sequenzen in der Vergangenheit, betreffend die beiden später vereinten Quäl-Geister Henker und Inquisitor, haben noch einen vergleichsweise gruseligen Charme. Wenn im Finale aber in der Garage tanzende Schädel herumsausen, dann fange selbst ich als geduldiger und geübter Leser an, nur noch jeden zweiten Satz zu lesen – dafür ist mir meine Zeit zu schade. Fazit: Es ist mir unbegreiflich, wie man John Sinclair als Mensch mit einem gewissen ästhetischen Empfinden und einem Mindestmaß an literarischem Geschmack wirklich mögen kann. Aber man kann sich doch davon unterhalten lassen – soviel Blödsinn wie in dieser langlebigen Serie gibt es sicherlich auf dem deutschen Heft- und TB-Markt kein zweites Mal.

© Sascha „Andro“ Vennemann

 

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