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Höllenjäger Romanrezension Band 1

 

Jenseitsgesänge

Höllenjäger – Die andere Seite der Angst Band1
von Des Romero
Diomedes Phantastik
geklammertes Romanheft
65 Seiten/ 3,95 €
erscheint alle zwei Monate, Bezug nur über Romantruhe.de

JenseitsgesängeMit »Höllenjäger« startet eine weitere Horror-Serie ihren Zug zu den Lesern des Landes. Im Din-A5-Format, aber mit schmuckem Semi-Gloss-Cover kommen die Hefte daher und stellen sich der Konkurrenz ähnlicher Taschenromane, etwa jenen aus dem Hause Bastei und Romantruhe. Wie sich Band 1 schlägt, soll diese Rezension beleuchten.

Die Geschichte gliedert sich im Grunde in zwei Teile.
Zum einen werden die Geschehnisse von vor langer Zeit geschildert. Eine Gruppe, die sich selbst als Höllenjäger bezeichnete, kämpfte gegen das Böse in Gestalt schwarz-magischer Priesterinnen, welche das unsagbar Böse auf die Erde holen und diese ins Chaos stürzen wollten. Am Ende, als die Waffen schwiegen und die Höllenjäger den Sieg errungen hatten, beschlossen sie, andere Menschen in ihr Wissen einzuweihen und ihnen in versiegelten Kammern Amulette zu hinterlassen, die ihnen bei einem erneuten Aufflackern des Bösen als Waffen dienen sollten.
Der zweite Part spielt in der Jetzt-Zeit. Hauptfigur ist Richard Jordan, der 27-Jährige Sohn eines Archäologen. Im Hause seiner Eltern findet Richard nicht nur ein Buch, das von den eigentlichen Höllenjägern handelt, sondern auch eines der Amulette, die sie den Menschen hinterlassen haben. Nur, dass dieses spezielle Artefakt durch das Böse in Gestalt eines Dämons namens Amalnacron in sein Gegenteil verkehrt wurde. Jahre zuvor hatte Richards Vater gemeinsam mit einem Kollegen dieses Artefakt in Südamerika gefunden, und seitdem fielen ihm mehrere Menschen zum Opfer. Nun übt es seinen Einfluss auf Richard aus, der daraufhin unter den Bann des Dämons gerät.
Edward Jordan – der Herr Papa – versucht, seinen Sohn aus dem Bann des Dämons zu befreien. Nicht nur, das er selbst der Loge der (modernen) Höllenjäger angehört. Nein, sein Sohn ist ebenfalls ein mächtiger Höllenjäger. Nur weiß er es noch nicht. Und es steht zu befürchten, dass er es auch niemals erfahren wird, denn noch hält ihn Amalnacron fest in seiner Hand.
Die Frage, die den Leser bis zum Ende des Bandes bewegt ist also, ob sich der junge Mann aus dem Bann des Dämons befreien und seiner Bestimmung folgen kann oder ob das Böse hier einen großen Sieg erringt.
Auf 65 Seiten führt der Autor den Leser mittels einer opulenten Sprache mit sehr ausgefeilten, teils zu hochtrabenden Sätzen durch Gegenwart und Vergangenheit, bringt Figuren und lässt sie gleich wieder sterben, benutzt unaussprechliche Namen und führt eine Sprache ein, die es heute nicht mehr gibt.
Klingt verwirrend?
Ist es auch!
Dabei ist der Plot an sich durchaus interessant und der Autor beweist bei der Storyline einige Fantasie. Aber das ewige Springen zwischen den Zeiten, die Namen, Daten und Fakten verwirren den Leser nicht nur, sondern sie überfordern ihn auch mit Informationen, die er sich letztlich kaum merken können wird.
Der Autor hat sehr viel Mühe darauf verwandt, die Hintergründe der Serie zu beleuchten und dabei alles in Band 1 gepackt, was ihm wichtig war. Eine gute ausgedachte Legende der Höllenjäger, eine um Jahre zurückliegende Expedition UND die Geschehnisse, um die es eigentlich geht. Dabei verlor er leider die Übersichtlichkeit aus dem Blick und auch das Gefühl dafür, wo er den Leser überfordert. Ganz abgesehen von den blassen Figuren, die ohnehin meist binnen weniger Seiten sterben. Übrig blieben am Ende nur zwei, und von denen weiß man nicht sehr viel.
Natürlich ist es schwer, einen Band 1 zu schreiben und in ihm nicht nur die Storyline entwickeln zu müssen, sondern auch die Protagonisten. 65 Seiten – die Regel bei solchen Romanen – sind da schnell gefüllt. Als Autor tappte man leicht in die Falle, den Leser zu überfrachten und falsche Prioritäten zu setzen.
Genau das ist Des Romero in diesem Band 1 passiert und dies ist mit die größte Schwäche des Bandes.
Weiterhin bleibt die Spannung teilweise auf der Strecke. Vieles ist vorhersehbar, überraschende Wendungen werden zu früh angekündigt und wirklich spannungsgeladene Szenen durch einen falsch platzierten Wechsel des Handlungsstrangs getötet. Gerade, wenn die Messer gewetzt werden sollten, blendet der Autor zu einer anderen Szene. Kommt er dann zu den Messern zurück, ist das Opfer bereits tot, das Blut schon fast aufgewischt. Wobei auch erwähnt werden muss, dass sich dies zum Ende des Romans bessert, der finale Kampf durchaus zu unterhalten weiß. Aber diese paar Seiten reichen nicht, um den gesamten Roman herauszureißen.

Fazit:
Mit "Jenseitsgesänge" legt Des Romero einen Band 1 seiner neuen Serie vor, der nur in Maßen zu unterhalten weiß. Ein gefährliches Debüt, denn es erschwert die Entscheidung, der Serie treu zu bleiben. Um so mehr, als dass man all die Fakten zwei Monate im Kopf behalten muss, denn so lange dauert es, bis man den nächsten Teil in Händen hält. Bis zum Ende konnte ich kein wirklich großes Interesse an den weiteren Entwicklungen der Story bei mir entdecken. Allerdings macht der Schluss Hoffnung auf einen besseren Band 2 – zumal nun die Hintergründe erzählt sind und sich der Autor auf die Protagonisten konzentrieren kann. Die Serie vorschnell auszuzählen wäre daher falsch.

Eine Besonderheit, die ich jedoch weder positiv noch negativ vermerken möchte, da das Leser-Lager hier gespalten ist stellt die Tatsache dar, dass dieser Roman nach den Regeln der alten Rechtschreibung verfasst ist. Dies mag man bewerten, wie man will.

© Gunter Arentzen

 

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