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Kugeln für den Staatsanwalt
Jerry Cotton Band 2604 von Jerry Cotton 64 Seiten/1,50 € Bastei-Verlag (Verlagsgruppe Lübbe)
Bei aller Sicherheit des Zeugens vergessen die FBI-Agenten allerdings, dass auch der Staatsanwalt Morgan Webster ins Fadenkreuz der skrupellosen Gangster geraten könnte – doch da ist es bereits zu spät: Der Staatsanwalt wird tot aufgefunden ... Irgendwie habe ich den Eindruck, ich komme mit den aktuellen Romanen der Cotton-Serie auf keinen grünen Zweig mehr. Nachdem es mit Band 2600: „Das Phantom“ und Band 2601: „Die Eremitage-Connection“ zwei besonders starke Romane gab, folgte nun eine totale 180-Grad-Wende – allerdings in die falsche Richtung, eine Rolle rückwärts sozusagen. Band 2602: „Pazifische Alpträume“ war derart einschläfernd, dass ich schon nach dem Beenden des Heftes die wichtigsten Informationen vergessen habe; Band 2606: „Eine Tote als Zeugin“ hatte wenigstens viel versprechend angefangen und war dann ins Negative abgedriftet – aber Band 2604: „Kugeln für den Staatsanwalt“ ist einfach nur dreist. Was für eine innovative Story: Ein Mafia-Boss, den es zu verhaften gilt – Donnerwetter! So klischeehaft die kurze Beschreibung oben auch klingen mag, so schlimm geht es auch weiter, denn „Kugeln für den Staatsanwalt“ ist nicht nur komplett der Klischeekiste entsprungen – der Roman wirkt wie abgeschrieben von anderen. Man hat den Eindruck, man liest hier ein mittelmäßiges Heft aus der Vergangenheit der Serie ein zweites Mal. Da ist z. B. der große Boss im Hintergrund, der wirklich DER Mafia-Boss schlechthin ist – vor den gefürchteten Hitmen Luigi Castilos fürchtet sich jeder. Dann ist da noch der unprofessionelle Profi-Killer, der Kohle vom Boss braucht, um unterzutauchen und stattdessen heißes Blei erhält. Das sind nur ein paar Beispiele für diesen Roman, die aber gar nicht einfangen können, wie klischeehaft die Story ist. Völlig grundlos lässt der Autor dann plötzlich Phil und Ruby und Jerry und Sarah zusammenarbeiten, allerdings ohne, dass er das Potenzial dieser Story nennenswert nutzt oder dass dafür ein besonderer Anlass vorhanden ist. Wobei ich hier dazusagen muss: Ich habe den restlichen Roman ab der Hälfte nur noch überflogen. Das schlimme ist: Man verpasst dabei nichts Nennenswertes. Hier reicht es voll und ganz aus, nur jede zweite Spalte mal einen Halbsatz zu lesen. Man möge mich nicht falsch verstehen – wäre dies mein erster Jerry-Cotton-Roman und hätte ich nicht schon ein paar hundert Cotton-Romane gelesen, hätte mir das Heft vermutlich gut gefallen. Aber – auch wenn man das während der Lektüre dieses Romans nur schwer fassen mag – die Welt hat sich in den letzten Jahren ein bisschen weiterentwickelt und das war nun mal nicht mein erster Cotton-Roman. Wenn man schon Dutzende von Mafia-Stories in dem Stil gelesen hat, hängt einem dieses typische Muster irgendwann zum Hals raus. Dabei beweisen andere Mafia-Krimis, dass es auch anders geht und Mafia-Romane nicht immer nach Schema 08/15 ablaufen müssen. Das ist schlicht und ergreifend verschenktes Potenzial. Fazit: Eigentlich kann man diesen Roman nicht ernsthaft bewerten, jedenfalls nicht im klassischen Sinne. Da kommentiert man, ob sich der Autor was Schönes oder was Schlechtes hat einfallen lassen, aber was sagt man, wenn man das Gefühl hat, jemand habe da einen bereits erschienen Roman einfach nur mit anderen Namen versehen?! Wie gesagt: Hätten wir diese Story nicht schon gefühlte tausend Mal in der JC-Serie gehabt (wobei ich nicht ausschließen möchte, dass es so was Ähnliches nicht tatsächlich schon etwa tausendmal bei „Jerry Cotton“ gab…) und würde der Roman nicht nur aus staubtrocken-langweiliger Ermittlungsarbeit ohne jegliche Überraschungen oder Wendungen bestehen, hätte der Roman mir vielleicht gefallen.
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