Zahltag ist um Mitternacht
Jerry Cotton Band 2568
von Jerry Cotton
64 Seiten/1,50 €
Bastei Verlag (Verlagsgruppe Lübbe)
Staatsanwalt Mahoney, der die Anklage im Prozess gegen den Drogenhändler Roberto Cimiotti vertritt, wird vor dem Gerichtsgebäude von dem Profikiller Marvin Collins auf offener Straße erschossen. Den Rat des neuen Staatsanwaltes Scott Kirkland befolgend, suchen Jerry Cotton und Phil Decker zuerst im Drogenmilieu nach dem Täter, doch dann kommen sie einer ganz anderen Sache auf die Spur...
Nach kurzer Pause habe ich jetzt die Jerry Cotton 1. Auflage von letzter Woche gelesen, Band 2568 – „Zahltag ist um Mitternacht“.
Beginnen wir am Anfang. Nachdem man die Agentur-Fotos abgeschafft hat und stattdessen wieder verstaubte Film-Fotos das Titelbild zieren, ist meine Erwartungshaltung an ein Cotton-Cover nicht mehr sonderlich hoch (zum Vergleich – die Covers bei den Jerry Cotton Taschenbüchern unter redaktioneller Leitung von Peter Thannisch passen immer noch sehr gut zu den Romanen und sind von Agenturen bzw. nicht aus Filmen). Aber ein so hässliches Cover ist mir selten untergekommen, nicht mal bei einem gewissen Illustrator, den ich schon des Öfteren kritisiert habe. Ob man die Leser mutwillig abstoßen will?
Aber zum Roman selbst. Grundsätzlich gefällt mir die Story. Zwar ahnte ich spätestens ab Seite 22/37, wer der Täter war (betreffende Person benahm sich schon ziemlich verdächtig), aber warum die Person der Täter war, das hat mich doch überrascht. Ich hätte zuerst gedacht, dass die Person aus Karrieregründen gemordet hatte, aber darauf wär ich nicht gekommen. Soviel zur grundsätzlichen Story.
Leider gab’s auch hier einige Feinheiten, die stellenweise Mängel hatten.
Der Profikiller Marvin Collins wird als eine Person dargestellt, die schon Dutzende Leute getötet hatte (ich zitiere Seite 5: „Was nun geschah, lief ab wie ein Film, den Collins schon Dutzende Male gesehen hatte“). Im Umkehrschluss würde das bedeuten, dass dieser Profikiller sich in seinem Geschäft auskennt und schon entsprechende Erfahrungen bzw. Aufträge mit Erfolg (sonst würde er wohl kaum noch leben und frei herumlaufen) abgeschlossen hat. Wie ein Profi verhält sich dieser Kerl aber wahrlich nicht.
Auf Seite 6 rempelt der Kerl eine Angestellte an – und das vor Augen von misstrauischen Polizisten. Schon blöd, wenn gerade ein Schuss gefallen ist und der ausgerechnet aus Richtung dieses Hauses kam. Die New Yorker Polizisten müssten, was das angeht eigentlich in sofern geschult sein, als dass ihnen ein Handwerker, der sich zufälligerweise genau in der Nähe eines Tatorts aufhält, sofort verdächtigt vorkommt.
Dann lässt der Kerl auch noch sein zerlegtes Präzisionsgewehr in einem Werkzeugkasten wie auf dem Präsentierteller liegen, damit die G-men den auch ja finden (siehe Seite 17). Wenn sich dieser Killer schon so dämlich verhält und Angestellte vor den Augen von Polizisten umrempelt, dann macht’s auch keinen Unterschied mehr, ob er noch einen Werkzeugkoffer trägt; im Gegenteil.
Dann lässt sich der Profikiller auf Seite 12/13 auch noch auf die wirklich dümmste Art und Weise von seinem Auftraggeber abservieren. Mal ehrlich. Wenn Worte wie „Aber sehen Sie zu, dass sie so schnell wie möglich verschwinden. Ich möchte nicht, dass irgendjemand eine Verbindung herstellt“ fallen, dann müsste eigentlich jedem Profi (wohlgemerkt: Natürlich, solche „Arbeitsunfälle“ können passieren. Vielleicht einem Junior-Killer, der gerade das erste Mal einen Hit erledigt, aber doch keinem Killer, der angeblich Dutzende Leute umgebracht hat und so weiter) klar sein, dass es Zeit ist zu verduften – und nicht, zusätzliches Geld zu fordern.
Gefreut habe ich mich darüber, dass Sarah mal wieder einen Auftritt hat.
Alles in allem ein Roman der mir, von Schönheitsfehlern abgesehen, zusagt.
© Koopa |