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Die Spur führt nach Chinatown Auf Seite 28 werden ganz neue Fähigkeiten von Jerry Cotton und Phil Decker offenbart. Sie hören gerade die aufgezeichneten Telefongespräche von Chi Wong und Hsien Hsing-hai. Wohlgemerkt: Telefongespräche. Merkwürdig nur, dass dann zwischen dem Telefon-Dialog als Anmerkung steht: „Die Miene Chi Wongs schien zu versteinern…“ – komisch, dass bei der Aufzeichnung eines Telefongesprächs auch mitgeschnitten wird, was die sprechenden Personen während des Telefonats so gemacht haben. Vielleicht eine neue Erfindung von CIA oder FBI? ;-) Das ist zwar kein gravierender Fehler, wollte ich aber doch noch anmerken. Seite 29. Tschau Meng-fu berichtet Jerry und Phil gerade, dass er Chi Wong davon berichtet hatte, dass sie der Polizei ins Netz gegangen sind und Jerry schlussfolgert messerscharf: „Dann hat Chi Wong sicher seinem Boss Bescheid gegeben.“ Und auf der nächsten Seite finden sie Chi Wong auch schon tot. Jetzt frag(t)e ich mich doch ernsthaft, was sich der Autor dabei gedacht hat. Diese kindliche Naivität kann mit der Zeit ganz schön nerven; wenn man sich so was von stümperhaft verhält, ist es kein Wunder, dass man kurz darauf tot im Sessel liegt – müsste Chi Wong als Gangster eigentlich wissen. Auf Seite 32/33 ging es dann so chaotisch zu, dass ich auf Seite 37 einfach keine Lust mehr hatte, weiter zu lesen. Eine Verfolgungsjagd, bei der ich überhaupt nicht mehr wusste, wer nun wirklich von Jerry und Phil gejagt wird – und geschweige denn, in welchem Zusammenhang das stand. Es ist eben das Problem mit den viel zu vielen Namen. Wie schon gesagt war es total unnötig, Chinesen bzw. die Chinesische Mafia ins Spiel zu bringen – und es war unnötig, so viele Personen zu erwähnen, die dann allesamt solch unaussprechliche Namen wie Li Laotse-ten, Hsien Hsing-hai, Huang Tsu, Huang Kung-wan, Tien-hua, Hsiao Yu-Mei, oder Tschau Meng-fu haben. Wie der Roman weitergeht, weiß ich eben nicht und ob ich ihn eventuell doch noch zu Ende lese auch nicht, aber selbst wenn sich die Story noch spannend entwickeln sollte, würde mein Urteil nicht anders ausfallen – es ist in meinen Augen eine Frechheit, für so etwas einen Euro und fünfzig Cent zu verlangen. Spannung kam für mich in keiner Seite auf; Mafia-Geschichten habe ich ja schon immer mit etwas gemischten Gefühlen gesehen, aber diese Story hat mich nur in meiner Ansicht bestätigt, dass man solche Romane in die Tonne treten kann – woran dieser Chinesen-Kram einen nicht unwesentlichen, dafür aber umso unnötigen Teil trug. Neben dem Autor muss ich doch wirklich die Person/en kritisieren, die die Vorschau für diesen Roman getextet hat/haben: „Es begann wie eine der üblichen Rauschgiftgeschichten. Dealer kämpften um Marktanteile und pumpten Unmengen von Koks in den Markt. Doch dann kamen wir dahinter, dass es um einen noch wertvolleren Stoff ging, dessen Preis um ein Vielfaches höher lag, als alles Rauschgift der Welt...“ Hä? Kann es sein, dass hier die Vorschau vertauscht wurde? Nix Rauschgift, Rauschgift wär ja wenigstens noch ’ne halbwegs angenehme Story – da weiß man, was einen erwartet, aber das hier ist… ja, was ist das? Langeweile pur, was anderes fällt mir dazu einfach nicht ein. Ich schätze einfach mal, dieser Roman wurde von einem sehr jungen Autor geschrieben (und ich meine „jung“ nicht im Sinne vom richtigen Alter des Autors, sondern von der Zeit, die er bereits für Jerry Cotton schreibt her), denn ich kann mir kaum vorstellen, dass ein schon länger für Jerry Cotton arbeitender Autor so viel Naivität was die Gangster angeht, mit sich bringt. Und so ganz klar ist mir auch nicht, was die Frau auf dem Cover mit dem Roman zu tun haben soll. Als Fazit kann ich dazu sagen: Ich hatte nach der Lektüre der Bände 2531 und 2545 gedacht, es ginge nicht schlimmer, aber auch hier hat man mich eines Besseren belehrt – schlimmer geht’s immer, denn Nr. 2531 und 2545 waren wenigstens spannend aufgebaut – hier war gar nichts dran spannend, das war einfach nur – langweilig eben. Wäre dies mein erster Cotton-Roman bzw. wäre ich ein neuer Leser, würde ich vor JC doch sehr schnell die Flucht ergreifen. © Koopa |